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Pfiffige Werbeidee ist leider verboten: Warum es in Frankfurt keine Hundetüten mehr gibt

Von Die Not mit dem Kot macht erfinderisch: Das Grünflächenamt der Stadt will keine neuen Hundetüten mehr für die Spendergeräte kaufen, um 20.000 pro Jahr Euro zu sparen. Eine Hundebesitzerin hat einen Vorschlag, der leider nicht verwirklicht werden kann.
Immer schön eintüten und ja nichts liegen lassen: Diese Tierfreundin entsorgt gerade eine Tretmine, die ihr vierbeiniger Freund gelegt hat. Foto: Rainer Jensen (dpa) Immer schön eintüten und ja nichts liegen lassen: Diese Tierfreundin entsorgt gerade eine Tretmine, die ihr vierbeiniger Freund gelegt hat.
Frankfurt. 

Jeder Frankfurter ist in seinem Leben schon einmal in die ausgelegte Tretmine eines Vierbeiners getappt und findet das alles anderes als „Wow“! Eine verantwortungsvolle Hundebesitzerin wie Astrid Pfeiffenhagen, Frauchen von Buster, tütet dagegen die Hinterlassenschaften ihres ostsibirischen Steppenkojoten, gewissenhaft ein. Viel ist es ja nicht. Im gesamten Stadtgebiet stehen dafür rund 150 Hundekot-Tütenspender, aus denen Herrchen und Frauchen kostenfrei einen Plastikbeutel zum Eintüten ziehen kann. Der Dreck muss nämlich weg.

Laut städtischem Bußgeldkatalog kostet ein nicht entfernter Hundehaufen mindestens 90 Euro. Auf Grünanlagen und Spielplätzen muss Herrchen bis zu 180 Euro löhnen. Da lohnt es sich, den Dreck einzutüten. Der Bußgeldkatalog fällt in die Ära von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), der die Sauberkeit der Stadt besonders am Herzen lag.

Jetzt sollen die Spender-Ständer nach dem Willen von Grünflächenamtschef Stephan Heldmann leer bleiben und nicht mehr mit Nachschub bestückt werden. Pro Jahr spart damit sein Amt 20 000 Euro.

Lieber Spielplätze

„Wir stecken das Geld lieber in Geräte für Kinderspielplätze als in Hundetüten“, erklärte Heldmanns Abteilungsleiter für die Grünflächenunterhaltung, Bernd Roser. Zudem sei die Bereitstellung der Tüten eine freiwillige Leistung der Stadt. Rund eine Million der Behältnisse werden pro Jahr ausgegeben, jetzt ist der Vorrat aufgebraucht.

Die Hundefreundin Astrid Pfeiffenhagen hat sich umgehört, und ein Angebot gefunden, das die Tüten für 7500 Euro anbieten würde, ein Sponsor würde die Kosten übernehmen. Einzige Bedingung: Er möchte die Tüten mit Werbung bedrucken.

Genau da fangen die Probleme an: Die Stadt hat die Konzession für Außenwerbung an die Firma „Ströer Media SE“ vergeben. Unter die Außenwerbung fallen auch Hundetüten. Für die Konzession zahlt Ströer einen Millionenbetrag an die Stadt Frankfurt und besitzt damit auch die Lizenz zur Werbung auf Hundetüten im Stadtgebiet. Das weiß auch Frau Greiffenhagen. Sie denkt daher an eine symbolische Abstandsgebühr an die Firma Ströer, um das Tütenangebot des Sponsors wahrnehmen zu können: „Ein Euro vielleicht.“ Die bedruckten Plastikbeutel würden dann wie bisher von den Tütenpaten bestückt. Das sind engagierte Hundefreunde, welche die Spender bei ihren Spaziergängen wieder auffüllen.

Die Politik ist eingeschaltet

Die Politik ist bereits eingeschaltet. Als Chef der CDU-Fraktion muss sich Michael Prinz zu Löwenstein ohnehin um jeden Sch. . . kümmern. Löwenstein nimmt das Thema ernst. „Der Grünflächenamtschef hat uns das Ganze vorgerechnet.“ Die CDU-Fraktion will Heldmann aber freie Hand lassen: „Da können wir dem Magistrat nicht hineinregieren“, betonte Löwenstein. „Außerdem können die Hundebesitzer ja ein Tütchen von zu Hause mitnehmen, wenn sie Spazierengehen.“

Dass die Tütchenausgabe eine freiwillige Leistung der Stadt darstellen, betonte Roser. In Zeiten knapper Kassen müsse darauf verzichtet werden. Auch Löwenstein kennt das Problem des drohenden Tütchenentzug: „Wenn man mit so etwas angefangen hat, glauben die Leute, dass sie einen Anspruch darauf haben.“

Es gibt aber Hoffnung. Möglicherweise werden bei der Neuverhandlung des Konzessionsvertrags für Außenwerbung die Hundetüten ausgeklammert. Auch beim Grünflächenamt hat bereits ein Sponsor vorgesprochen. Den Namen wollte Roser nicht verraten. Nur so viel: Die Firma hatte was mit Tieren zu tun.

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