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Circus Flic Flac in Frankfurt: Wenn einer stürzt, stürzen alle

Zehn Männer rasen durch eine Stahlkugel, eine Vertikalnetzartistin hängt im Spagat weit über den Köpfen der Zuschauer und ein Jongleur wirbelt in Rekordgeschwindigkeit, Bälle durch die Luft. Das Programm des Circus Flic Flac, der bis zum 16. November am Festplatz gastiert, ist vielseitig. Wir haben hinter die Kulissen geschaut.
Kaum zu glauben: Zehn Männer kommen sich in der Kugel nicht in die Quere – wenn’s gut geht. Kaum zu glauben: Zehn Männer kommen sich in der Kugel nicht in die Quere – wenn’s gut geht.
Frankfurt. 

21 Meter hoch sind die vier Hauptmasten, die das schwarz-gelbe Zelt des Circus Flic Flac tragen. Der gastiert seit dem 23. Oktober auf dem Festplatz am Ratsweg. Seine Artisten präsentieren auf einer Drehbühne mit rund zwölf Metern Durchmesser eine rasante Show, in der selbst das Publikum vergeblich auf Verschnaufpausen hofft. Unter dem Motto „25 Jahre Höchststrafe“ geben sich Motorrad-Artisten, Jongleure, Akrobaten und Motocross-Extremsportler die Klinke in die Hand und lassen das zweistündige Programm wie im Flug vergehen.

 

Knochenbrüche

 

Dafür, dass alles so reibungslos läuft, sorgt die Choreographie von Larissa Kastein. Die Juniorchefin, die gemeinsam mit Vater Benno die Regie der Show übernommen hat, wollte genau diesen Effekt erzielen: „Wir haben uns vorgenommen, eine Show ohne lange Umbauten auf die Beine zu stellen und darum alles auf die Sekunde geplant.“ Erst zwei Wochen vor der Premiere in Oberhausen begannen die Proben, die Show wird allerdings nach und nach perfektioniert und weiterentwickelt, verrät die 27-Jährige, die im Zirkus großgeworden ist.

So wie ihr, geht es den meisten Zirkusartisten, so dass es fast verwunderlich ist, wie viele Debütanten in der Jubiläumsshow mitreisen. „Das macht in unserem Team den Reiz aus. Wir sind mit einer bunten Truppe aus Artisten und Athleten unterwegs, die sich selbst ins Programm von Flic Flac einbringen können. Gerade die Sportler, die noch nie in ihrem Leben mit einem Zirkus unterwegs waren, sorgen dafür, dass wir über den Standard hinausgehen.“

Sportler wie der Slowene Sandi Medved. Der 30-Jährige sorgt in der Show für den größten Überraschungseffekt, wenn er als erster Motocross-Springer scheinbar aus dem Nichts über den Zuschauerraum geflogen kommt und über die 6,30 Meter hohe Stahlkugel fliegt, in der vorher noch zehn andere Motorradfahrer waghalsige Runden gedreht haben. Den Weltrekord, den Flic Flac im letzten Jahr mit dem „Globe of Speed“ aufgestellt hat, konnten die Kasteins mit dem Engagement von Medved und seinen Kollegen nochmals spektakulärer gestalten.

25 Jahre ist es her, dass Benno Kastein, selbst ehemaliger Hochseilartist, sich mit Flic Flac selbstständig gemacht hat. Seine Tochter Larissa war zu diesem Zeitpunkt erst zwei Jahre alt und von Anfang an mit auf Tour. Inzwischen tritt sie mit Pole-Dance-Akrobatik auf und weiß: „Damals war es schwierig, als Zirkus ohne Tiere Besucher anzulocken. Heute hat sich diese Tendenz komplett gewandelt.“ Als Ersatz für die Tiernummern haben sich in den letzten Jahren die rasanten Motorrad-Acts als Markenzeichen von Flic Flac etabliert.

Beide Motorradnummern rauben dem Publikum zu Recht den Atem, denn gefahrlos geht es weder bei den Motocross-Springern unter der 16 Meter hohen Zirkuskuppel noch im Inneren der Stahlkugel im Zentrum der Bühne zu. „Knochenbrüche kommen bei uns nicht selten vor“, erzählt Medved. Auch der Argentinier Alejandro Eguino, der mit neun weiteren Kollegen auf engstem Raum in rasanter Geschwindigkeit in der 6,30 Meter durchmessenden Stahlkugel unterwegs ist, lebt mit dem Risiko. „Wenn bei einem von uns was schiefgeht, stürzen alle. Da muss nur mal ein technischer Defekt passieren oder einer kurz unkonzentriert sein“. Passiert ist dem 30-Jährigen jedoch selten etwas.

 

Tiefer Fall

 

Im Gegensatz zu seinem Artistenkollegen Nicolai Kuntz, der bei einem Unfall vor einigen Wochen noch Glück im Unglück hatte. „Nach einer Nummer am Schwingtrapez wollte ich mich in meine Longe fallen lassen, die dummerweise an einem defekten Drahtseil des Gastspielzirkus hing“, erzählt der 21-Jährige, der bei dieser Aktion aus sechs Metern Höhe abgestürzt war und sich einen Rückenwirbel gebrochen hatte.

Inzwischen kann er über den Vorfall schon wieder einigermaßen schmunzeln: „Es war ärgerlich, aber zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert.“ Seit einigen Wochen steht er mit seiner Diabolo-Jonglage bereits wieder auf der Bühne. Und auch die Trapeznummer will er zum Ende des Gastspiels wiederaufnehmen. Dann aber nur noch mit seinem eigenen Material.

Ungefährlicher, aber dennoch nicht unspektakulärer lebt Sängerin Caro Kunde aus Sachsen-Anhalt, die mit ihren 49 Jahren zum ersten Mal mit dem Zirkus unterwegs ist. Ihre rockige Stimme begleitet die waghalsigen Acts, die während der Show auf der Bühne stattfinden. Dennoch ist ihr Einsatzort in luftiger Höhe, denn die Flic-Flac-Band spielt hinter der Bühne im eigens aufgebauten Zellentrakt, über dem Artisteneingang. Das Motto: „25 Jahre Höchststrafe“ wird immer wieder durch den Gefängnisaufbau des Bühnenhintergrunds ins Geschehen eingebunden.

Noch bis 16.November gastiert Flic Flac in Frankfurt. Montags bis freitags um 20 Uhr, samstags um 16 und 20 Uhr, sonntags um 15 und 19 Uhr Karten kosten zwischen 25,20 Euro und 54,90 Euro. www.flicflac.de.

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