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32. Selbsthilfemarkt: Wer Hilfe sucht, ist hier richtig

Von Rund 100 Selbsthilfegruppen haben sich gestern in den Römerhallen vorgestellt. Das Spektrum reichte von Gesundheitsthemen über Mobbing und Spielsucht bis hin zu Tauschringen.
Von Anfang an dabei: Brigitta Reitz vom Elternkreis Drogen. Bilder > Foto: Rainer Rüffer Von Anfang an dabei: Brigitta Reitz vom Elternkreis Drogen.
Frankfurt. 

2500 bis 3000 Besucher haben sich gestern in den Römerhallen und im angrenzenden Römerhöfchen beim 32. Selbsthilfemarkt informiert. Einer von ihnen, Nikolas Pfaff, fühlte sich „wie ein Baby“. Der 30-Jährige 1,80-Meter-Mann war auf einen hohen Stuhl geklettert. Eine etwas merkwürdige Erfahrung – und Alltag für Kleinwüchsige. Rund 100 000 Kleinwüchsige gibt es in Deutschland. 270 sind im Landesverband kleinwüchsiger Menschen und ihrer Familien in Hessen (LKMF) organisiert. „Wir geben uns gegenseitig Tipps. Wie ist es, wenn ein kleinwüchsiges Kind in die Schule soll, mit der Inklusion? Was, wenn mit der Volljährigkeit der Führerschein ansteht? Was ist später in der Partnerschaft?“, erläutert die Vorsitzende des LKMF, Karin Hoffmann, Mutter einer kleinwüchsigen Tochter. Kontakt zu der Gruppe gibt es unter (0 56 74) 59 59.

Urgestein der Selbsthilfe

Brigitta Reitz ist ein Urgestein auf dem Selbsthilfemarkt. 1978 gründete sie den Elternkreis Drogen, der sich 14-tägig im Haus der Volksarbeit trifft. „Viele Eltern, deren Kinder Drogen nehmen, schämen sich. Was haben wir bloß falsch gemacht, fragen sie sich.“ Doch Reitz weiß aus Erfahrung: Meist haben die Eltern gar nichts falsch gemacht. Pubertät, Abnabeln vom Elternhaus, Konflikte, das ist alles ganz normal. Nur wenn dann Drogen ins Spiel kommen und sich eine Sucht entwickelt, sollten Eltern sich nicht scheuen, das Jugendamt einzuschalten oder erwachsene Kinder auch aus der Wohnung werfen. Einen Kontakt zum Elternkreis Drogen vermittelt das Haus der Volksarbeit, Telefon (0 69) 15 01 0.

Brigitta Gibson hat seit 40 Jahren Rückenschmerzen. „Der Schmerz hat mein Leben geprägt“, sagt sie. Mit dem Schmerz leben lernen sei nicht leicht, aber möglich. Vor 26 Jahren gründete Gibson eine Selbsthilfegruppe in Frankfurt, ein Jahr später war sie bei der Gründung der Deutschen Schmerzliga beteiligt, die bundesweit 4000 Mitglieder hat. „Für viele Mitglieder ist wichtig, dass sie sich bei unseren Treffen einfach so geben können, wie sie sind und nicht wie in der Arbeitswelt und im Familienleben Haltung bewahren müssen“, sagt Gibson. Anfragen nimmt die Geschäftsstelle der Schmerzliga unter (0 61 71) 28 60 53 entgegen.

Exot unter den Gruppen

Sich gegenseitig zu stärken und Tipps zu geben, das ist der Sinn von Selbsthilfegruppen. Eine der häufigsten Volkskrankheiten ist Bluthochdruck. In der Frankfurter Gruppe ist Helmut Schmitt der führende Mann. „15 Leute kamen immer zu den monatlichen Treffen, davon ein fester Stamm von sieben oder acht“, sagt er. Die Treffen sind zurzeit eingestellt, weil Schmitt die Vorbereitung nicht mehr leisten kann. Doch Leidensgenossen hilft er über Telefon weiter unter (0 69) 55 22 90.

Bei all den Gesundheitsthemen – schätzungsweise 90 von 100 Selbsthilfegruppen befassen sich mit Krankheiten – hat sich mit Sharon Rieck eine fast exotische Vertreterin in der Römerhalle aufgestellt. Ihre Selbsthilfegruppe heißt „Tangiert“ und ist eine Frauen-Selbsthilfe für Partnerinnen schwuler Männer. Oft merken die Ehefrauen erst nach Jahren, dass ihr Partner in Wahrheit schwul ist. „Es ist manchmal in der Midlife-Crisis, oft auch schon vorher“, sagt Rieck. In vielen Fällen gehe die Ehe auseinander. Die Treffen der Selbsthilfegruppe werden fünf Mal im Jahr anberaumt, und die Teilnehmerinnen kommen aus einem Umkreis von 100 Kilometern. Tangiert legt auf Anonymität großen Wert. Ort und Termin erfährt man unter (0 69) 55 94 44 oder per Mail an frankfurt@tangiert.de.

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