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Repair-Café: Wenn alte Radios wieder dudeln

Alte Radios, Plattenspieler, Fahrräder, zerissene Pullover, Musikinstrumente: Dominik Peper hat als Stadtteilbotschafter die Veranstaltungsreihe des Repair-Cafés eingeführt, in der sich Tüftler um all diese Geräte kümmern. Jetzt nimmt er Abschied von dem Projekt – hat aber dafür gesorgt, dass weiter repariert wird.
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Sachsenhausen. 

Wehmut schwingt da keine mit, wenn Dominik Peper erzählt, dass künftig nicht mehr er selbst verantwortlich sein wird für das Sachsenhäuser Repair-Café. Nicht, weil ihm das Projekt nicht ans Herz gewachsen wäre. Sondern weil ihn die Besucher des Repair-Cafés nicht missen müssen: Nach wie vor will er an den monatlich stattfindenden Treffen teilnehmen. Nur kümmern sich jetzt seine Kollegen aus der Jugendsparte des Naturschutzbundes BUND Hessen um die Organisation. Dank der neuen Trägerschaft kann das „Baby“ des 27-Jährigen überleben. Denn er selbst muss und will sich künftig mehr seinem eigentlichen Job widmen: Peper arbeitet als Produktmanager in einem Frankfurter Medizintechnik-Unternehmen.

Seit er das Repair-Café vor gut einem Jahr als Teil des Projekts Stadtteilbotschafter der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ins Leben gerufen hat, boomt die Vereinigung von Tüftlern mit den zahlreichen „Haushaltsleichen“ der Sachsenhäuser. Sein Ziel war es, die Bürger „für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren“. Ist das gelungen? „Auf jeden Fall“, ist Peper überzeugt. Seit November vergangenen Jahres fanden zehn Repair-Cafés statt, immer am ersten Dienstag im Monat. Im Schnitt kamen je Veranstaltung rund 30 Besucher; die Reparaturquote liegt bei 30 bis 40 Prozent, so die Statistik des ehemaligen Maschinenbau-Studenten.

Euphorischer Jubel

„Elektronik ist manchmal irreparabel. Aber dann ist es meistens von den entwickelnden Ingenieuren auch nicht gewollt...“, spielt Peper auf den Vorwurf an Elektrohersteller an, manche Produkte absichtlich mit Teilen zu versehen, die irgendwann kaputt gehen und auch nicht mehr zu reparieren sind. „Das Interesse ist nach wie vor groß. Wir haben Stammkunden jeden Alters; und das Tolle ist, dass die Menschen miteinander in Kontakt kommen!“

Zunächst wähnte sich Peper als Einzelkämpfer. „Ich war überrascht, wie offen die Leute nach dem ersten Artikel in der Frankfurter Neuen Presse auf mich zugekommen sind. Ich hatte gedacht, es wird schwieriger, das Repair-Café langfristig zu etablieren.“

Heute hat er einen festen Stamm von 15 Helfern, die Monat für Monat in die Räumlichkeiten der Katholischen Gemeinde Sankt Wendel kommen. „Wenn die Leute zusammen über anderthalb Stunden lang an ihren alten Plattenspielern, Zahnbürsten, Mixern oder Toastern tüfteln und man plötzlich fast schon euphorischen Jubel hört, dann hat das schon einen ziemlichen Begeisterungsfaktor“, hat Peper während des Projekts erlebt.

Aber was hat ihn dazu motiviert, sich für das Projekt zu engagieren? Schon zu Studienzeiten war Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema für den jungen Ingenieur. Gemeinsam mit anderen hatte er die „Hochschulgruppe Nachhaltigkeit“ ins Leben gerufen, die das Prinzip des Repair-Cafés zum Grundsatz hatte, allerdings nicht mit allerlei technischen Geräten, sondern zunächst nur mit Fahrrädern. „Als ich im Sommer vor zwei Jahren neu nach Frankfurt gekommen bin, habe ich nach Möglichkeiten gesucht, meine Heimatstadt näher kennen zu lernen und mit Menschen in Kontakt zu kommen“, erzählt Peper. Sein Credo lautet, nicht nur in einem Viertel zu wohnen, sondern darin zu leben und sich auch zu beteiligen

Inzwischen gibt es nicht nur das Sachsenhäuser Repair-Café, auch im Gallus und im Dornbusch wurde das Konzept erfolgreich etabliert. Dominik Peper hat sich mit dafür eingesetzt, dass in einer Art Verband alle Repair-Cafés in Frankfurt gemeinsam agieren, so dass „der Bürger schlussendlich kaum noch merkt, dass hinter jedem Repair-Café ein anderer Träger steckt“. Auch Termine stimmen die einzelnen Ehrenamtlichen miteinander ab. In Bockenheim ist ein weiteres Repair-Café geplant – die Verantwortlichen dort waren sogar schon bei Dominik Peper zu Besuch, um sich das Konzept anzuschauen und weitere Ideen zu sammeln.

Der nächste Termine

Das nächste Repair-Café ist am Dienstag, 6. September, von 17.30 bis 20 Uhr im Gemeindehaus Sankt Wendel, Altes Schützenhäuschengäßchen 4, geplant. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Einfach vorbeikommen und mitmachen, ist das Motto der Veranstaltung im Repair-Café. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.repaircafefrankfurt.de.

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