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Schlechte Zutände in vielen Stadtteilen: Wie Frankfurts Friedhöfe langsam verfallen

Die Klagen über schlecht gewartete Friedhöfe in den Stadtteilen häufen sich. Doch der Unterhalt von Trauerhallen und Grünanlagen ist teuer. Zudem hat sich die Bestattungskultur gewandelt. Eine Bestandsaufnahme.
<span></span> Foto: Maik Reuß
Frankfurt. 

An der Außenfassade platzt der Putz ab, Feuchtigkeit dringt von außen durch die Wand nach innen, die Orgel ist kaum noch bespielbar – die Trauerhalle auf dem Zeilsheimer Friedhof sei „unzumutbar“, kritisiert Pfarrer Ulrich Matthei. Im Juli schrieb der Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde daher einen Brief an das Grünflächenamt der Stadt.

Auch in anderen Stadtteilen wird über den schlechten Zustand der Friedhöfe geklagt: marode Gehwege, überquellende Abfallcontainer, wucherndes Grün. In Nied wurde die Trauerhalle im Frühjahr bereits von Bürgern einigermaßen in Schuss gebracht, weil seitens der Stadt nichts passierte. Sie ist seit Jahren in einem beklagenswerten Zustand. Im April vorigen Jahres hatte sich deshalb schon der Vereinsring Nied unter dem ehemaligen Vorsitzenden Helmut Grohmann zusammen mit den Kirchengemeinden in Nied schriftlich an die zuständige Stadträtin gewandt, um auf den Zustand hinzuweisen und Verbesserungen einzufordern. Im Juli 2015 kam es endlich es zu einem gemeinsamen Treffen mit Vertretern des Frankfurter Grünflächenamts.

Da die Stadt sich aber nicht in der Lage sah, zumindest die gröbsten Mängel – etwa die Abdichtung der Halle gegen Zugluft und eine kleine Heizung – zu realisieren, wurde über den Vereinsring und Nieder Handwerker aus dem Gewerbeverein diese Maßnahmen Ende Februar diesen Jahres verwirklicht – nachdem die Stadtverwaltung endlich die Erlaubnis erteilt hatte, dass die Bürger ihre Aufgaben übernehmen durften.

Gemeinde sammelt Geld

Eine namhafte Spende an den Vereinsring und die Zusage der Nieder Kirchengemeinden, die zu gleichen Teilen den Rest von 900 Euro zusagten, sorgten dafür, dass nun die Trauerhalle besser abgedichtet ist und eine Infrarotheizung installiert werden konnte. Die Katholische Gemeinde Nied musste 450 Euro aufbringen und bat dafür in einer Türkollekte um Spenden – „um als Christen und als Nieder Bürger ein Zeichen zu setzen, wie wichtig auch ein würdiger Rahmen – soweit es möglich ist – auf unserem Friedhof ist“, so Pastoralreferent Ralf Albensoeder.

Ungelöst ist noch die Frage der Toilette auf dem Nieder Friedhof. Seit zwei Jahren steht dort ein Baustellen-Dixiklo, weil die Toilette nicht repariert wird. Das Provisorium soll keine Dauerlösung werden, aber es tut sich nichts. Das Problem wird noch dadurch verschärft, dass die Bahn die Toilette auf dem gegenüberliegenden S-Bahnhof Nied abgebaut hat, weil dort Drogen gedealt wurden. Die Fahrgäste, so hieß es, könnten ja die Toilette auf dem Bahnhof benutzen…

Auf anderen Friedhöfen, etwa in Sindlingen oder Griesheim, beschweren sich Besucher über ungepflegtes Grün, ungeleerte Abfallbunker, veralgte Wasserbassins und immer wieder, gerade in den Übergangsjahreszeiten, kaputtgefahrene Wege. Auch die Trauerhalle auf dem Südfriedhof in Sachsenhausen ist renovierungsbedürftig.

Seit Jahren wächst der Schimmel an der Decke, sind Löcher im Dach und einen Anstrich könnte die Trauerhalle auf dem alten Nieder-Erlenbacher Friedhof auch mal gebrauchen – so sieht das nicht nur der neue Ortsvorsteher, Yannick Schwander (CDU).

Lersnersche Gruft verfällt

Wenn der Ortsbeirat 13 – meist einstimmig – mal wieder Verbesserungen anmahnt, verweist die Stadt in der Regel auf den neuen Friedhof. Dort gebe es doch eine schöne, neue Trauerhalle. „Doch die Alteingesessenen haben meist Familiengräber auf dem alten Friedhof, weshalb dort auch die größten Beerdigungen stattfinden“, sagt Schwander. Und um auf dem neuen Friedhof die Halle zu nutzen und dann zum alten Friedhof ans Grab zu gehen, dafür sei der Weg zu weit. Ein weiteres Sorgenkind auf dem alten Friedhof ist die denkmalgeschützte Lersnersche Gruft. Das Grabmal „befindet sich in beklagenswertem Zustand, und eindringende Feuchtigkeit zersetzt langsam das Mauerwerk.

Graberde sackt ab

Stark einsackende Gräber sorgen in Harheim für Ärger. Der Erdaushub sei nach Beerdigungen ungenügend zerkleinert worden, kritisierte der Ortsbeirat14. Prompt sackten die groben Brocken nach und nach ab, selbst nach Jahren noch. Das seien Einzelfälle, antwortete die Stadt und verwies auf eine Lagerstätte für überschüssige Erde. Dort könnten die Friedhofsbesucher zum Auffüllen von Gräben jederzeit Erde entnehmen...

Hinter all’ dem steckt ein strukturelles Problem: Die Finanzierung der Friedhofspflege erfolgt überwiegend aus Gebühren. Doch dies gestaltet sich zunehmend schwierig, erläutert Stephan Heldmann, der Leiter des Grünflächenamtes. 80 bis 90 Prozent der Bestattungen seien heute Urnenbestattungen. Diese benötigen weniger Platz, Rasengräber erst recht. Immer mehr Menschen wählten eine anonyme Bestattung oder einen Friedwald – und gingen den Stadtteilfriedhöfen damit ganz verloren.

Deshalb gilt auch eine weitere Gebührenerhöhung nicht als Ausweg. Dass die Nutzung der Trauerhalle bei einer Urnenbestattung, die vielleicht zehn Minuten dauert, in Frankfurt saftige 89 Euro kostet, ärgert ohnehin schon viele, bestätigt Prodekan Holger Kamlah, der einst als Vertreter der Evangelischen Kirche in der Friedhofskommission gegen diese Erhöhung argumentiert hat. Je teurer eine Bestattung mit traditionellem Grab werde, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen sich auch aus finanziellen Gründen für andere Bestattungsformen entschieden.

Sinkende Nachfrage

Die sinkende Nachfrage nach „normalen“ Gräbern habe zur Folge, dass auf den Stadtteilfriedhöfen immer weniger Platz gebraucht werde, sagt Heldmann. Bestehende Ruhestätten müssten dennoch gepflegt werden, was Kosten verursache. Hinzu kommt, dass Frankfurt mit 49 kommunalen Friedhöfen fast ebenso viele Begräbnisstätten unterhält wie die ungleich größeren Städte Hamburg oder Köln.

Andere Kommunen kennen das Problem auch. Der Deutsche Städtetag hatte im Juli gefordert, dass ein größerer Anteil der Kosten, die der Erhalt von Friedhöfen verursacht, aus Steuermitteln finanziert werden sollte. Friedhöfe seien auch Kulturstätten und damit von allgemeinem Interesse.

Für Frankfurt am Main sei ein Konzept unter dem Titel „Friedhof 2020“ erarbeitet worden, das demnächst in den Ortsbeiräten vorgestellt wird, sagt Heldmann. Im südlichen Stadtteil Oberrad etwa solle bald ein Friedwald eröffnet werden, damit Menschen, die auf diese Weise bestattet werden wollen, nicht mehr auf andere Kommunen ausweichen müssen. Beim „Tag des Friedhofs“ am 17. und 18. September bestehe die Gelegenheit, sich über die Pläne genauer zu informieren. Die Trauerhalle in Zeilsheim, versichert Heldmann, müsse aber nicht auf „Friedhof 2020“ warten: „Die Renovierung ist eingeleitet, das Geld ist genehmigt und eingeplant.“

(epd,hau,hv,jlo)
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