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Schlafapnoe: Wenn der Tod im Schlaf lauert

Früher war Gerhard Schmudde oft gereizt, depressiv und den ganzen Tag über müde. Dass das an einer lebensgefährlichen Krankheit lag, wusste er lange Zeit nicht. Heute hilfte er anderen Betroffenen: Gemeinsam mit seiner Frau Helga leitet er die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe.
Selbst wenn Gerhard Schmudde sich nur kurz zum Mittagsschlaf aufs Sofa legt, trägt er seine Atemmaske, die an einen Luftbefeuchter angeschlossen ist. Die feuchte Luft sorgt dafür, dass die Atemwege sich weiten und die Zunge sie nicht so schnell verschließen kann. Foto: Leonhard Hamerski Selbst wenn Gerhard Schmudde sich nur kurz zum Mittagsschlaf aufs Sofa legt, trägt er seine Atemmaske, die an einen Luftbefeuchter angeschlossen ist. Die feuchte Luft sorgt dafür, dass die Atemwege sich weiten und die Zunge sie nicht so schnell verschließen kann.
Bergen-Enkheim. 

An die Situation, die für sie und ihren Mann Gerhard (beide 69) damals auf der Autobahn am Darmstädter Kreuz den Tod hätte bedeuten können, erinnert sich Helga Schmudde ganz genau. „Ich merkte nur, dass etwas nicht stimmt, schaute meinen Mann an und fragte: Was ist denn los?“ Er schreckte auf und fragte zurück: „Wieso? Was ist denn?“ Dass er bei Tempo 100 am Steuer eingeschlafen war, hatte Gerhard Schmudde nicht registriert.

Schon seit längerem war Gerhard Schmudde tagsüber ständig müde, kam „schwer in die Gänge“, wie er sagt, und litt zeitweise an Depressionen. „Ich schob das auf die Wechselschichten, die ich seit 30 Jahren machte, und darauf, dass ich nicht genug schlafe.“ Dass ihm gerade im Schlaf die größte Gefahr drohte, wusste er nicht: Gerhard Schmudde leidet an Schlafapnoe. Dabei setzt die Atmung kurzzeitig aus. Das kann im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen – und zum Tod.

Nächtliche Schwerstarbeit

Ursache der Atemnot sei, dass die Zunge im Schlaf erschlafft, nach hinten klappt und die Atemwege verschließt, erklärt Helga Schmudde, die Sprecherin der Frankfurter Selbsthilfegruppe Schlafapnoe. Klappt die Zunge nach hinten, setzt die Atmung aus. Die Folge ist Sauerstoffmangel im Blut. „Irgendwann fängt das Herz wie wild an zu schlagen“, erklärt Gerhard Schmudde. Dann setzte die Atmung wieder ein. Nicht sanft, sondern als hektisch-panische Schnappatmung, der Schlafende sitzt dann oft schweißgebadet senkrecht im Bett. „Für den Körper ist das Schwerstarbeit.“

Doch nicht immer wacht der Kranke rechtzeitig auf, sagt Gerhard Schmudde und vermutet: „Wenn es heißt, jemand schlief abends friedlich ein und war am nächsten Morgen tot, ist oft Schlafapnoe die Todesursache.“ Diabetis und Bluthochdruck können mit der Krankheit ebenfalls einhergehen – oder sie auslösen.

Auch der Partner leide unter der Krankheit, sagt Helga Schmudde. „Wenn er nachts ruhig ist, fasse ich meinen Mann an, um zu schauen, ob es ihm auch gut geht.“ Das nächtliche Schnarchen früher, bevor die Krankheit erkannt war, und später die lauten Geräte, die Gerhard Schmuddes Atemwege befeuchten, raubten ihr oft den Schlaf. „Das zerrt an den Nerven, wenn man arbeiten muss. Eine Zeitlang bin ich aus dem Schlafzimmer ausgewandert.“

Früher waren die Luftbefeuchter so groß wie ein Kommode gewesen, sagt Gerhard Schmudde. Heute seien sie zum Glück viel kleiner und sehr leise. Immerhin: An die Maske, die er im Schlaf tragen muss, habe er sich inzwischen gewöhnt.

Nicht einfach zu erkennen

Etwa jeder Fünfte leide an der gefährlichen Krankheit, meist ohne es zu wissen, sagt Gerhard Schmudde. Und die richtigen Behandlung zu finden, sei nicht einfach, denn nicht jeder Hausarzt erkenne die Symptome korrekt. Sein Glück sei gewesen, dass ein Kollege zu ihm sagte: Geh mal zum Lungenfacharzt. Der verpasste ihm ein Messgerät für eine Nacht, schickte ihn dann ins Schlaflabor. Und zum Glück, sagt Schmudde, fanden sie schnell zur Frankfurter Selbsthilfegruppe.

Seit 20 Jahren gibt es die Gruppe, seit 16 Jahren ist das Ehepaar Mitglied, vor dreieinhalb Jahren übernahmen die Schmuddes gemeinsam die Leitung. Die ehrenamtliche Arbeit nimmt heute einen Großteil ihrer Zeit in Anspruch. „Es ist wichtig, aufzuklären und möglichst vielen Menschen zu helfen“, sagt Gerhard Schmudde. Sechs mal im Jahr treffen sie sich im Katharinenkrankenhaus in der Seckbacher Landstraße 65, das nächste Treffen ist am Dienstag, 7. November, um 18 Uhr. Auch sonst sind Helga und Gerhard Schmudde viel in Sachen Schlafapnoe unterwegs, haben Stände auf Gesundheitsmessen und besuchen Kongresse. Sie suchen Kontakt zu Herstellern von Geräten zur Atemluftbefeuchtung oder lassen sich neue Techniken erklären. Etwa jenen kleinen Impulsgeber, der in den Brustkorb implantiert wird und mit kleinen Reizströmen dafür sorgt, dass die Zunge sich im Schlaf von der Luftröhre hebt.

Info und Hilfe über Schlafapnoe

bekommen Betroffene entweder beim Ehepaar Schmudde unter der Nummer (0 61 08) 7 12 88 55 im Internet unter www.schlafapnoe-frankfurt.de oder sie kommen zu einem Gruppentreffen.

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