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Medizin: „Was heißt Herzinfarkt auf Rumänisch?“

In der „Studentischen Poliklinik“ können angehende Ärzte praktische Erfahrungen sammeln und Menschen ohne Krankenversicherung erhalten medizinische Beratung. Die meisten sind dankbar, es gibt aber auch Probleme.
Medizinstudentin Stefanie Bachl (28) bei einer Ultraschaluntersuchung in der „Studentischen Poliklinik“, wo Menschen ohne Krankenversicherung behandelt werden. Foto: Heike Lyding (epd) Medizinstudentin Stefanie Bachl (28) bei einer Ultraschaluntersuchung in der „Studentischen Poliklinik“, wo Menschen ohne Krankenversicherung behandelt werden.
Frankfurt. 

„Ist die Creme gut?“, fragt Petra Tiarks-Jungk den Patienten und hält ihren Daumen nach oben. „Si, si“, antwortet der junge Mann und macht eine beschwichtigende Handbewegung. Er spricht Italienisch, kann kein Deutsch. „Das mit der Sprache ist schon schwierig“, sagt die Medizinerin, die seit dem Start der „Stu-Poli“ im Sommer 2014 dabei ist.

„Stu-Poli“ steht für „Studentische Poliklinik“: Jeden Dienstag und Mittwoch können Menschen ohne Krankenversicherung in die kostenlose Sprechstunde von Medizinstudenten in die Räume des Gesundheitsamtes kommen. Sie soll nur eine erste Station für die Erkrankten sein, das Team vermittelt sie weiter an Fachärzte. Im Schnitt nutzen pro Sprechstunde drei bis sechs Patienten das Angebot der Goethe-Universität. Ein vergleichbares Projekt gibt es bisher nur in Ulm.

Hohe Dunkelziffer

Laut Statistischem Bundesamt sind zurzeit mehr als 137 000 Menschen in Deutschland nicht krankenversichert. Die Dunkelziffer ist wesentlich höher. „Am Anfang gab es nur dienstags eine Sprechstunde, das hat nicht gereicht“, erzählt Kelly Hoffmann, die heute als „Clinical Manager“ für die Organisation der Sprechstunde zuständig ist.

Bei der Bezeichnung „Clinical Manager“ muss die 22-jährige Medizinstudentin lachen. „Unsere Idee mit der ,Stu-Poli‘ kommt aus den USA. Deswegen diese Namen.“ Hoffmann studiert im siebten Semester Medizin und ist seit drei Jahren freiwillig dabei. Das Projekt gilt als Lehrveranstaltung, die Studenten können sich die Stunden als Punkte anrechnen lassen. Das war aber nicht ihre Hauptmotivation: „Ich wollte praktische Erfahrungen sammeln, meinen Horizont erweitern.“ Das Angebot ist beliebt bei den Studenten. Jedes Jahr gebe es deutlich mehr Bewerbungen als freie Plätze, sagt Hoffmann. Allerdings unterschätzten einige auch den Aufwand, der hinter dem Projekt steckt. „Vor 20 Uhr sind wir hier nie raus.“

In den meisten Fällen kommen die Patienten mit Beschwerden wie Kopfschmerzen, Erkältung oder Bluthochdruck. Auch viele Schwangere suchen die „Stu-Poli“ auf. Meistens seien es rumänische Frauen, darunter auch Minderjährige, sagt Hoffmann. In diesen Fällen verweisen die Studenten in der Regel auf ein Programm des Gesundheitsamtes, das Schwangeren eine Geburt für 600 Euro ermöglicht, weniger als die Hälfte des üblichen Preises.

Die „Stu-Poli“ arbeitet mit fünf Hausärzten, einer Gynäkologin und verschiedenen Krankenhäusern aus der Umgebung zusammen. Finanziert wird das Projekt durch Spenden und von der Uni. Im Frühjahr 2017 hat die „Stu-Poli“ den mit 60 000 Euro dotierten Hessischen Hochschulpreis erhalten. Dieses Geld fließe ebenfalls in das Projekt, sagt „Stu-Poli“-Leiter Lukas Seifert.

„Wir sind heute spärlich besetzt“, sagt Hoffmann mit Blick auf ihre zwei Kommilitonen, als der nächste Patient das Anmeldezimmer betritt. Normalerweise sind die Studenten zu viert oder fünft. In einer zerknüllten Plastiktüte hat der Mann aus Rumänien alte Packungen seiner Medikamente mitgebracht, unter anderem Beta-Blocker. „Was heißt Herzinfarkt auf Rumänisch?“ fragt Hoffmann die Sozialarbeiterin Ramona Brinkmann, die seit Juni im Team ist und fließend Rumänisch spricht.

Ohne festes Einkommen

Der Mittfünfziger hatte einen Herzinfarkt, nun braucht er neue Tabletten. Als EU-Bürger hat er zwar ein Aufenthaltsrecht im Land, ist aber ohne festes Einkommen nicht versichert. Der Mann faltet seine Hände und sagt etwas in seiner Muttersprache. „Er meint, er möchte keine Umstände machen“, übersetzt Brinkmann.

So umgänglich sind nicht alle Patienten, erzählt Tiarks-Jungk. „Einige kommen hier rein, setzen sich hin und sagen: Rumänisch? Bulgarisch? Die verlangen das einfach.“ Die Sprache sei aber nicht die einzige Herausforderung für das „Stu-Poli“-Team. Die Verständigung funktioniere meistens mit Händen und Füßen.

Hier wird geholfen

Die Sprechstunden der „Stu-Poli“ finden dienstags von 17 bis 19 Uhr sowie mittwochs von 18 bis 20 Uhr im Gesundheitsamt, Breite Gasse 28, statt. Eine telefonische Anmeldung ist nicht nötig.

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