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Wenn Sport den Horizont erweitert

Dribbeln, lenken, drehen: Rollstuhlbasketball ist eine rasante Sportart. Nun ermöglicht ein Projekt auch Schülern der Helene-Lange-Schule, den außergewöhnlichen Sport für sich zu entdecken - und dabei vor allem den eigenen Horizont zu erweitern.
Das ist aber ungewohnt!“ Nabila und Mitschülerin Simerpreet (rechts) sitzen das erste Mal in einem Rollstuhl. Foto: Maik Reuß Bilder > Das ist aber ungewohnt!“ Nabila und Mitschülerin Simerpreet (rechts) sitzen das erste Mal in einem Rollstuhl. Foto: Maik Reuß
Höchst. 

Die erste Hürde, die ein Rollstuhlfahrer im Alltag zu überwinden hätte, der gerne am Sportunterricht an der Helene-Lange-Schule teilnehmen möchte, wäre bereits unpassierbar. Eine Treppe führt zur Sporthalle. Eine Rampe oder gar einen Lift gibt es nicht.

"Rampen und barrierefreie Zugänge fehlen hier", wissen Sportlehrerin Juliane Poljakoff und Schulleiter Marc Peschke. Die Köpfe ihrer Schüler wollen sie aber dennoch fit für das Thema Inklusion machen. Deshalb hat die Schule Besuch von Michael Ortmann, dem Jugendabteilungsleiter des Rollstuhl-Sportclubs (RSC) Frankfurt.

Ortmann weiht die Jugendlichen in die Grundzüge seiner Lieblingssportart ein: das Rollstuhlbasketball. "Ich spiele jetzt seit 20 Jahren. Aber es ist immer noch so: Wenn ich in eine Halle komme und das Dribbeln höre, juckt es mich in den Fingern", sagt Ortmann. Bei den Schülern braucht er indes gar nicht lange Werbung für den Sport zu machen. Kaum kommen sie in die Halle, sitzen sie auch schon in den sport-tauglichen Rollis und fahren durch die Gegend. Berührungsängste: Fehlanzeige.

Die allermeisten sitzen zum ersten Mal in einem Rollstuhl, entsprechend unkoordiniert sehen die ersten Fahrversuche noch aus. Ortmann gibt deshalb Tipps, wie sie das Sportgerät in den Griff bekommen. Bremsen, lenken, auf der Stelle wenden - nach und nach erarbeiten sich die Jugendlichen mit Leichtigkeit die Grundzüge der Sportart, wenn auch freilich zu Anfang noch ohne Ball.

Freude an der Bewegung

Ein paar Minuten später wird dann schon gedribbelt und zu viert in Teams gegeneinander angetreten. "Ich habe selbst eine Schulung mitgemacht und Rollstuhlbasketball ausprobiert, bevor ich mich dazu entschlossen habe, das Angebot auch bei uns an der Schule anzubieten", sagt Sportlehrerin Poljakoff, die nun auch überlegt, einem Verein beizutreten. "Es macht einfach unheimlich viel Spaß."

Die Freude an der Bewegung ist dabei nur ein Element des Projekts "Rollstuhlbasketball macht Schule", in dessen Rahmen Trainer Ortmann hessischen Schülern seinen Lieblingssport näher bringt. Ein anderes ist die Förderung des Verständnisses für unterschiedliche Lebenssituationen. "Wenn man sich in den Stuhl setzt, ist das schon auch ein Perspektivwechsel", sagt Poljakoff. Gerade für die jugendlichen Schüler zwischen 13 und 16 Jahren sei das eine Bereicherung.

"Theoretisch kann man immer viel erzählen. Aber hier sitzen sie selbst im Rollstuhl, spüren, wie sich das anfühlt." So sollen auch die sozialen Kompetenzen der Schüler spielerisch gefördert werden. Und die Jugendlichen hätten wenig Berührungsängste, ehe sie sich an die Rollstühle trauten. "Vielleicht weniger als ein Erwachsener", meint die Lehrerin. Ein weiterer Vorteil: Physische Unterschiede treten weniger stark zutage als bei anderen Sportarten, die im Unterricht thematisiert werden können. "Hier fangen alle bei null an, egal ob Mädchen oder Junge." Organisiert wird das Projekt von der Unfallkasse Hessen in Kooperation mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband. "Wir haben mit 50Anfragen aus Schulen gerechnet und hatten in den ersten sieben Wochen bereits 80", bilanziert Ortmann.

Auf der nächsten Seite: Hürden erkennen

Bleibt mehr Zeit an einer Schule, schließt sich an die Einführung in der Sporthalle auch eine Rundfahrt über das Schulgelände an. "Das ist auch immer sehr interessant. Da sehen die Schüler, welche Hürden es im Alltag gibt, etwa wenn eine Tür nicht richtig aufgeht, weil man eben im Rollstuhl davor sitzt."

Eine Erfahrung ist allerdings auch, dass bei weitem nicht alles so schwer sein muss, wie es manchmal von außen erscheint. "Wenn man zuschaut, sieht es schon schwierig aus. Aber wenn man dann im Rollstuhl sitzt, merkt man, dass es geht", meint die 14-jährige Nabila. Den Umgang mit dem Basketball kannte sie schon vorher, in einem Rollstuhl saß sie aber noch nie zuvor. "Die Koordination der Arme ist am Anfang etwas kompliziert. Aber danach macht es richtig Spaß", sagt sie.

Bei so viel Elan und Spaß soll der kleine Einblick in den Rollstuhl-Sport keine einmalige Angelegenheit an der Helene-Lange-Schule bleiben. "Ich überlege, eine AG anzubieten, vielleicht auch im Rahmen einer Projektwoche", sagt Sportlehrerin Poljakoff.

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