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Stichwahl: Weyland vs. Feldmann: Das Frankfurter OB-Duell

Von Bei der Stichwahl für das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters will die CDU-Kandidatin Bernadette Weyland Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD) ablösen. Dabei muss sie einen gewaltigen Rückstand von mehr als 20 Prozentpunkten aufholen. Hoffnung macht ihr der Blick auf andere Direktwahlen, bei denen es Überraschungen gab.
Amtsinhaber (SPD) Peter Feldmann mit OB-Kandidatin Bernadette Weyland (CDU) Foto: dpa Amtsinhaber (SPD) Peter Feldmann mit OB-Kandidatin Bernadette Weyland (CDU)

Frankfurt 1995: Erstmals wird in der Mainmetropole der Oberbürgermeister direkt gewählt. Amtsinhaber Andreas von Schoeler (SPD) wird herausgefordert von einer CDU-Politikerin, der damals nur wenige eine Siegchance einräumten. Petra Roth aber verspricht, den Stillstand im Römer aufzulösen, gibt sich wirtschaftsfreundlich und weltoffen. Und sie stellt sich auch gegen ihre Partei, indem sie für eine liberale Drogenpolitik eintritt. Das macht sie bis in Kreise von Grünen-Anhänger wählbar. Mit 51,9 Prozent der Stimmen siegt sie überraschend bereits im ersten Wahlgang.

Frankfurt 2018: Wieder tritt ein sozialdemokratischer Oberbürgermeister an, sein Amt zu verteidigen. Peter Feldmann muss sich in der morgigen Stichwahl der CDU-Kandidatin Bernadette Weyland stellen, die den einstigen Coup von Petra Roth wiederholen will. Doch sie hat es ungleich schwerer als vor 23 Jahren ihre Parteifreundin, die ihr im Wahlkampf zur Seite steht.

Petra Roth konnte aus der Opposition heraus Wahlkampf machen gegen eine dem Abgrund entgegenschlingernde rot-grüne Koalition im Römer. Heute hingegen ist die CDU eingebunden in ein Bündnis mit SPD und Grünen, seit Jahrzehnten regiert sie im Römer mit. Wenn Weyland die Kommunalpolitik kritisiert, trifft sie immer auch ihre Parteifreunde. Und wenn sie mit eigenen Vorschlägen kommt, etwa mit der Idee, die Commerzbank-Arena zu verkaufen, findet sie in der CDU keine Unterstützung.

25,4 Prozent der Stimmen hat sie im ersten Wahlgang vor zwei Wochen erzielt. Der Rückstand auf Feldmann (46 Prozent) ist gewaltig. Und doch konnte sie sich motivieren, noch einmal zwei Wochen engagiert zu kämpfen. Gegen Ende bekam sie prominente Unterstützung aus der CDU. Die frisch gekürte Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer warb für sie, am Freitag kam der designierte Kanzleramtsminister Helge Braun, um mit Weyland ein Programm zur Digitalisierung vorzustellen.

Blick nach Rüsselsheim

Dabei setzt Weyland in der letzten Phase des Wahlkampfs gar nicht so sehr auf Inhalte, sondern verweist darauf, dass es sich um eine Persönlichkeitswahl handelt. Sie hofft auf die Stimmen derer, die mit Feldmanns Amtsführung unzufrieden sind und an der Spitze der Stadt gerne eine Frau sähen.

Auch deshalb rechnete sich die CDU mit einer Kandidatin bessere Chancen gegen Feldmann aus als mit Stadtkämmerer Uwe Becker, der das Spitzenamt im Römer lange angestrebt hatte. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs war für die Partei enttäuschend. Trotzdem will sie sich nicht geschlagen geben. Sie setzt darauf, dass Direktwahlen ihre eigenen Gesetze haben. Wiesbaden und Rüsselsheim werden als Beispiele genannt. In Rüsselsheim lag Amtsinhaber Patrick Burghardt (CDU) im vergangenen Jahr im ersten Wahlgang mit 49 Prozent der Stimmen deutlich vor seinem parteilosen Herausforderer Udo Bausch (25,6 Prozent). In der Stichwahl setzte sich Bausch aber durch. Ähnlich war es 2013 in Wiesbaden: Amtsinhaber Helmut Müller (CDU) ging als Favorit mit zehn Prozentpunkten Vorsprung in die Stichwahl, in der er dem SPD-Kandidaten Sven Gerich unterlag.

Wie wählt das linke Lager?

Kann Weyland eine solche Überraschung ebenfalls gelingen? Es gibt einen entscheidenden Unterschied: Die abgewählten Oberbürgermeister in Rüsselsheim und Wiesbaden gehören der CDU an, die Herausforderer vereinten die Stimmen aus dem linken Lager auf sich. Aus diesem Kreis kommen auch in Frankfurt die Wähler, die am Ende entscheiden werden. Die Kandidatinnen von Grünen und Linken erzielten im ersten Wahlgang jeweils rund neun Prozent. Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass diese Stimmen in der Stichwahl zu Feldmann wandern.

Die Linke hat zur Wahl des SPD-Kandidaten aufgerufen. Die Grünen geben zwar keine Wahlempfehlung ab, doch der ehemalige Europaabgeordnete Daniel-Cohn-Bendit plädiert dafür, Feldmann zu wählen. Und spricht man mit Parteimitgliedern, wird deutlich, dass sie bei Feldmann die größeren inhaltlichen Gemeinsamkeiten sehen. Zumal Weyland den Grünen – anders als Petra Roth vor 23 Jahren – kein inhaltliches Angebot gemacht hat.

Feldmann kann dem Wahltermin gelassen entgegensehen. Er bekommt vielfältige Unterstützung, etwa von der Arbeiterwohlfahrt, für die er lange gearbeitet hat. Dorthin würde er zurückkehren, sollte er entgegen seiner Erwartung die Wahl verlieren. Und Bernadette Weyland? Sie hat sich als Staatssekretärin im hessischen Finanzministerium ohne Rückkehrrecht in den Ruhestand versetzen lassen. Im Fall einer Niederlage will sie sich einen Hund zulegen.

dfg f dgh tg

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