Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Was das neue Schallschutzpaket bringt

"Point Merge" und konstanter Sinkflug: An einem bestimmten Punkt werden die Flugwege in einer Reihe zusammengeführt, um ähnlich dem Reißverschlussverfahren im konstanten Sinkflug den Endanflug anzutreten.
Dieter Faulenbach da Costa Bilder > Dieter Faulenbach da Costa

"Point Merge" und konstanter Sinkflug: An einem bestimmten Punkt werden die Flugwege in einer Reihe zusammengeführt, um ähnlich dem Reißverschlussverfahren im konstanten Sinkflug den Endanflug anzutreten.

KRISTINA KELEK; Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS): Ein Projekt, von dem wir uns viel erhoffen. Es wirkt allerdings für Niederrad, Oberrad und Sachsenhausen nicht entlastend, da der Endanflug von diesem Projekt unangetastet bleibt. Der Point Merge liegt – vereinfacht gesagt – "weiter draußen".

Fraport-Kritiker DIETER FAULENBACH DA COSTA: Dieser "Segelflug" vom "Point Merge" zum Endanflug wird zwischen Hanau und Oberrad möglicherweise zu einer Anhebung des Fluglärms führen. Dort müssen die Flugzeuge ihre Landebahnkonfiguration (Klappen, Schub, Fahrwerk) einnehmen.

Höhere Überflüge durch Anhebung des Anflugwinkels der Nordwest-Landebahn von 3 auf 3,2 Grad.

Fraport-Sprecher DIETER HULICK: Wir haben die nötige Infrastruktur durch die Einrichtung einer zweiten Instrumenten-Landesystem-Anlage auf der Landebahn Nordwest für beide Anflugrichtungen geschaffen. Die Erprobung und eventuelle Einführung des erhöhten Gleitwinkels wird durch die DFS und die Airlines vorgenommen und soll bis Oktober 2012 abgeschlossen sein.

KELEK: Die Erhöhung des Gleitwinkels könnte eine Entlastung für Sachsenhausen und Oberrad bringen. Im Sachsenhausen sind das beispielsweise 40 Meter mehr als vorher. Wir betrachten die Veränderungen als "vorsichtig optimistisch", da der Pilot dem steileren Anflugwinkel und der dadurch entstehenden höheren Geschwindigkeit unter Umständen mit erhöhtem Einsatz von Landeklappen begegnen muss.

FAULENBACH DA COSTA: Pro 1000 Meter Entfernung vom Aufsetzpunkt wird die Überflughöhe um 3,5 Meter angehoben. Von Niederrad bis Oberrad kann man diesen Effekt schon heute erleben, indem man sich um 1000 Meter ostwärts bewegt.

Lärmpausen, indem zeitweise auf andere Flugrouten und Landebahnen ausgewichen wird (auch Dedicated Runway Operations, kurz Drops genannt).

HULICK: Lärmpausen führen auch im Frankfurter Süden zu einer spürbaren Entlastung, da überflogene Gebiete für gewisse Zeiträume nicht überflogen werden.

KELEK: Diese Maßnahme würde Niederrad, Sachsenhausen und Oberrad bei Starts in Richtung Osten jeden zweiten Tag entlasten. Allerdings kann Drops zu Kapazitätseinbußen führen. Die Einführung wäre Ende 2012 möglich.

FAULENBACH DA COSTA: Drops dient der Lärmminderung zwischen 23 und 5 Uhr durch eine bevorzugte Startbahn- und Flugroutennutzung; Drops "Early Morning" ist die zeitliche Ausdehnung bis 6 Uhr. Drops führt lediglich zu Lärmpausen.

Leiseres Fliegen durch vorgezogene "Ausflottung" älterer und lauterer Maschinen und technische Modifikation von Flugzeugen der Lufthansa.

HULICK: Die Ausflottung älterer Flugzeuge und Modifikation von Flugzeugtypen wird weniger Lärm auch im Frankfurter Süden bedeuten. Das ist Aufgabe der Airlines. Die Fraport ist mit der Preisdifferenzierung nach den Lärmemissionen schon vor Jahren weltweit als Erste vorangeschritten. Dies wird nun weiter entwickelt, um Anreize so setzen, dass künftig noch mehr leisere Flugzeuge eingesetzt werden.

FAULENBACH DA COSTA: Noch 2011 hat die Lufthansa die gleichen Flugzeuge des Typs Boeing 737 umgerüstet, die nun ausgeflottet werden sollen. Laut Lufthansa sollen bis 2016 drei Flugzeuge der B 737-Flotte ausgeflottet werden. Zudem bringt eine Umrüstung anderer Flugzeugtypen eine Lärmreduktion von zwei Dezibel. Das ist eine fast nicht wahrnehmbare Minderung.

Neue Abflugverfahren durch reduzierte Nutzung der über den Frankfurter Süden verlaufenden Abflugstrecken und Einführung einer neuen Route "07 ultralang", die um Frankfurt herumführt. Ebenfalls ist die Rede von einem kontinuierlichen Steigflug und einem gekurvten Anflugverfahren.

HULICK: Die Abflugstrecke "07 ultralang", würde den Frankfurter Süden direkt entlasten.

KELEK: Die Neugestaltung der Abflugroute 07 würde für Niederrad eine Entlastung bringen. Eine Umverteilung auf die "07 Nord lang" würde unter Umständen Oberrad und Sachsenhausen mehr belasten. Die Nutzung wäre nach Beratung durch die Fluglärmkommission gegen Ende 2012 möglich. Die neue Route "07 Nord ultralang" würde den Lärm zwar um Frankfurt herum führen, jedoch andere Regionen belasten. Diese Maßnahme müsste mit dem Bundesverkehrsministerium besprochen werden, da möglicherweise Kapazitätseinbußen zu erwarten wären. Die Nutzung wäre frühestens ab 2014 möglich.

FAULENBACH DA COSTA: Die reduzierte Nutzung der Abflugstrecke "07kurz" und eine Verlagerung auf die Abflugstrecke "07lang" führt zur Entlastung der westlichen Stadtteile und somit zu einer zusätzlichen Belastung von Sachsenhausen, Oberrad und Offenbach! Die Bewertung der neuen Abflugstrecke "07 ultralang" ist derzeit nicht möglich, da diese Abflugstrecke weder dargestellt noch beschrieben wird.

Monitoring des Flugverkehrs und intensivere Erforschung lärmmindernder Landeverfahren.

HULICK: Intensivere Forschung und Monitoring führen nicht zu einer direkten Entlastung, legen aber den Grundstein für weitere Maßnahmen und sollen einen weitere Anreize für lärmarmes Fliegen schaffen.

FAULENBACH DA COSTA: Das Monitoring übernehmen das Umwelt- und Nachbarschaftshaus sowie die DFS und die Fraport. Zweifel an der Unabhängigkeit und Neutralität sind angebracht. Was die Erforschung weiterer Verfahren anbelangt, so werden diese schon jetzt weltweit praktiziert, in Frankfurt aber nicht umgesetzt.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse