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Kolumne: Wenn die Stadt zur Briefkastenfirma wird

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Peter Feldmann Foto: Andreas Arnold (dpa) Peter Feldmann

Als großer Versöhner stellt sich Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in dieser Woche dar: „Schmieden wir wieder Bündnisse über alles Trennende hinweg und stellen wir das Gemeinsame in den Mittelpunkt unserer Arbeit“, sagte er beim traditionellen „Mahl der Arbeit“ am Vorabend des 1. Mai im Römer. Später stimmte er gemeinsam mit dem Gewerkschaftsvertretern die „Internationale“ an. Damit hat er aber nach Ansicht einiger CDU-Politiker gerade nicht das Gemeinsame herausgestellt. „Ich weigere mich, ein Lied zu singen, in dessen Namen christliche Arbeiter und Gewerkschafter gefangen genommen, deportiert und getötet wurden“, schrieb der Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer auf Facebook. Und der CDU-Kreisvorsitzende Jan Schneider findet: „Dieses Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung hat auf einer Veranstaltung unserer Stadt ebenso wenig verloren wie die DGB-Flagge vor dem Römer.“

Günter Murr Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Günter Murr

Das sieht der Genosse Feldmann, der gerne von einem „roten Frankfurt“ schwärmt, natürlich anders. Zumal sich der künftige Staatsratsvorsitzende der sozialistischen Volksrepublik Frankfurt den in der „Internationalen“ angesprochenen „Verdammten dieser Erde“ besonders gerne annimmt. So hat er seinen bisherigen Büroleiter Martin Wimmer mit einem völlig überflüssigen Posten als Frankfurter Botschafter in Berlin versorgt. Momentan übt der 49-Jährige diese Funktion noch von Frankfurt aus. Aber er plant zusammen mit seiner Frau gerade den Umzug in die Bundeshauptstadt. Auf Facebook suchte er jetzt nach einer Wohnung. Es soll schon eine Residenz sein, die einem Botschafter angemessen ist. 100 Quadratmeter aufwärts, keine Dachschrägen, ruhig gelegen „in schönem Kiez“, mit Waschmaschinenanschluss sowie „Vollbad mit Wanne“. 2500 Euro warm ist das Ehepaar bereit zu zahlen. Immerhin wird die von Feldmann kritisierte Gentrifizierung, also die Verdrängung von Mietern durch eine zahlungskräftige Klientel, nach Berlin exportiert . . .

In der Wohnung der Wimmers muss natürlich auch ein Zimmer für „Yoga/Arbeiten“ vorhanden sein. Denn ein eigenes Büro wird Frankfurts Gesandter in Berlin nicht haben, so großzügig zeigt sich der OB dann doch nicht. Die Mainmetropole tritt in der Hauptstadt nämlich wie eine Briefkastenfirma auf: Eine Postadresse am Potsdamer Platz sei schon für 7000 Euro im Jahr zu haben, verkündete Feldmann kürzlich stolz.

Das veranlasste Lucia Puttrich (CDU), Hessens Ministerin für Bundesangelegenheiten, in dieser Woche zu einer süffisanten Bemerkung: Einen Briefkasten könne Frankfurt billiger haben – etwa in der nur wenige Schritte vom Potsdamer Platz entfernten hessischen Landesvertretung, wo Wimmer sogar einen kostenlosen Kaffee bekomme, wenn er die Post abholt. Das schone die Stadtkasse.

In die greift die Landesregierung ja gerne mal, wenn sie in finanziellen Nöten ist. Auch deshalb will Feldmann mit der Landesvertretung in Berlin nichts zu tun haben. Die tue nämlich wenig für Frankfurt, vertrete überwiegend mittelhessische Interessen. Möglicherweise sogar die von Gießen, der Heimatstadt von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Schreckliche Vorstellung. Dann lieber ein Briefkasten am Potsdamer Platz.

Feldmann scheint es nicht zu stören, dass er sich zum Gespött der Landesregierung macht. Er kann das ganz gelassen sehen: Wenn das rote Frankfurt unter seiner Führung zur Volksrepublik wird, dann wird es sich für unabhängig vom Unterdrückerstaat Hessen erklären und den Geldhahn abdrehen. Dann werden sie in Wiesbaden darum betteln, den Frankfurter Briefkasten mitbenutzen zu dürfen . . .

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