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Apfelweinfest: Was guten Apfelwein ausmacht

Beim Oberräder Apfelweinfestival wurde aus 15 hausgemachten Apfelweinen das beste Stöffche ausgewählt. Dessen Kelterer vertritt den Stadtteil bei den Hessenmeisterschaften im Juni. Aber was macht einen guten Apfelwein aus? Wir haben mit den Oberrädern Experten einen Kriterienkatalog erarbeitet.
Kenner:  Michael „Euro“ Koch erklärt auf dem Oberräder Apfelweinfestival, wie ein guter Apfelwein schmecken muss und wie man ihn keltert. Bilder > Foto: Holger Menzel (Holger Menzel) Kenner: Michael „Euro“ Koch erklärt auf dem Oberräder Apfelweinfestival, wie ein guter Apfelwein schmecken muss und wie man ihn keltert.
Oberrad. 

Das Wichtigste beim Oberräder Apfelweinfestival ist es, eine gute Grundlage im Magen zu schaffen. Wer schließlich 15 hausgemachte Apfelweine verkosten und gerecht urteilen will, der möchte sich bei den letzten Gläsern nicht darauf konzentrieren müssen, nicht umzufallen. Klar, zum Verkosten bekommen die Besucher jedes Stöffche nur drei Finger hoch ins Gerippte geschenkt, doch das läppert sich.

Darum machen sich die ersten Besucher am Sonntagmittag im Saalbau „Depot“ am Buchrainplatz zuerst mit Würsten und Brötchen fit für ihre verantwortungsvolle Aufgabe. Hier wird der „Oberräder Ebbelwei-König“ gekrönt und das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der Sieger vertritt Oberrad im Juni bei der Hessenmeisterschaften. Eine Ehrensache also, auch wenn die Oberräder Kelterer bei der Landesmeisterschaft immer einen der letzten Plätze belegen, wie Michael Koch, einer der Festival Organisatoren und zudem im Ski-Club aktiv, zugibt. Das sei aber kein Grund, sich zu grämen. „Die, die dort antreten, das sind richtige Winzer. Wir sind dagegen Apfelwein-Kelterer“, sagt er.

Winzer und Kelterer

Den Unterschied beschreibt er so: Die Winzer lassen die Äpfel länger am Baum hängen. Das macht den Apfelwein fruchtiger – die wichtigste Eigenschaft. Auch keltern jene, die Koch „Winzer“ nennt, ihre Apfelweine auf einen bestimmten Geschmack hin. „Wir Apfelwein-Kelterer arbeiten da natürlicher“, sagt Koch. Wie der Apfelwein am Ende schmecke, sei immer eine Überraschung. Zuviel hänge von der Apfelsorte ab. Wegen der schlechten Apfel-Saison im vergangenen Jahr habe man wenig Auswahl gehabt.

Dieter Gaul ist seit gestern „Oberräder des Jahres 2017“ und Ebbelwei-König.
Dieter Gaul ist der „Ebbelwei-König 2018“

Mit den Äpfeln und der Hefe hat Dieter Gaul (61) alles richtig gemacht. Mit einigem Abstand haben ihn die Oberräder gestern Abend zum Ebbelwei-König gewählt.

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Das heißt aber nicht, dass die Kelterer keinen Einfluss darauf hätten, wie ihre Apfelweine schmecken. Das wird klar, wenn man beginnt, sie zu vergleichen. Keiner schmeckt wie der andere. Die Organisatoren haben sie anonymisiert, nur Michael Koch weiß, welcher Apfelwein sich hinter welcher Nummer verbirgt.

Das Geschmacksempfinden sei eben subjektiv, sagt Koch. „Manche mögen es herb, andere lieblich. Nur fruchtig ist immer gut.“ Dennoch gibt es einige Maßstäbe. Etwa Wein Nummer 10: Der ist zwar sehr sauer, doch weil er fruchtig schmeckt, ist das nicht schlimm. Kriterium Nummer eins ist also: Das Verhältnis von Säure und Fruchtigkeit muss stimmen. Das erfüllt auch die Nummer 15. Koch ist dennoch nicht überzeugt. „Der ist mir zu dünn.“ Damit meint er nicht den Alkoholgehalt, der ist kaum herauszuschmecken. Nummer 15 hat ihm nicht genug Geschmack. Zweites Kriterium: Es muss was los sein im Mund.

„Schmeckt wie alte Kekse“

Auch Sofie Reitbauer und Tjorven Burschyk verkosten sich durch die Konkurrenz. Die beiden 18-jährigen Kelterinnen sind die jüngsten Teilnehmer und werden auf dem fünften Platz landen. Ob sie ihren eigenen Apfelwein herausschmecken, wissen sie nicht. „Wir hoffen es aber“, sagt Reitbauer.

Die Nummer 6 ist es wohl schon einmal nicht. Schon vor dem ersten Schluck verzieht Burschyk das Gesicht. Der Apfelwein sieht aus wie verdünnt. Die Farbe passt nicht – das dritte Kriterium. Dass die beiden auf ihren Zettel aber nur „Iiihh“ schreiben, liegt am Geschmack. Der verletzt gleich zwei Regeln. „Der Nachgeschmack ist zu dominant. Der hört ja gar nicht mehr auf“, sagt Reitbauer. und greift nach dem Brotkorb, um den Geschmack zu neutralisieren. Viertes Kriterium: Ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Geschmack und Nachgeschmack. „Außerdem schmeckt er im Nachgang wie alte Kekse“, sagt Burschyk. Sie schüttet den Rest weg. Regel Nummer 5: Apfelwein darf nicht schmecken wie alte Kekse.

„Ach, Quatsch“, widerspricht ein Mann, der sich nur Saul nennt. „Das ist eben der Frankfurter Torf-Geschmack.“ Ihm schmeckt die Nummer 6 – am Ende landet sie auf Platz 11. Nicht schlecht. Vielleicht ist doch alles nur eine Geschmacksfrage.

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