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Wettkampf der besten Redner

Die Fähigkeit, öffentlich zu reden, zu präsentieren und redegewandt zu überzeugen, ist im heutigen Berufsleben wichtiger denn je. Der Rhetorik-Verein „Toastmasters International“ schult Menschen weltweit in der Redekunst und hielt am Wochenende eine Konferenz im Haus der Jugend ab.
Die Zuhörer hatten Spaß bei manchen der Beiträge. Bilder > Die Zuhörer hatten Spaß bei manchen der Beiträge.
Sachsenhausen. 

Was für andere eine „lebenslängliche Strafe“ sei, erzählte der Brite John Hallway auf der Bühne im Haus der Jugend, mache er seit 30 Jahren freiwillig: In Deutschland leben. Aus diesem Grund hielt er bei der internationalen Konferenz des global agierenden Rhetorik-Vereins „Toastmasters International“ am Samstag eine „öffentliche Liebeserklärung an Deutschland“. Seine Aufgabe bestand nämlich darin, eine humorvolle Rede zu halten — um das über 300 Personen starke Publikum zum Lachen zu bringen, bediente sich Hallway deswegen manches Klischees über die Deutschen: „Vollkorn, Mehrkorn, Doppelkorn“, das Schunkeln auf Festlichkeiten, die Weltmeisterschaft in Brasilien. „Sich deutsch und freudvoll zu fühlen, ist kein Gegensatz“, schloss er seinen Vortrag.

 

Beifall für die Redner

 

Das Publikum dankte es Hallway mit tosendem Applaus, ebenso den anderen neun Teilnehmern des Wettbewerbs, die jeweils nahezu perfekte „Stand-up Comedy“ boten – zumindest was ihre Rhetorik anging. „Ähs“, Versprecher oder peinliche Pausen, weil der Text vergessen wurde, suchte man vergeblich, denn die Redner waren allesamt geschult darin. „Das Ziel von Toastmasters ist es, die Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten unserer Teilnehmer zu verbessern und Spaß dabei zu haben“, erklärte Vereinssprecher Christian Saliger. Dies unternimmt der 1924 in den USA gegründete Verein inzwischen in 126 Ländern, wo sich 313 000 Mitglieder in 14 650 Clubs weltweit organisieren, drei davon in Frankfurt. Die Konferenz am Wochenende wurde vom „District 95“ veranstaltet, der sich aus Deutschland, Polen, Österreich, Ungarn, der Tschechischen Republik, Rumänien sowie den skandinavischen Ländern zusammensetzt.

Außer dem Wettbewerb in humorvoller Rede bot diese Konferenz auch viele Workshops, wo die Teilnehmer die Stegreifrede probten, das Halten von Workshops lernten oder das überzeugende Präsentieren übten. Wichtig sei bei diesen Workshops, wie auch bei den wöchentlichen Treffen der Clubs, dass man nicht nur von einem Trainer geschult und bewertet werde, sondern auch von den anderen Teilnehmern, meint Christian Saliger. Weil man stets gezwungen ist, vor vielen Menschen zu reden, würden Unsicherheiten nach und nach abgebaut. Der Erfolg der Toastmasters fußt somit zu einem beträchtlichen Teil auf den Erfordernissen der heutigen Arbeitswelt: „Präsentieren, verkaufen, überzeugen zu können, wird immer wichtiger für den beruflichen Erfolg. Man muss eine freie Rede halten können“, so Saliger.

Im Verein finden sich deswegen nicht nur Menschen zusammen, die Angstausbrüche kriegen, wenn sie öffentlich reden sollen, sondern auch Profis wie Friederike Gallant aus Berlin, die seit 20 Jahren als Rhetorik-Trainerin arbeitet. „Man vergrößert den eigenen Methodenkoffer und schleift seine Messer“, erläuterte sie metaphorisch ihr Ziel, sich weiter zu verbessern und auch das eigene Netzwerk zu vergrößern. „Am Anfang muss man sich stark überwinden, aber schon nach einem Jahr sind die meisten richtig gut“.

 

Pausenfüller zählen

 

Bei den Übungen etwa werden deswegen „Ähs“, „Pseudoverbindungswörter“, Pausenfüller des Redners gezählt und der Sprachstil bewertet, ebenso wie Gestik, Mimik, der Publikumsbezug sowie die Klarheit der Aussage und die Einhaltung der Zielvorgabe, ob man also informieren, verkaufen oder überzeugen will.

Als wichtigste Technik nennt Friederike Gallant den Blickkontakt zum Publikum: „Ich gucke mir einen aus und spreche mit ihm, dadurch kann ich 400 Leute auf eine Person reduzieren.“

(peh)
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