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Kurs rüstet Unfallchirurgen: Wenn der Terror in Frankfurt zuschlägt

Von In einem neuen Kurs lernen Unfallchirurgen, wie sie mit der medizinischen Herausforderung eines Terroranschlags umzugehen haben: Anhand eines Brettspiels, mit dem verschiedene Szenarien dargestellt werden können.
Verletzte Menschen auf dem Bahnsteig und in der U-Bahn, blutende Passagiere, die um Hilfe rufen – solch ein Horrorszenario, wie hier in einer Übung nachgestellt, kann auch in Frankfurt passieren und erfordert von den Rettungskräften ein spezielles Management. Foto: Bernd Kammerer (dpa) Verletzte Menschen auf dem Bahnsteig und in der U-Bahn, blutende Passagiere, die um Hilfe rufen – solch ein Horrorszenario, wie hier in einer Übung nachgestellt, kann auch in Frankfurt passieren und erfordert von den Rettungskräften ein spezielles Management.
Frankfurt. 

Es ist ein Horroszenario: In einer Frankfurter U-Bahn-Station explodiert eine Bombe, mehre Menschen sind verletzt, einige von ihnen schwer. Es fließt viel Blut. Zehn Minuten später die nächste Explosion – nur ein paar Meter weiter an der Hauptwache. Auch dort gibt es zahlreiche Verletzte.

In Form eines Brettspiels üben Sebastian Hullmann, Lina Bellstädt und Gerhard Achatz (v.l.) den Ernstfall. Bild-Zoom Foto: Michael Faust
In Form eines Brettspiels üben Sebastian Hullmann, Lina Bellstädt und Gerhard Achatz (v.l.) den Ernstfall.

Was sich nach einem schlechten Film anhört, kann jederzeit in Deutschland passieren. Auch in Frankfurt. Davon ist die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) überzeugt. Doch wirklich gewappnet sind die Ärzte dafür nicht. „Wir sind gut gerüstet bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn oder einem Zugunglück. Aber nicht für einen Terroranschlag“, erklärt DGU-Präsident Professor Dr. Ingo Marzi. Weil das Verletzungsmuster mit stark blutenden Schuss- und Explosionsverletzungen am Anschlagsort und im Krankenhaus ein ganz anderes Management erfordere.

Gespielter Anschlag

Um Unfallchirurgen fit für den Fall der Fälle zu machen, bietet die DGU deswegen einen speziellen, zweieinhalbtägigen Kurs zu Terror- und Katastrophenchirurgie an. Der Auftakt fand jetzt in Frankfurt statt; 16 Ärzte aus ganz Deutschland waren dabei. Im Zentrum des Kurses steht eine Simulationsübung. Aber nicht im Schockraum der Notaufnahme, sondern auf dem Tisch. In Form eines Brettspieles. In verschiedenen Fallsimulationen werden die Teilnehmer mit einer Masse an Verletzten infolge eines Terroranschlags konfrontiert.

Kursleiter und Oberfeldarzt Dr. Axel Franke steht in der Mitte des Raumes, an jedem Tisch sitzen drei Ärzte. Das Spiel liegt vor ihnen auf dem Tisch. Simuliert wird ein Bombenattentat mit 150 Verletzten, 40 davon schwer. „Wir haben sechs Verletzte“, ruft Franke in den Raum und nennt verschiedene Nummern. Leichte Hektik bricht aus, im Handbuch werden die Nummern nachgeschlagen, die die Verletzungen genauer definieren. Dann entscheiden die Teilnehmer, welcher Arzt sich um welchen Patienten kümmert, welcher Patient schnell behandelt wird, wer warten muss. Wie im richtigen Leben.

Ungewissheit

Eine besondere Herausforderung in solchen Fällen stellt die Ungewissheit dar: Es ist nie klar, wann der Anschlag vorbei ist. Nicht selten gibt es den „Second Hit“, eine zweite Explosion wenige Minuten später. „Ein Autounfall ist nach einer Minute vorbei, wir können uns schnell organisieren. Bei einem Terroranschlag weiß man nichts“, erklärt Professor Dr. Benedikt Friemert, Oberstarzt am Bundeswehrkrankenhaus Ulm.

Hinzu kommen die neuen Verletzungsmuster, mit denen sich die Rettungskräfte und Ärzte auseinandersetzen müssen: auf- und abgerissene Arme und Beine, ein zerquetschter Brustkorb oder Splitterverletzungen. „Man hat auch in Frankfurt die eine oder andere Schussverletzung. Es ist aber etwas anderes, ob mit einer kleinkalibrigen Pistole oder mit einem Sturmgewehr geschossen wird“, betont der Oberstarzt. Dass die DGU eng mit der Bundeswehr zusammenarbeitet, ist also naheliegend: Dort kennt man sich mit Kriegsverletzungen aus.

„So sind wir in der Lage, hochspezialisiertes Wissen aus der Einsatzchirurgie an zivile Mediziner weiterzugeben“, so Friemert. Frankfurt sei recht gut aufgestellt für den Terrorfall, sagen die Experten. Es gebe ausreichend Kliniken, eine gut funktionierende Leitstelle. Spezielle Übungen für Terrorszenarien gebe es allerdings noch nicht. Das soll sich in Zukunft ändern, verspricht Professor Dr. Dr. Reinhard Hoffmann, Ärztlicher Direktor der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Frankfurt.

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