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Umwelt: Weshalb Blockheizkraftwerke sich nicht mehr rechnen

Von Sie gelten als sparsam und hocheffizient: Heizkraftwerke. Sie erreichen einen Wirkungsgrad von bis zu 90 Prozent, nutzen die Energie, die im Erdgas steckt, um Strom zu erzeugen und heizen mit der Abwärme. Jetzt sind viele gefährdet.
Josef Kneifl vom Anlagenerbauer FuelCell zeigt auf den Stahlcontainer, hinter dem die Karbonat-Brennstoffzellen arbeiten. Man kann sich trotz der Geräuschkulisse noch unterhalten in dem Industriegebäude neben dem Radisson Blu Hotel. Wechselrichter und Pumpen machen Lärm. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Josef Kneifl vom Anlagenerbauer FuelCell zeigt auf den Stahlcontainer, hinter dem die Karbonat-Brennstoffzellen arbeiten. Man kann sich trotz der Geräuschkulisse noch unterhalten in dem Industriegebäude neben dem Radisson Blu Hotel. Wechselrichter und Pumpen machen Lärm.
Frankfurt. 

„Die Wirtschaftlichkeitsrechnung war ein Kartenhaus, und es droht zusammenzubrechen.“ Zu diesem Urteil kommt Arnd Köhler, Leiter Technik und Infrastruktur im Krankenhaus Nordwest. „Wir haben ein modernes Blockheizkraftwerk, das den Strom- und Wärmebedarf des Krankenhauses deckt“, sagte er. Die Anlage, 2015 errichtet, erzielte 2016 noch einen Überschuss von 170 000 Euro. „Damals mussten wir auf selbst genutzten Strom nur 25 Prozent der Umlage aus dem Erneuerbaren Energiegesetz zahlen“, so Köhler.

2017 – der zu zahlende Anteil war auf 40 Prozent gewachsen – schrumpfte der Überschuss auf 100 000 Euro. Im laufenden Jahr drohen aus dem Betrieb Verluste von 30 000 bis 40 000 Euro. Der Grund: Seit Jahresanfang müssen die Betreiber solcher ökologisch vorbildlicher Anlagen dennoch die volle Umlage zahlen, 6,792 Cent je Kilowattstunde selbst genutzten Stroms.

Brüssel ist schuld

Diese Regelung verdankt sich dem Umstand, dass Brüssel in der Reduzierung der Umlage bei BHKWs eine Wettbewerbsverzerrung sah und sie abgeschafft hat. Somit stiegen die Kosten von rund 2,8 Cent auf 6,8 Cent, vier Cent pro Kilowattstunde mehr. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag schätzt, dass 10 000 industrielle Mittelständler ihre BHKW nicht mehr rentabel betreiben können.

Für Mieter ändert sich nichts. Denn auch wenn bei ihnen Strom und Wärme aus einem in der Nähe befindlichen BHKW stammt: „Der Strom war immer schon mit der EEG-Umlage in voller Höhe berechnet“ sagt Mainova-Sprecher Sven Birgmeier. „Es war eben kein von uns, dem Erzeuger, selbst genutzter Strom.“ Auch Anlagen unter 10 Megawattstunden Jahresabgabe an Energie sind frei. Damit bleibt allen Kleinstanlagen im Keller von Ein- oder Zweifamilienhäusern die Umlage erspart.

Kraftwerk im Schulkeller

Anders könnte es für die Stadt aussehen, die im Keller vieler Schulen BHKWs betreibt und damit de Strom- und Wärmebedarf der Schule deckt. Doch von den 25 städtischen BHKWs sind 24 vor dem 1. August 2014 in Betrieb genommen worden. Diese Altanlagen sind von der EEG-Umlage komplett befreit. Lediglich für die Anlage im Keller der Werner-von-Siemens-Schule müsste die Stadt zahlen.

Die 25 BHKW-Module der Stadt haben eine elektrische Gesamtleistung von 1,9 Megawatt und einer thermische von 3,2 Megawatt. Rund zwei Millionen Euro betrug zuletzt der Gewinn für die Stadt, rund 35 000 Tonnen Kohlendioxid wurden eingespart. Insgesamt gibt es 444 Blockheizkraftwerke in Frankfurt. „Wir sind die Blockheizhauptstadt Hessens“ sagte Gerd Prohaska vom Energiereferat der Stadt. Neue Anlagen jedoch rechnen sich nicht mehr.

Selbst das nagelneue Brennstoffzellen-BHKW auf einem Anbau des Hotels Radisson Blu ist unwirtschaftlich: „Es ist eine Katastrophe 70 bis 80 Prozent aller Anlagen Deutschlands lohnen sich nicht mehr“, sagt Thomas Herrman, Großkundenmanager beim Energieversorger Eon. Eon ist Eigentümer der Anlage beim Radisson. Mit spitzem Stift gerechnet und mit vielen Fördermaßnahmen, unter anderem von der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, die 800 000 Euro dazugab, rutscht das Brennstoffzellen-Kraftwerk jetzt in die roten Zahlen – wegen der 6,8 Cent Umlage.

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