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Was aus dem Aufschrei wurde

Die Debatte um Sexismus und Frauenfeindlichkeit polarisierte in den vergangenen Monaten wie kein zweites Thema. Am Freitag wurden die Initiatorinnen der Twitter-Kampagne „#Aufschrei“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Mit-Initiatorin Nicole von Horst sprach darüber, wie alltäglicher Sexismus das Leben beeinflusst.
Nicole von Horst ist eine der Kampagne-Initiatorinnen.	Foto: Rüffer Nicole von Horst ist eine der Kampagne-Initiatorinnen. Foto: Rüffer
Frankfurt. 

Alles fing vor gut einem halben Jahr damit an, dass eine Stern-Reporterin darüber berichtete, wie FDP-Politiker Rainer Brüderle sich ihr auf unschickliche und nicht minder geschmacklose Weise anbiederte. Kurze Zeit später starteten einige Internet-Bloggerinnen auf dem Online-Nachrichtendienst Twitter die „#Aufschrei-Kampagne“. Binnen kürzester Zeit berichteten tausende Frauen darüber, wie auch sie Opfer sexueller Übergriffe wurden. Nun wurden die vier #Aufschrei-Initiatorinnen mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Problem tief verankert

Die 26-jährige Nicole von Horst, eine der Grimme-Preisträgerinnen, debattierte gestern auf Einladung von Ursula auf der Heide, Stadtverordnete und frauenpolitische Sprecherin der Frankfurter Grünen, über das Thema „Sex(ismus) in the City. High Heels und Frauenbewegung 2.0“. Ein Klaps auf den Po am Arbeitsplatz, ein anzüglicher Blick in der U-Bahn, Vorbehalte, Frauen in Führungspositionen zu hieven oder sexistische Werbung: Das Problem ist vielschichtig, allgegenwärtig und schwer zu bekämpfen. Und das, obgleich feministische Urgesteine wie Alice Schwarzer seit Jahrzehnten gegen Frauenfeindlichkeit angehen, ist dieses Problem noch immer tief in unserer Gesellschaft verankert. Darin waren sich Nicole von Horst und die rund zwei Dutzend Anwesenden schnell einig. Bloß, was ist zu tun?

Gesten der Macht

„Es ist eine alte Debatte, die immer wieder geführt werden muss“, so die Grimme-Preisträgerin. Das Problem werde inzwischen weitaus stärker wahrgenommen. Das zeige sich daran, dass ein halbes Jahr nach Start der #Aufschrei-Debatte noch immer darüber gesprochen werde. Egal, ob Vergewaltiger entweder gar nicht oder nur sehr selten belangt würden oder Frauen mit rüden Anmachsprüchen konfrontiert werden: All dies seien „Macht-Gesten mit dem Zweck, Frauen zu verunsichern“, so von Horst. Dagegen helfe nur, Sexismus im Alltag zu erkennen und mit aller Macht dagegen vorzugehen. Von Horst rät, Sexismus direkt anzusprechen, sich auf die Suche nach Verbündeten zu machen und kein Geld mehr für sexistisch beworbenen Produkte auszugeben.

Sexismus habe nichts mit Bildungsstand oder Herkunft zu tun, sondern sei ein gesellschaftlicher Missstand, der sich in allen Milieus wiederfinde. Umso wichtiger sei es, am Thema festzuhalten: Vielleicht sei die Debatte „nicht immer das große Mediending aber im Alltag weiter vorhanden“, so von Horst, die kürzlich aus Hildesheim nach Frankfurt zog und demnächst ein Buch mit dem Titel „Ich bin kein Sexist, aber . . .“ veröffentlicht.

(Mirco Overländer)
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