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Brexit: Wenig Andrang an Frankfurts internationalen Schulen

Von Die Stadt rechnet damit, dass durch den Brexit bis 2021 rund 5 400 neue Stellen in Frankfurt entstehen. Viele internationale Banker dürften dann für ihre Kinder passende Schulen suchen. Die Kapazitäten sind vorhanden – aber ausgerechnet aus London bleibt das Interesse verhalten.
Die Schulen in der Region, wie hier in Friedrichsdorf, zählen die Frankfurter beim Werben in London dazu. Die Schulen in der Region, wie hier in Friedrichsdorf, zählen die Frankfurter beim Werben in London dazu.
Frankfurt. 

Schuluniformen haben in Großbritannien Tradition. Wer bislang aus dem Vereinigten Königreich nach Frankfurt zog, musste jedoch auf den feinen Zwirn verzichten: In Deutschland ist der Dresscode fürs Klassenzimmer eine Rarität. Anders in Friedrichsdorf: Dort hat sich mit dem „King’s College Frankfurt“ nun die erste britische Privatschule angesiedelt. Zuvor hatten die Frankfurter Wirtschaftsförderung und der Eigentümer auch in der Messestadt selbst nach einem Standort gesucht. Das gehört zur Brexit-Taktik der Stadt.

Die Schulsituation sei ein wichtiger Faktor im Werben um Unternehmen, die sich nach dem geplanten Austritt Großbritanniens innerhalb der EU neu aufstellen wollen, sagte gestern Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Mit insgesamt 53 privaten und staatlichen Schulen, die internationale Schulabschlüsse anbieten, sieht er Frankfurt gut gerüstet. Zusätzlich gibt es in der Region 61 bilinguale Kindergärten. „Damit fahren wir in Sachen Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität ein schweres Geschütz auf“, so Frank.

Umland im Fokus

Eingerechnet hat sein Dezernat dabei aber auch die vielen Schulen mit internationalem und bilingualen Angeboten aus dem Frankfurter Umland. In der Stadt selbst sind es demnach nur 20. Für den Londoner sei aber egal, ob er die Kinder nach Friedrichsdorf oder Rödelheim bringen muss – aus der Heimat sei er andere Größendimensionen gewohnt, so Frank.

Frankfurts Brexit-Vertreter werben deshalb offensiv mit der schulischen Infrastruktur des gesamten Rhein-Main-Gebiets. Das „King’s College“ eröffnet im August in den ehemaligen Räumen der Main/Taunus International School (MTIS). 30 Jungen und Mädchen in Polo-Shirts und Karo-Röcken werden dort die Schulbank drücken. Gedacht ist diese für Kinder zwischen 2 und 18 Jahren. Rund 600 freie Plätze gibt es noch. „Wir bekommen Anfragen aus aller Welt“, sagte Schulleiterin Kirsty Sharp. „Nicht nur aus Großbritannien.“

Auch die Wirtschaftsförderung warnt davor zu glauben, mit dem Brexit kämen nur Banker aus London nach Frankfurt. Rund 5 400 neue Stellen entstünden bis 2021, sagte Geschäftsführer Oliver Schwebel. 23 Unternehmen hätten bereits fest zugesagt, dass sie sich in Frankfurt ansiedeln oder den Standort ausbauen wollen.

„Diese 5 400 sind aber nicht alles Zuzugsstellen“, so Schwebel. „Viele werden auch vom hiesigen Markt besetzt werden.“ Frank ergänzte: „1 500 Berufstätige ziehen jedes Jahr neu nach Frankfurt. Die kommen natürlich nicht alle aus der Region.“ Allein 1000 Inder seien 2017 hierhergezogen. Insgesamt seien bereits etwa 3000 internationale Firmen am Main heimisch.

Die Wirtschaftsförderung hat deshalb mit den umliegenden Bildungseinrichtungen die Potenziale für das internationale Publikum ausgelotet. Das Ergebnis: „Der Andrang ist nicht so groß, dass wir ein Problem haben“, sagte Schwebel. Aber: Hin und wieder fragen Unternehmen bei den Schulen an, ob sie Platz-Kontingente aufkaufen können – ohne Erfolg, wie die Schulleiter stets beteuern. Wie viele Schüler genau noch in die internationalen Klassen passen, ist laut Schwebel unklar. Die Plätze würden auch nach Bedarf geschaffen.

Die Londoner wollen nicht

Bei der Stadt geht man davon aus, dass viele Banker-Familien auch nach dem Brexit auf der Insel wohnen bleiben. Stichwort: Wochenendpendler am Flughafen. „Unsere öffentlichen Schulen haben ein schlechtes Image bei den Briten“, sagte Frank. „Wenn, dann werden wird nach Privatschulen gefragt.“ Je nach Einkommen kann ein Schuljahr bis zu 30 000 Euro kosten.

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