Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 24°C

Der Rote Faden, Folge 219: Werner Holzwarth - Der Maulwurfsmann

Von Unter Kindern ist sein Werk verbreiteter als das des großen Goethe: Werner Holzwarth schrieb das Buch "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat". Dem Autor widmen wir Folge 219 der Serie "Der rote Faden", die Menschen vorstellt, die Besonderes in Frankfurt leisten.
Werner Holzwarth und der Maulwurf, dem jemand auf den Kopf gemacht hat. In diesem Falle hat ihm unsere Fotografin den roten Faden um den Kopf gelegt – eine Ehre, keine Gemeinheit. Foto: Salome Roessler Werner Holzwarth und der Maulwurf, dem jemand auf den Kopf gemacht hat. In diesem Falle hat ihm unsere Fotografin den roten Faden um den Kopf gelegt – eine Ehre, keine Gemeinheit.

Wenn die Mütter, Väter und Kinder in dem kleinen Café am Günthersburgpark nur wüssten, wer da häufig mitten unter ihnen sitzt! Flüsterte man ihnen zu, dass es Werner Holzwarth sei, ginge ein Blick zu dem eher zierlichen älteren Herren mit den grauen, etwas verwirbelten Haaren, folgten Schulterzucken und fragende Blicke. Holzwarths Namen haben sie nicht parat, erst mit diesem Attribut würden sie ihn erkennen: Der Mann in der Sonne ist der Erfinder „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte“, einem der erfolgreichsten Bücher der vergangenen Jahrzehnte.

28 Jahre ist der kleine kauzige Kerl, der auf unerschrockene Weise tut, was der Titel des Buches ankündigt, mittlerweile alt. Er hat seinen Platz neben Pippi Langstrumpf und der kleinen Raupe Nimmersatt als Klassiker; so gut wie jedes Kind in Deutschland kennt ihn. Auch in Tschechien, Holland, in China, auf den Faröer, neuerdings auch in Vietnam lieben sie die Verse über Hunde-Würste, Tauben-Kleckse und Ziegen-Knöllchen. Mehr als drei Millionen Mal ist das Buch verkauft worden, in 37 Sprachen ist es übersetzt. Mehrere zehntausend Exemplare gehen allein in Deutschland Jahr für Jahr über die Ladentische.

<span></span>
Der rote Faden Das rote Band der Sympathie

Der Societäts-Verlag hat eine Porträtreihe aus der Frankfurter Neuen Presse aufgenommen: „Der rote Faden“ vereint 40 Frankfurter, die Großes geleistet haben.

clearing

Gerade steigt die Nachfrage wieder, denn in Schweden haben sie Anfang April beschlossen, den mit gut einer halben Million Euro dotierten Astrid-Lindgren-Kinderbuchpreis an Wolf Erlbruch zu vergeben. Jede deutsche Zeitung hat zu dieser Nachricht den kleinen Maulwurf abgebildet, den der Illustrator und Autor nach Holzwarths Textvorlage gezeichnet hatte – und der so auch zu Erlbruchs größtem Erfolg wurde.

„Er hat den Preis ohne Frage verdient. Aber eine Kiste Champagner könnte er mir schon schicken“, kommentiert Werner Holzwarth den Preis. Seine größte Ehre für das Maulwurf-Buch war eine Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis. „Aber wegen des Themas haben sie sich dann doch nicht getraut, ihn uns zu geben.“

So halten wir es eben mit Klo-Themen: Jeder macht’s, aber man spricht nicht darüber. Mehr als zwei Jahre hatte der Texter nach einem Verlag gesucht. „Alle haben abgelehnt mit der Frage: Glauben Sie wirklich, Mütter oder Großmütter kaufen ein Buch, in dem ein Hund einem Maulwurf auf den Kopf kackt?“ Holzwarth, Jahrgang 1947, also schon damals kein junger Rebell, war zutiefst davon überzeugt. Sein ältester Sohn war gerade zweieinhalb und bestaunte mit großer Begeisterung nicht nur das, was er selbst ins Töpfchen legte, sondern auch die runden Würste, die seine Wege durch Frankfurt säumten, die Flecken auf den Autoscheiben, die Köddel auf den Weiden . . . „Er fand das Thema Kacke faszinierend, aber es gab keine guten Bücher dazu.“

Der Rote Faden - 
Frankfurter im Porträt,
Societäts-Verlag 2015,
208 Seiten, Bildband,
€ 19,80 (D) / € 20,40 (A) / sFr 28,50 (CH), 
ISBN: 978-3-95542-147-2 Bild-Zoom
Der Rote Faden - Frankfurter im Porträt, Societäts-Verlag 2015, 208 Seiten, Bildband, € 19,80 (D) / € 20,40 (A) / sFr 28,50 (CH), ISBN: 978-3-95542-147-2
Leicht sei ihm das Schreiben von der Hand gegangen, all die pädagogischen Überlegungen, die er hätte anstellen können, sind ihm erst später von Lesern angetragen worden. Etwa, dass er ja eine Zahn-um-Zahn-Moral vertrete, weil sich der kleine Maulwurf am Ende an Hans-Heinerich, dem Metzgershund, rächt. „Ich sehe beim Schreiben keine Kinder vor mir. Ich schreibe für mich. Aber vielleicht habe ich einen kindischen Humor.“ Warum ein Maulwurf sein Held wurde? „So richtig weiß ich das nicht. Aber ich hatte als Kind ein ausgestopftes Exemplar im Kinderzimmer. Vielleicht eine späte Erinnerung. . .“

Auch wenn die Verlage ablehnten, dass seine Buch-Idee eine gute war, daran ließ Holzwarth keine Zweifel aufkommen. Widerstand dient ihm als Triebkraft, ein bisschen quer zu den anderen zu liegen, ist Teil seines Naturells.

Jemand gab ihm den Tipp, er solle das Manuskript mit Illustrationen einreichen. Jetzt blättert der Autor in einem dicken Aktenordner, Dutzende Seiten gesammeltes Leben, mitten drin die ersten Entwürfe: „Ich wusste nicht, wie er aussehen sollte, aber ich wusste sofort, dass er so nicht aussehen sollte.“ Die angefragte Illustratorin hatte ein pummelig-possierliches Tier gemalt, die Handlung eingebettet in eine Gartenwelt voll schöner Blumen. Selten passt der Spruch „Voll Achtziger“ so gut. „Mit diesen Bildern wäre das Buch niemals so ein Erfolg geworden.“

Erst Wolf Erlbruch verstand den Witz, malte das halbblinde Tier auf die einzig mögliche Weise und vermittelte auch den Kontakt zum Verlag. „1989 war es das meistgeklaute Buch auf der Frankfurter Buchmesse. Nicht nur für Kinder wurde es gekauft, jede WG hatte den Maulwurf auf dem Klo liegen.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Regal der kleinen Helden

1 2 3
Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse