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Jubiläum: 200 Jahre Polytechnische Gesellschaft: Was ist Polytechnik und was hat sie mit Frankfurt zu tun?

Von Zum 200-jährigen Bestehen der Polytechnischen Gesellschaft haben Studenten des Historischen Seminars der Goethe-Universität die Broschüre"Das polytechnische Frankfurt" erarbeitet und zeigen in einem Rundgang durch die Innenstadt, wie vielfältig die "Polytechniker" mit Frankfurts Geschichte verbunden sind.
In einem Blockseminar erarbeiteten die Studenten zehn Stationen, die das gesellschaftliche und bürgerschaftliche Engagement der Polytechnischen Gesellschaft zeigen. Eine davon ist die Paulskirche. Bilder > Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA In einem Blockseminar erarbeiteten die Studenten zehn Stationen, die das gesellschaftliche und bürgerschaftliche Engagement der Polytechnischen Gesellschaft zeigen. Eine davon ist die Paulskirche.
Frankfurt. 

Die Suche nach der Keimzelle der Polytechnischen Gesellschaft am Paulsplatz gestaltet sich schwierig. „Das Frankfurter Stadtbild wandelt sich ständig, das alte Barfüßerkloster wurde als Gründungsgebäude bereits 1839 abgerissen“, stellt der Geschichtsstudent Felix Machka fest. Die Paulskirche, die als Nachfolgerin der Barfüßerkirche 1848 zur ersten Wirkungsstätte der Polytechniker wurde, hat man nach dem Zweiten Weltkrieg freilich wieder aufgebaut. „Doch der Verein selbst hielt sich aus der politischen Auseinandersetzung in der Frankfurter Nationalversammlung heraus“, betont Machka.

Ungeliebte Partnerin?

Die Politik – eine ungeliebte Partnerin? Mit dieser und ähnlichen Fragestellungen haben sich sieben Studenten des Historischen Seminars in einer Arbeitsgruppe mit den Lehrbeauftragten Dr. Markus Häfner und Dr. Torben Giese beschäftigt und die vielfältigen Verbindungen der Poytechnischen Gesellschaft zur lokalen und überregionalen Politik recherchiert. In ihrer Broschüre zum 200-jährigen Bestehen der Gesellschaft, deren Gründungstag mit einer akademischen Feier am 24. November gefeiert wird, stellen sie zehn ausgewählte Stationen in der Innenstadt und in Sachsenhausen vor. Dort erhellen sie den Einfluss der Polytechnischen Gesellschaft und ihrer Tochterinstitute auf die Frankfurter Bildung und Stadtbeleuchtung, untersuchen ihren Beitrag zur Emanzipation der Geschlechter und der deutschen Demokratie oder hinterfragen ihre Zeit im Nationalsozialismus und ihr Wirken beim Wiederaufbau der Stadt in der Nachkriegszeit.

Vorzeigbarer Rundgang

„Wir Studenten reichen sonst eher schriftliche Seminararbeiten bei unseren Dozenten ein. Hier haben wir einen vorzeigbaren Stadtrundgang, den wir den Leuten auf dem Weg durch das „polytechnische“ Frankfurt an die Hand geben können“, erklärt Kevin Müller seine Motivation. Zunächst ist die Broschüre für einen selbstständigen Rundgang im Polytechniker-Haus in der Untermainanlage 5 und bei den Tourist Informationen erhältlich und soll ins Internet gestellt werden. „Bei sehr großem Interesse könnten wir mit Kooperationspartnern überlegen, eine Tour mit Stadtführern anzubieten“, erklärt Birgit Sander, stellvertretende Präsidentin der Polytechnischen Gesellschaft.

Der rund einstündige Stadtrundgang beginnt in der Untermainanlage und Neuen Mainzer Straße am heutigen Polytechniker-Haus und der 1822 durch die Gesellschaft gegründeten Frankfurter Sparkasse. „Durch den Verkauf der Sparkasse an die Hessische Landesbank legte die Gesellschaft den Grundstock für ihr heutiges Kapital von 400 Millionen Euro, von dem sie jährlich 7 Millionen Euro an ihre sieben Tochterinstitute ausschüttet“, erläutert Sander.

Die „Polytechnik“ stand im Gründungsjahr 1816 für die soziale Verbindung von Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Kunst, Kultur und Handwerk. Einer Blindenanstalt der Polytechniker an der Hauptwache und dem Kunstgewerbeverein verdankt die Stadt die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte und das Museum Angewandte Kunst. Seit 2005 fördert die Stiftung Polytechnische Gesellschaft zahlreiche Bildungs,- Sozial-und Kulturprojekte wie die „Stadtteilhistoriker“ und „Stadtteilbotschafter“. Über die Alte Oper und die erste Frankfurter „Gasfabrik“ in der Großen Eschenheimer Straße geht der Rundgang weiter zur Hauptwache und Paulskirche. Die Autoren weisen darauf hin, dass in der heutigen Innenstadt ohne viele der historischen Gebäude eine chronologische Abfolge nicht möglich war. „Einzelne Polytechniker wie Friedrich Jucho oder Maximilian Reinganum vertraten in der Paulskirche frühliberale Ideen, doch nach einem Denunziationsschreiben verpflichtete der damalige Leiter August Anton Wöhler die Gesellschaft, sich aus der Politik herauszuhalten“, erläutert Machka. „Als am Römerberg die Hakenkreuzflaggen wehten, mussten die Polytechniker jüdische Mitglieder ausschließen und wurden bei Neugründungen beschränkt“, sagt Christina Held. Beim Wiederaufbau agierten die Polytechniker unterschiedlich, förderten die Initiative „Rettet das Opernhaus“ und Rekonstruktionen in der Altstadt. Das 1957 gegründete „Kulturelle Forum“ kritisierte den Bau des Technischen Rathauses, während die Sparkasse den ebenso umstrittenen Betonneubau des Historischen Museums mit fünf Millionen Mark unterstützte. Dafür konnte der Kunstgewerbeverein 2008 unter bürgerschaftlichem Engagement die Villa Metzler als Teil des Museums Angewandte Kunst revitalisieren.

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