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Verurteilung in Frankfurt: Wegen Steuerhinterziehung: Finanzbeamter muss ins Gefängnis

Als Steuerhauptsekretär hätte er dem Staat eigentlich nützen sollen: Stattdessen hat ein 32-Järhiger dem Fiskus rund 200 000 Euro Schaden beschert. Er hatte nicht nur Steuern von Freunden und Bekannten hinterzogen, sondern soll gar ein eigenes Geschäftsmodel um seine kriminellen Machenschaften aufgebaut haben.
(Symbol) Foto: Brian Jackson; Fotolia (Symbol)
Frankfurt. 

Drei Jahre Haft wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung – es wurde also nichts aufs der Hoffnung eines korrupten Finanzbeamten auf eine Bewährungsstrafe und einem schnellen beruflichen Neustart in einem anderen Metier. „Die Straftaten, die Sie über mehrere Jahre hinweg planvoll begangen hatten, waren einfach von zu großem Gewicht“, sagte Vorsitzender Richter Christopher Erhard zu dem 32 Jahre alten vom Dienst suspendierten Steuerhauptsekretär. Fast vier Jahre „frisierte“ er die Steuererklärungen diverser Freunde und Bekannter, aber auch von Steuerpflichtigen, denen er sich zuvor angedient hatte: Er könne mit entsprechenden Manipulationen ungerechtfertigte Steuererstattungen von bis zu 10 000 Euro per anno herausholen, sagte der Mann.

Als „Honorar“ hierfür verlangte er die Hälfte des Betrages. In 33 Fällen gelang dies, drei Mal wurde auch ein Beamter im Finanzamt in Höchst mit in die Schummeleien eingebunden. Insgesamt kassierte der Beamte mehr als 100 000 Euro von den Begünstigten – dem Fiskus entstand dadurch ein Schaden von mehr als 200 000 Euro, der bis heute nur zum kleinen Teil wieder gutgemacht werden konnte. Das Geld steckte der Mann nämlich nicht etwa in die neue Eigentumswohnung oder den Neuwagen: Seinem eigenen Geständnis zufolge verbrannte das Geld am Pokertisch oder wurde im Kasino „einarmigen Banditen“ übergeben.

Auch wenn seine Spielleidenschaft nicht zu unterschätzen gewesen sei und deshalb auch strafmildernd in Betracht gezogen worden sei, „aus blanker Not heraus haben Sie nicht gehandelt“, sagte Erhard. Deshalb müsse der Angeklagte, der dem Gericht auch von beruflichen Perspektiven in der Gebrauchtwagenbranche oder der Flüchtlingsbetreuung erzählt hatte, nun erst einmal den schweren Gang in die Haftanstalt antreten. In seiner langen, fast zwanzigjährigen Tätigkeit bei der Spezialkammer für Korruptionskriminalität sei ihm ein solcher Fall noch nicht vorgekommen: „Sie haben im Kernbereich Ihrer Tätigkeit als Finanzbeamter jahrelang Straftaten begangen.“ Im Strafmaß blieb das Gericht denn auch nur minimal hinter dem Antrag der Staatsanwaltschaft von drei Jahren und zwei Monaten zurück. Die Verteidigung prüft aller Voraussicht nach den Gang in die Revision beim Bundesgerichtshof.

(ge)
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