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 Was die SPD jetzt vorschlägt, wurde vor 20 Jahren bereits geplant

Alles schon mal dagewesen: Für die Ackerfläche zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach, auf der die SPD neue Wohnungen bauen will, wurden schon vor 20 Jahren Pläne geschmiedet. „Pfingstberg“ sollte die Trabantenstadt mit rund 25 000 Wohnungen heißen.
Frankfurt. 

Der Handlungsdruck war groß Anfang der 90er Jahre: Nach Jahren der Stagnation stiegen die Einwohnerzahlen in Frankfurt wieder. Vor allem aus den neuen Bundesländern bekam die Stadt Zulauf. Wohnungen wurden knapp.

Deshalb machte sich das Planungsdezernat intensiv Gedanken darüber, wo Frankfurt noch wachsen könnte. Flächen für eine umfangreiche Stadterweiterung wurden vor allem im Norden ausgemacht. Untersucht wurde die gesamte Fläche zwischen Niederursel und Nieder-Erlenbach. Realisiert wurde am Ende das Baugebiet zwischen Niederursel und Kalbach, das heute als der neue Stadtteil Riedberg bekannt ist. „Es war einfach ein Stück näher an der Stadt“, erinnert sich der damalige Planungsdezernent Martin Wentz (SPD), der heute als Projektentwickler tätig ist und Stadtplanung an der Universität Regensburg lehrt.

Pläne wurden aber auch für das etwas weiter entfernte Areal zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach geschmiedet. Die bekannten Frankfurter Architekten D. W. Dreysse und Ernst Ulrich Scheffler legten 1993 eine Studie für ein Neubaugebiet vor, das sie in Anlehnung an eine auf dem Areal liegenden Anhöhe „Pfingstberg“ nannten. Der heutige Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) hat die Studie aus dem Archiv holen lassen, nachdem die SPD-Fraktion im Römer eine Bebauung des Gebietes wieder ins Gespräch gebracht hatte.

50

 

000 Einwohner

Nach Ansicht der SPD wäre im Frankfurter Norden Platz für rund 8000 Wohnungen. Die Autoren der Studie von 1993 hingegen dachten in wesentlich größeren Dimensionen: Auf 330 Hektar Fläche sollte der neue Stadtteil Platz für rund 25 000 Wohnungen und damit etwa 50 000 Einwohner bieten. In weiteren Baugebieten, die zum Teil schon auf Bad Homburger oder Bad Vilbeler Gemarkung liegen, sollten weitere 10 000 Wohnungen entstehen.

Die Planer stellten sich einen eigenständigen Stadtteil vor, der die dörfliche Struktur der umliegenden Orte unangetastet lässt. 25 Prozent der Gesamtfläche sollte für „nichtstörendes Gewerbe“ reserviert werden. Schon die planerische Grundidee deutet darauf hin, dass keine Reihenhaus-Siedlung, sondern eine dicht bebaut Stadt entstehen sollte. Sie schlugen eine Bebauung mit 60 mal 180 Meter großen Blöcken vor - ein Raster, das sie dem Stadtplan von Manhattan entnahmen. Auch bei den Straßen scheuten sie Vergleiche mit New York nicht: Landstraßen sollten zu städtischen Alleen werden, die an den Broadway erinnern.

Zur Verkehrserschließung schlagen die Planer zwei U-Bahn-Linien vor: Eine sollte als Verlängerung der mittlerweile realisierten Riedberg-Bahn Teil einer Ringlinie werden. Darüber hinaus sollte eine „Nordlinie“ von der Innenstadt über die Friedberger Landstraße, Berkersheim und Harheim zum Pfingstberg führen.

„Nicht mehr zeitgemäß“

Den Planern war bewusst, dass das Neubaugebiet zu Problemen mit dem Stadtklima führen könnte. Sie empfahlen deshalb, zunächst den Riedberg zu bebauen. Für Cunitz ist die Studie ein „faszinierendes Dokument“. Zeige sie doch, wie man noch vor 20 Jahre Stadtplanung betrieben habe. Ein Stadtteil mit 50 000 Einwohnern hätte den Frankfurter Norden völlig umgekrempelt, es wäre ein enormer Aufwand für die Infrastruktur nötig gewesen. „Das ist absolut nicht mehr zeitgemäß.“ Wentz hingegen hält den damals gewählten Ansatz nach wie vor für richtig. Ein eigenständiger Stadtteil würde die dörflichen Strukturen im Frankfurter Norden schützen. Auch die Verkehrserschließung ist seiner Ansicht nach kein Problem. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

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