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Wenn der OB zweimal klingelt

Von Der Frankfurter Oberbürgermeister ist sich nicht zu schade, auch nach seinem Wahlerfolg jene Orte aufzusuchen, an denen er bereits im Wahlkampf durch hartnäckige "Klinkenputzerei" punktete. Diesmal verschlug es den OB ins fluglärmgeplagte Niederrad.
Ein kurioses, aber kein ungewohntes Bild des Frankfurter Stadtoberhaupts: In jüngster Zeit steht statt dem Paket-Boten der Oberbürgermeister häufiger höchstselbst auf der Matte.	Foto: Rainer Rüffer Ein kurioses, aber kein ungewohntes Bild des Frankfurter Stadtoberhaupts: In jüngster Zeit steht statt dem Paket-Boten der Oberbürgermeister häufiger höchstselbst auf der Matte. Foto: Rainer Rüffer
Niederrad. 

Hat unser Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) auch schon bei Ihnen geklingelt? Falls nicht, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass er bald vor Ihrer Tür steht. "Meine Mitarbeiter haben ausgerechnet, dass wenn ich so weiter mache, ich binnen sechs Jahren alle Frankfurter Haushalte zweimal besucht haben werde", sagt der OB.

Um 19 Uhr steht Feldmann mit einem Packen Dankesbriefe in der Hand im Nieselregen vor einem Haus in der Adolf-Miersch-Siedlung und wartet auf Einlass. Gleich geht seine "Mission Bürgernähe" in die nächste Runde. Ungeduldig wartet das halbe Dutzend Journalisten darauf, Peter Feldmann in Aktion zu erleben.

Der OB besucht die Siedlung, um sich persönlich bei den Mietern dafür zu bedanken, dass "auch dank ihrer Unterstützung der Verkauf der Nassauischen Heimstätte verhindert" wurde. "Ein weiteres Thema, das uns gemeinsam bewegt, ist die Reduzierung des Fluglärms", steht in Feldmanns Anschreiben, in dem der OB auch gleich zu einer Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative Sachsenhausen (BIS) für Mittwoch, 10. Oktober, in der Sachsenhäuser Berggemeinde einlädt.

Zuvor in der Fröbel-Schule

Bereits am späten Nachmittag besuchte Peter Feldmann die nahe gelegene Friedrich-Fröbel-Schule. In kleinem Kreis sprach er mit Schulleiterin Claudia Wissenbach und Vertretern des Schulelternbeirats über die enorme Fluglärmbelastung und die Zukunft der Schule. Eine von Feldmann in Aussicht gestellte Maßnahme zur Verringerung des Lärms besteht darin, die anstehenden Sanierungen der am stärksten von Fluglärm belasteten Schulen zeitlich vorzuziehen. Über konkrete Gesprächsinhalte hüllt sich der OB gegenüber der neugierigen Presse-Meute in Schweigen.

Nach seinem Gespräch mit Rektorin Wissenbach lässt sich Feldmann geduldig durch die Schulbibliothek und die verschiedenen Klassenräume der Niederräder Grundschule führen. Hier hält er sich ein rosafarbenes Sitzkissen vor die Brust, dort verewigt er sich auf einer digitalen Schultafel mit den Worten: "Ich war gerne hier! Peter Feldmann". Als der OB das grotesk und gefährlich anmutende Provisorium einer Feuer-Flucht-Treppe erblickt, sagt er, "ich würde meine Tochter dort nicht hoch schicken wollen". Sichtlich geknickt erklärt die ebenfalls anwesende Vertreterin des Stadtschulamts, dass das 20 000 Euro teure Provisorium notwendig ist, da die Ausschreibung für den Bau einer richtigen Flucht-Treppe noch nicht erfolgt sei.

OB lässt sich nicht beirren

Peter Feldmanns unkonventionelle und bürgernahe Amtsführung kommt bei den Niederrädern offenbar gut an. Der OB redet nicht lange um den heißen Brei herum. Feldmann ermuntert seine Gesprächspartner, mit ihm über ihre Probleme zu sprechen. Wäre Peter Feldmann Präsident der Vereinigten Staaten, hätte er wohl bereits den Friedensnobelpreis erhalten. In der konservativen Frankfurter Stadtgesellschaft wird er jedoch bereits als Bratwurst-OB verspottet. Doch das ficht den lange unterschätzten Sozialdemokraten nicht an. Im Gegenteil: Der Spott scheint ihn eher anzustacheln, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Gegen 20 Uhr, als die meisten Reporter abgezogen sind, streift Peter Feldmann immer noch durch die Adolf-Miersch-Siedlung und klingelt an jeder Wohnungstür. Bleibt die Tür zu, legt er seine Visitenkarte und sein mitgebrachtes Anschreiben auf den Fußabtreter. Öffnet sich eine Tür, stellt er sich wie folgt vor: "Ich bin Peter Feldmann, der OB von Frankfurt und wollte mich bei Ihnen bedanken".

Die überraschten Mieter bedanken sich artig und wissen meist nicht recht, was sie sagen sollen. "Ich finde es ganz toll, dass Sie noch solche Hausbesuche machen", antwortet Regina Puselic. Ihr Nachbar Ahmed Abdallah kennt den OB bereits von früher. Er umarmt ihn und wünscht ihm "viel Erfolg". Peter Feldmann will seine Hausbesuche auch in Zukunft fortsetzen. Denn: "Der Unterschied zum Wahlkampf ist, dass niemand meckert", sagt der sichtlich zufriedene Oberbürgermeister.

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