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Stadt ist auf Importe aus dem Umland angewiesen: Wasser aus dem Wald reicht nicht

Von Sommer in Deutschland: Mal ist es heiß, dann regnet es wieder. Das ist nicht nur für wetterfühlige Frankfurter ein Problem. Es stellt auch den Wasserversorger Hessenwasser vor Herausforderungen. Denn der Wasserverbrauch in der Stadt schwankt von Tag zu Tag.
Am Grund dieser Becken filtert eine hohe Schicht Sand Eisenpartikel aus dem Grundwasser. Anlagemeister Nicolaus Steinbach hat alles im Blick. F: Maik Reuß Foto: Maik Reuß Am Grund dieser Becken filtert eine hohe Schicht Sand Eisenpartikel aus dem Grundwasser. Anlagemeister Nicolaus Steinbach hat alles im Blick. F: Maik Reuß
Niederrad. 

Täglich drehen mehr als eine Million Menschen, die in Frankfurt leben oder arbeiten, ihre Wasserhähne auf. Dass sofort klares, trinkbares Wasser aus den Armaturen fließt, ist hierzulande eine Selbstverständlichkeit. Doch dass es vieler Arbeit, technischen Aufwands und strategischen Denkens bedarf, um den Fluss am Laufen zu halten, dürfte den wenigsten Frankfurtern bewusst sein. Auch der regionale Wasserversorger Hessenwasser steht immer wieder vor Herausforderungen.

Vorher und nachher: Die Proben zeigen die Wasserqualität. Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Vorher und nachher: Die Proben zeigen die Wasserqualität.

Im Frankfurter Stadtwald ist das Wasservorkommen noch reichlich. Zwölf Brunnen befinden sich hier. Was aus ihnen sprudelt, wird im Wasserwerk Goldstein nahe dem Stadion aufbereitet. Mit einem Ph-Wert von 6,4 fließt es aus den Brunnen. „Gelöstes Eisen und Kohlensäure machen das Wasser schwach sauer“, erklärt Anlagenmeister Nicolaus Steinbach. Um das Brunnenwasser zu Trinkwasser aufzubereiten, wird es zunächst belüftet: Wie in einem riesigen Whirlpool wird Luft durch das fließende Wasser gepumpt. Das schäumende Blubbern treibt dem Wasser die Kohlensäure aus und lässt das gelöste Eisen oxidieren.

Mainwasser zum Trinken

Anschließend fließt es durch ein Bett aus Sand, in dem das Eisen hängen bleibt. Zu guter Letzt wird es durch einen Aktivkohlefilter gefiltert und verlässt das Wasserwerk als genießbares Trinkwasser mit einem neutralen Ph-Wert von 7,8. Doch nur ein Fünftel des Frankfurter Trinkwassers wird über diesen Weg gewonnen. 40 Prozent bezieht die Stadt aus dem hessischen Ried. Die restlichen 40 Prozent werden aus dem Vogelsberggebiet, dem Spessart und dem Kinzigtal beschafft.

„Grundwasserschonende Grundwassergewinnung“ nennt Hessenwasser dieses Prinzip. 20 Millionen Kubikmeter Wasser erhält Frankfurt jährlich aus dem Vogelsberg. Dadurch könne der Grundwasserspiegel im Stadtwald ökologisch auf einem verträglichen Stadt gehalten werden und nirgends müsse dem Boden zu viel Wasser entnommen werden, erklärt Hessenwasser-Geschäftsführerin Elisabeth Jreisat. Weitere Unterstützung leiste dabei die Mainwasseraufbereitungsanlage in Niederrad. Dort wird Wasser aus dem Main dem Grundwasser zugeführt. Bis das Nass aus dem Fluss in der Trinkwasserleitung endet, wird es dreimal gefiltert. Einmal in der Aufbereitungsanlage. Dann im Waldboden, durch den es bis zu einem Jahr lang sickert, ehe es über die Brunnen ins Wasserwerk gelangt und erneut gefiltert wird.

Zu guter Letzt bekommt das Wasser durch Aktivkohlefilter seine Reinheit. Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Zu guter Letzt bekommt das Wasser durch Aktivkohlefilter seine Reinheit.

Je nach Bedarf werden die einzelnen Brunnen mal mehr und mal weniger beansprucht. Bedingt durch Pendler und Temperaturen kann der Wasserverbrauch der Stadt zwischen 240 000 Kubikmeter und 120 000 Kubikmetern am Tag schwanken. Dass das Wasser trotzdem immer zuverlässig fließt, gelinge nur durch ein koordiniertes Zusammenspiel der Brunnen. Denn einen Brunnen über seine Verhältnisse zu nutzen, sei ökologisch nicht zu verantworten, erklärt Jreisat. Doch sie betont auch: „Wir brauchen das Wasser aus dem Vogelsberg.“

Das sieht auch Hans Otto Wack von der Schutzgemeinschaft Vogelsberg so. Zusammen mit seinen Mitstreitern setzt er sich dafür ein, dass nicht zu viel Wasser aus dem Vogelsberg nach Frankfurt geführt wird: „Wir haben zehn Jahre für die umweltschonende Grundwassergewinnung gekämpft und die Wasserversorger verkaufen das nun als ihre Idee“, ärgert er sich.

Speicherfähiger Boden

Die Schutzgemeinschaft sieht große Probleme auf die Vogelsbergregion zukommen: „In Trockenzeiten haben wir schon jetzt massive Quellausfälle“, klagt Wack, „das Rhein-Main-Gebiet ist wasserreich, wenn dort die Grundwasservorräte verschmutzt sind, dann muss man das als Nicht-Trinkwasser verwenden“, erläutert der Ökologe seinen Standpunkt.

Im Gegensatz zum Boden im Stadtwald, der als Sand-Kies-Gemisch sehr speicherfähig ist, ist die Bodenstruktur im Vogelsberg steiniger, das Grundwasser werde dort daher nicht so gut gespeichert. Zum Ausgleich bezieht die Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (Ovag) seit Ende vergangenen Jahres wiederum Wasser aus dem Wohratal nördlich von Marburg. Jreisat freut sich: Die Versorgung sei dem Wasserrecht entsprechend grundwasserschonend. Wack hält dagegen: „Dadurch wird das ökologisches Risiko bloß verlagert.“

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