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Trainingsprogramm: Was Ärzte von Piloten lernen können

Von Mehr Sicherheit für Patienten versprechen sich die BG-Kliniken, der Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung, von einem neuen Trainingsprogramm für Ärzte und Pflegepersonal. Die Mitarbeiter sollen von Lufthansa-Piloten lernen, wie man offen über Fehler redet, um Schlimmeres zu vermeiden.
Trainingsziel Kommunikation: Angst vor dem Vorgesetzten kann dazu führen, dass Fehler nicht angesprochen werden. Im OP-Saal und Cockpit ist das gefährlich. Trainingsziel Kommunikation: Angst vor dem Vorgesetzten kann dazu führen, dass Fehler nicht angesprochen werden. Im OP-Saal und Cockpit ist das gefährlich.
Frankfurt. 

Auf die Idee, das ein Cockpit und OP-Saal Gemeinsamkeiten haben können, muss man erstmal kommen. Rheinhard Hoffmann, Ärztlicher Direktor der BG-Unfallklinik Frankfurt, erklärt dies so: „Piloten und Ärzte haben eine hohe Verantwortung für ihre Kundschaft. Die einen wollen sie sicher von A nach B bringen, die anderen von der Krankheit zur Gesundung.“ Insbesondere von Chirurgen sei immer wieder der Wunsch nach speziellen Schulungen zur Fehlervermeidung geäußert worden. Die Luftfahrt sei dabei als Vorbild genannt worden. „Also haben wir uns mit der Lufthansa zusammengesetzt“, so Hoffmann.

Neuartige Kooperation

Herausgekommen ist eine bislang einzigartige Kooperation. Lufthansa Aviation Training, das Aus- und Weiterbildungsunternehmen der Fluggesellschaft, hat zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm für den Medizin-Bereich entwickelt. Der bundesweite Verbund der BG-Kliniken setzt dieses Programm als erster Klinikkonzern ein. Rafaela Korte, Geschäftsführerin der Frankfurter BG-Klinik, sieht darin einen wichtigen Schritt, um die Patientensicherheit und die Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen. „Wenn die BG-Kliniken in Punkto Sicherheit irgendwann die Lufthansa der Kliniken sind, haben wir viel erreicht“, sagt sie.

Falscher Respekt

Die zweitägigen Schulungen, die immer von einem Mediziner und einem Piloten geleitet werden, drehen sich um die Hauptursache von Fehlern: den Faktor Mensch. Es geht darum, die „interpersonelle Kompetenz“ zu stärken, die zwischenmenschliche Kommunikation auch über Hierarchiestufen und Berufsgrenzen hinweg.

Was das bedeuten kann, macht Chirurg Hoffmann an einem Beispiel aus den Anfängen seiner Karriere deutlich: „Als Assistenzarzt hatte ich einen Chef, der international hoch angesehen war. Vor ihm hatten wir alle einen Riesenrespekt.“ Doch einmal habe sich die Koryphäe bei einer Beckenoperation an der falschen Körperseite des Patienten zu schaffen gemacht. „Am OP-Tisch haben wir alle gespürt, dass etwas nicht stimmt. Aber niemand hat sich getraut, es zu sagen.“

Mithilfe des Trainingsprogramms soll eine „Sicherheitskultur“ geschaffen werden, die solche falschen Ängste abbaut. „Unser Ziel ist ein kultureller Wandel“, sagt Hoffmann, „damit jeder Mitarbeiter Fehler melden kann, um daraus zu lernen.“

Martin Egerth, der bei Lufthansa Aviation Training für diesen Schulungsbereich verantwortlich ist, sagt: „In der Luftfahrt haben wir bereits in den 1990er Jahren erkannt, dass wir auch interpersonelle Fähigkeiten benötigen und dass diese einen gleich hohen Stellenwert haben wie technische und prozedurale Fähigkeiten.“ Die entsprechenden Trainings hätten dazu beigetragen, dass im Jahr 2016 das sicherste Jahr in der Geschichte der zivilen Luftfahrt wurde, erklärt der Psychologe. „Wir freuen uns, gemeinsam mit unseren Partnern eine ähnliche Entwicklung in der Medizin anzustoßen.“

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