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Westwind bringt dem Süden Lärm

Seit Inbetriebnahme der neuen Landebahn klagen vor allem Raunheim und Flörsheim über die neue Belastung. Nachdem der Wind gestern von Ost auf West gedreht hat, wird die neue Landebahn nun auch über den Frankfurter Süden angesteuert. Schon am ersten Tag mit geänderter Betriebsrichtung beschweren sich die Anwohner auch hier über mehr Fluglärm.
Achtung Tiefflieger: Mancher Anwohner am Lerchesberg bangt um seine idyllische Wohnatmosphäre. Fotos: Rüffer Bilder > Achtung Tiefflieger: Mancher Anwohner am Lerchesberg bangt um seine idyllische Wohnatmosphäre. Fotos: Rüffer
Frankfurt. 

Während Volker Hartmann, Vorsitzender der Bürgerinitiative Wofa, in seinem Oberräder Garten steht und telefoniert, ist im Hintergrund ein unüberhörbares Grummeln der im Anflug befindlichen Flugzeuge zu vernehmen. "Die Aussicht, nie mehr ohne Fluglärm zu sein, ist krass", sagt Hartmann, der findet, dass "der Lärm nicht von der Flughöhe abhängt". Daher sei es unverantwortlich, "eine Landebahn mitten in die Stadt hineingebaut" zu haben.

Von der Eröffnung der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens haben die Anwohner des Frankfurter Südens bisher nicht viel mitbekommen, da bis gestern überwiegend Ostwind wehte und die Flugzeuge in östlicher Richtung starteten und landeten. Doch seit Mittwoch weht der Wind aus westlicher Richtung, was zur Folge hat, dass rund die Hälfte der 43 pro Stunde eintrudelnden Jets nun die neue Anflugroute über Oberrad, Sachsenhausen und Niederrad nutzen.

Für Gastronom Helmut Braun und die Gäste seines Waldhotels "Hensel‘s Felsenkeller" in der Oberräder Buchrainstraße ist die neue Flugroute ohne Zweifel eine zusätzliche Lärmbelastung. Doch Braun nimmt‘s locker. Er kennt die Fluglärm-Beschwerden mancher Gäste bereits seit mehreren Jahrzehnten: "Ich bin schon seit 22 Jahren hier und daher ziemlich schmerzfrei. Wenn Ostwind ist, kann man sich im Garten einfach nicht unterhalten – das war schon immer so", sagt der Gastwirt, der "bis jetzt noch keinen zusätzlichen Lärm" ausgemacht hat.

Starts wären schlimmer

Der Sachsenhäuser Paul Raabe wiederum wohnt am Lerchesberg und sorgt sich vor allem über die Kerosinbelastung seines Gartens: "Ich sehe es an meinem Teich. Da ist seit neuestem ein Schleier drauf", hat Raabe beobachtet. Der Sachsenhäuser beugt sich über eine schematische Darstellung der geänderten Flugrouten und hat festgestellt, dass die Flugzeuge nun in 655 Meter Höhe über sein elf Kilometer von der Landebahn entferntes Haus im Nobelring hinwegbrausen.

Günter Lanz, Geschäftsführer des Umwelthauses, versichert, dass es "definitiv nicht" der Fall sei, dass landende Flugzeuge Kerosin ablassen. Dies geschehe nur, falls ein startendes Flugzeug aufgrund technischer Probleme direkt wieder landen müsse.

Deutlich lauter

Der Sachsenhäuser Jürgen Schimanowski hat schon beim Frühstück mit seiner Frau bemerkt, dass es jetzt vor allem im Freien spürbar lauter ist. "Das ganze Rhein-Main-Gebiet ist so stark bevölkert, dass es, wie man die Routen auch verschiebt, irgendwen immer trifft", sagt Schimanowski, der mit einer Spur von Galgenhumor mutmaßt, dass es nun in Neu-Isenburg deutlich leiser sei.

Dort, wo Christina Dobmeyer mit ihrer Familie in der Niederräder Reichsforststraße (7,7 Kilometer von der Landebahn entfernt) wohnt, gleiten die Flugzeuge in weniger als 490 Metern Höhe über die Hausdächer. "Wir werden unsere Fenster dreifach verglasen lassen und haben auch schon ein Formular von der Fraport erhalten. Mich ärgert, dass das nicht schon vor einem Jahr gekommen ist. Wer wechselt denn seine Fenster im Winter aus", lautet Dobmeyers berechtigte Frage. Die Mutter zweier Kinder ärgert sich zudem über die Größe der Flieger, die seit gestern im Minutentakt heranbrausen. Was diesbezügliche Einschränkungen anbelangt, hat Günter Lanz schlechte Nachrichten: Bis auf die mächtige A 380, die 747, die Boeing MD 11 und "einige Exoten wie die Tupolev" dürfen alle Flugzeuge die neue Landebahn nutzen.mov

(Mirco Overländer)
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