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Was BI-Sprecher und Kommunalpolitiker von dem Fraport-Angebot halten

Von Sascha Kröner Mit Geld kann nicht alles gekauft werden. Vor allem keine neue Heimat, wenn die alte nicht freiwillig verlassen werden muss. Doch wer aus wirtschaftlichen Gründen bisher nicht dem Fluglärm ausweichen Bilder >

Flörsheim. 

Mit Geld kann nicht alles gekauft werden. Vor allem keine neue Heimat, wenn die alte nicht freiwillig verlassen werden muss. Doch wer aus wirtschaftlichen Gründen bisher nicht dem Fluglärm ausweichen konnte, weil er bisher für seine Immobilie kein Ankaufangebot von der Fraport bekam, für den gibt es nun Hoffnung. Allerdings: Über den Wert der Häuser im Baugebiet Nord gibt es große Differenzen bei den Vorstellungen zwischen den Anbietern und den Interessenten. Dass die Preise für Immobilien in Flörsheim stabil geblieben sind, entpuppt sich allerdings sich allerdings als Mär. Der Immobilienmarkt ist nämlich seit Eröffnung der Nordwest-Landebahn im Oktober fast zum Erliegen gekommen.

Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD):

Für den Verwaltungschef war die Nachricht von der Ausweitung des Casa-Programms keineswegs neu. "Das habe ich schon vor Wochen gewusst", zeigte sich der Rathauschef nicht überrascht. Schließlich hätten Fraport-Chef Stefan Schule sowie die Landesregierung eine Änderung der Modalitäten bereits direkt oder indirekt angekündigt. Das Angebot für diejenigen, die in den Übergangszonen ihre Immobilien haben, sei ein Anfang bei den Bemühungen, den Bewohnern wenigstens die Möglichkeit zu geben, das Baugebiet Nord zu verlassen. Zu überprüfen sei nun zudem die Stichtagregelung für den Verkehrswert der Häuser sowie für die Verpflichtung zum Abkauf der Immobilien. Doch auch beim passiven Schallschutz müsse noch viel getan werden, fordert der Rathauschef. So zum Beispiel für die oberen Stockwerke der Häuser, in denen meist auch die Schlafräume untergebracht seien. "Da muss nach Lösungen gesucht werden." Und noch überhaupt nicht konkret angesprochen worden seien bisher die notwendigen Kompensationszahlungen für die Stadt Flörsheim. Denn durch den sozialen Wandel, der sich durch den Wegzug von Familien ergebe, müsse die Stadt trotzdem weiter investieren, um eine attraktive Kommune zu bleiben. Dafür müssten der Stadt Flörsheim vom Land entsprechende Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden, forderte Michael Antenbrink.

Sven Heß (Galf):

"Eine Ausweitung des Casa-Programms kommt den Leuten zugute, die tatsächlich die Absicht haben, zu verkaufen. Denjenigen, die weiterhin hierbleiben wollen – dazu zähle ich auch mich selbst –, nutzt das aber nichts. Es kann ja auf Dauer auch nicht unser Ziel sein, dass alle Leute wegziehen, die es sich leisten können. Außerdem ist es fraglich, ob man sich für das gebotene Geld an anderer Stelle das Gleiche aufbauen kann. Die Ausweitung des Programms ist natürlich ein Erfolg für die Demonstranten, die jetzt sehen, dass man etwas erreichen kann. Das Erreichte ist aber nicht unser Ziel. Wir wollen den Lärm hier wegkriegen."

Carola Gottas (Bürgerinitiative Flörsheim-Hochheim):

"Ich fände es ganz schlimm, wenn alteingesessene Flörsheimer wegziehen und durch Fraport-Mitarbeiter ersetzt würden. So eine Veränderung in unserer Stadt kann ich nicht gutheißen. Natürlich ist die Ausweitung des Casa-Programmes eine Möglichkeit für diejenigen, die verkaufen wollen, es bisher aber nicht können. Für einzelne Familien mit Zukunftsangst ist die Anpassung gut, für Flörsheim und unsere Gemeinschaft ist das aber nicht gut. Glücklich wird mit Sicherheit niemand dadurch, dass er sein Haus verkaufen kann. Die Veränderung von Casa zeigt aber, wie hilflos Fraport mittlerweile ist."

Renate Mohr (Galf):

"Wir sind alle mal gespannt, welche Veränderungen tatsächlich angeboten werden. Wenn mehr Flörsheimer entschädigt werden, bin ich natürlich froh. Ich weiß aber auch von vielen Flörsheimern, die überhaupt nicht weg wollen. Die Leute haben sich bewusst entschieden, in Flörsheim zu wohnen. Die Menschen wollen hier leben. Hier legt keiner in erster Linie Wert darauf, dass Casa ausgeweitet wird. Das wäre ein Zeichen in die falsche Richtung. Die Flörsheimer, die nicht in den erweiterten Zonen leben, müssen ja weiter zugucken. Vielleicht müssen die Betroffenen jetzt auch noch dabei zusehen, wie ihre Freunde und Bekannte wegziehen."

Mirijam Kröhle (CDU, Ortsvorsteherin Flörsheim Stadtmitte):

"Meiner Meinung nach kann die Ausweitung von Casa nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Da muss noch wesentlich mehr kommen. Ich würde mir stattdessen Maßnahmen wünschen, die eine Minderung des Lärms zur Folge haben. Es nutzt doch nichts, einzelne Gebiete mit Geld abzuspeisen. Geld allein macht nicht glücklich. Das hilft nur einigen wenigen. Doch was nützt das den Schulen oder den Kindergärten, die vom Fluglärm betroffen sind? Ich finde, so kann das nicht laufen. Und die Leute, mit denen ich bisher geredet habe, möchten hier auch gar nicht weg."

Hans Jakob Gall (Vorsitzender von "Für Flörsheim"):

"Wenn Fraport jetzt ihr freiwilliges Programm erweitert, kann es ja gar nicht so freiwillig sein. Die sind nicht von alleine darauf gekommen, sondern aufgrund des Drucks aus der Region. Demos und Proteste haben das bewirkt. Und mittlerweile scheint man festgestellt zu haben, dass in Flörsheim dasselbe gilt wie bei der Ticona. Nur diesmal kauft Fraport die Leute auf. Der Beweis, dass über Flörsheim etwas Gesundheitsschädliches passiert, wird damit erbracht. Jetzt bekennen die Farbe. Doch für uns ist das kein Grund, zu Jubilieren. Wir werden weiter protestieren."

Marcus Reif (CDU):

"Jeder Schritt auf die Betroffenen zu ist richtig, dennoch bleibt die Frage offen, wie bei dieser Lärmbelastung eine gute und vor allem ruhige Zukunft möglich ist. Die Nordwest-Landebahn reißt vielen Flörsheimern die Wurzeln aus. Deshalb muss außerdem eine Erweiterung des Nachtflugverbotes kommen. Das heißt, von 22 bis 6 Uhr muss Ruhe am Himmel sein. Der Lärm muss zudem auch am Tage geringer als bisher werden. Hier wartet noch viel Arbeit auf die Landespolitik. Außerdem sollte noch einmal die Stichtag-Regelung auf den Prüfstand. Denn damit werden weitere Ungerechtigkeiten aufrechterhalten, die meiner Meinung nach nicht fair sind."

Markus Ochs (CDU, Erster Stadtrat): "Ich bin ja eigentlich daran interessiert, die Leute hier in Flörsheim zu halten. Die Ausweitung des Casa-Programms ist deshalb nur ein Teilerfolg. Damit ist in keiner Weise denjenigen geholfen, die sagen: Wir bleiben hier. Uns helfen nur Betriebsbeschränkungen. Mir ist zum Beispiel wichtig, dass die Zahl der Anflüge aus Richtung Westen weiter verringert wird. Ich denke, dass der gemeinsame öffentliche Druck bei der aktuellen Entscheidung maßgeblich war. Aber auch interner Druck, wie er unter anderem von mir in Wiesbaden ausgeübt wurde, hat sicherlich eine Rolle gespielt. Irgendwie kommt das alles bei Fraport an."

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