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Frankfurts berühmtester Obdachloser: Wie Eisenbahn-Reiner endlich seine Sondergenehmigung erhalten soll

Von Eisenbahn-Reiners Odyssee nähert sich einem Ende. Dem zuständigen Amt liegen mittlerweile gleich drei auf seinen Namen ausgestellte Anträge für eine Sondernutzungsgenehmigung zum Aufbauen seiner Eisenbahn vor. Wie kam es dazu?
Statt seiner Eisenbahn zeigt Eisenbahn-Reiner (Mitte) jetzt die Zeitungsartikel, die über ihn erschienen sind. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Statt seiner Eisenbahn zeigt Eisenbahn-Reiner (Mitte) jetzt die Zeitungsartikel, die über ihn erschienen sind.
Frankfurt. 

22. 1. 1971. Das ist das Geburtsdatum von Eisenbahn-Reiner. Die einfache Zahlenkombination mag auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen. Manchmal sind die Zahlen aber von größter Wichtigkeit. Denn keine Behörde kann ohne diese Angabe Anträge bearbeiten – auch das Amt für Straßenbau und Erschließung in Frankfurt nicht. Im Fall von Eisenbahn-Reiner muss sie das aber. Denn der Obdachlose hat einen Antrag auf Sondernutzungsgenehmigung gestellt, um wieder sein Sammelsurium aus Eisenbahn, Spielzeugfiguren und -autos in der Liebfrauenstraße aufbauen zu dürfen.

Datum nachgetragen

Im Trubel um seine Person war aber nun vor ziemlich genau einer Woche vergessen worden, das Geburtsdatum in den Antrag auf Sondernutzungsgenehmigung einzutragen. Deshalb kam nun am Mittwochabend eigens ein Mitarbeiter der Behörde zum Stammplatz von Eisenbahn-Reiner in unmittelbarer Nähe zur Liebfrauenkirche, um das fehlende Geburtsdatum nachzutragen. Er musste persönlich vorbeikommen, weil er den Antrag nicht einfach zurücksenden konnte, schließlich hat der Obdachlose keinen festen Wohnsitz und somit auch keine Adresse.

Ordentlich sieht der Stammplatz von Eisenbahn-Reiner in der Liebfrauenstraße aus. Seine persönlichen Sachen hat er in einem Bollerwagen verstaut, den er geschenkt bekommen hat. Zuvor hatte er sein ganzes Hab und Gut auf dem Boden abgestellt.
Berühmter Frankfurter Obdachloser Eisenbahn-Reiner hat jetzt einen Bollerwagen für sein ...

Der Medienwirbel um Eisenbahn-Reiner hat mittlerweile etwas nachgelassen. Die Sondernutzungserlaubnis ist beantragt, aus der Liebfrauenstraße will der 45-Jährige nicht weg. Unterstützung bekommt der Obdachlose immer noch von vielen Seiten. Ein Geschenk lehnt er aber bewusst ab.

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Reiner Schaad, so heißt Eisenbahn-Reiner mit bürgerlichem Namen, freut sich über diese Geste. Er finde es aber etwas komisch, sagt er, dass das fehlende Geburtsdatum erst eine Woche nachdem er den Antrag ausgefüllt habe, bemerkt worden sei. Trotzdem ist er optimistisch, dass er die Sondernutzungsgenehmigung nun schnell erhalte. „Nächste Woche wird sie schon eintreffen“, sagt er und zupft nervös seine Baseballkappe, neben einem dichten Vollbart und einer Zigarillo im Mund eines seiner Markenzeichen, zurecht.

Ob es tatsächlich so schnell geht, darf bezweifelt werden. „Dem Amt liegen im Moment sogar drei Anträge auf Sondernutzungsgenehmigung vor“, sagt Stefan Lüdecke vom Verkehrsdezernat der Stadt Frankfurt. Eingereicht worden seien sie von drei unterschiedlichen Personen, aber alle seien auf den Namen Reiner Schaad ausgestellt. Jeder einzelne Antrag für sich werde sorgfältig geprüft und dann in den nächsten Tagen eine Entscheidung gefällt, sagt Lüdecke. Wer die Anträge gestellt hat, dürfe er aus Gründen des Datenschutzes nicht sagen.

Gebühr erlassen

Das braucht er auch nicht – zumindest zwei Antragsteller sind der Frankfurter Presse ohnehin namentlich bekannt. Einer ist natürlich Eisenbahn-Reiner selbst. Einen weiteren Antrag hat Götz Wörner vom Verein „Kultur für Alle“ mit Sitz in Heddernheim eingereicht – die Chancen auf Genehmigung sind aber wohl eher gering. Denn im Anschreiben heißt es, dass der Verein finanziell über sehr begrenzte Mittel verfüge und die Stadt eventuell die Gebühr für die Sondernutzungserlaubnis erlassen könne. Normalerweise sind jährlich 150 Euro fällig.

Seit zwölf Jahren ist Eisenbahn-Reiner in der Liebfrauenstraße bekannt. Hier baut er auch täglich seine Spielsachen auf und freut sich über eine kleine Spende. Jetzt soll er seinen angestammten Platz räumen.
Obdachloser erhält Platzverweis Geschäftsleute: Eisenbahn-Reiner soll bleiben

Seit zwölf Jahren baut Reiner Schaad jeden Morgen seine kleine Spielzeugwelt in der Liebfrauenstraße auf. Das Ordnungsamt hat das dem Obdachlosen jetzt allerdings verboten.

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Die Sondernutzungsgenehmigung braucht Eisenbahn-Reiner, um seine Eisenbahn und seine Spielsachen auch künftig in der Hoffnung auf eine milde Gabe von Passanten in der Liebfrauenstraße zeigen zu dürfen. Stadtpolizisten hatten den 45-Jährigen und dessen „Ausstellung“ nach einer Beschwerde kontrolliert. Weil er keine Sondernutzungserlaubnis vorweisen konnte, konfiszierten sie vor knapp zwei Wochen seine Spielsachen.

Empörte Reaktionen

Das hatte aber einen Sturm der Entrüstung in den sozialen Netzwerken ausgelöst; Medien aus ganz Deutschland berichteten über den Fall, so dass die Stadt einlenkte. Eisenbahn-Reiner bekam seine Spielsachen zurück, und Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) schlug ihm vor, sein Sammelsurium an der Kleinmarkthalle aufzubauen – zumindest so lange, bis er seine Sondernutzungserlaubnis, die ja nun beantragt ist, bekommen hat. Das lehnte der 45-Jährige aber mit der Begründung ab, er habe seine Stammkunden in der Liebfrauenstraße. Seine Eisenbahn baut er derzeit aber nicht mehr auf. Damit sie nicht in falsche Hände gerät, hat er sie im Keller eines Bekannten eingelagert.

Die Solidarität und Unterstützung in der Stadt für Eisenbahn-Reiner ist übrigens ungebrochen. Vom Verein „Streetangel“, der sich für Obdachlose einsetzt und sie finanziell unterstützt, hat er kürzlich erst eine Spielzeug-Eisenbahn im Koffer, einen Bollerwagen, in dem er all’ sein Hab und Gut packen kann und sogar Isomatten für sein Nachtlager bekommen (wir berichteten mehrmals).

Eine traurige Miene macht Eisenbahn-Reiner, schließlich ist ihm nur ein Papagei aus Plastik übrig geblieben. In der Liebfrauenstraße sitz er immer noch, Stadtpolizisten hatten dort seine Eisenbahn und andere Figuren konfisziert.
Medien aus der ganzen Republik berichten Eisenbahn-Reiner: Stadt rudert zurück

Ganz Deutschland blickt nach Frankfurt und auf Eisenbahn-Reiner. Stadtpolizisten hatten die Spielzeugeisenbahn des Obdachlosen konfisziert. Doch jetzt will das Amt offenbar einlenken.

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