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„Cargo City Süd“: Wie Projektentwickler zur Kasse gebeten wurden

Ausdauer brauchte ein hoher Fraport-Mitarbeiter gestern im Korruptionsprozess um die „Cargo City Süd“ : Seine Befragung dauerte rund sieben Stunden.
Ardi Goldman Foto: Bernd Kammerer Ardi Goldman
Frankfurt. 

Das Schlusswort am 16. Verhandlungstag im Korruptionsprozess um die „Cargo City Süd“ hatte Projektentwickler Ardi Goldman: „Ich hoffe damit endgültig meinen Freispruch geregelt zu haben“, flunkerte er in seiner unnachahmlichen Art und Weise.

Kurz zuvor hatte er eine Erklärung verlesen, in der er chronologisch aufgelistet hatte, wann er sich mit wem zu Gesprächen getroffen habe. Seine Schlussfolgerung: Er habe bei der Vergabe des Erbpachtvertrages für ein Grundstück an seine Cargoport-Gesellschaft die Hilfe des damaligen Fraport-Abteilungsleiters Volker A. nicht benötigt. Die Planung für das später realisierte zweistöckiges Logistikcenter, das die Lufthansa Cargo nutzt, habe längst Hand und Fuß gehabt.

In dem Korruptionsprozess mit fünf Angeklagten geht es um Schmiergeldzahlungen, die im Zusammenhang mit der Vergabe von Erbbaugrundstücken auf dem Gelände der „Cargo City Süd“ vereinbart und teilweise auch geleistet worden sein sollen. Außer Goldman, Makler Uwe S. und Volker A. stehen auch der Projektwickler und Franziska-van-Almsick-Lebensgefährte Jürgen Harder und dessen Geschäftspartner Kai B. vor Gericht. Außer Goldman haben alle Angeklagten mittlerweile mehr oder weniger umfassend gestanden.

 

Eindeutiger Auftrag

 

Im Mittelpunkt des gestrigen Verhandlungstages stand die Befragung des Fraport-Generalbevollmächtigten für Verhandlungs- und Vermietungsmanagement, Karl-Heinz D. Dieser hat im Oktober 2004 seinen Posten mit einem eindeutigen Auftrag angetreten: „Meine Aufgabe war es, die Einnahmen zu optimieren.“ Deshalb habe er sich auch das Projektentwicklerentgeld („Developer Fee“) ausgedacht. Dieses sollte zusätzlich zu anderen anfallenden Kosten, etwa dem Erbpachtzins, erhoben werden. Auf diese Art und Weise sollte die Fraport am zu erwartenden Gewinn der Projektentwickler beteiligt werden, erklärte Karl-Heinz D.

Erstmals fällig sollte die „Developer Fee“ bei dem Geschäft mit Goldman werden. Rund eine Million Euro sollte der Projektentwickler überweisen. „Er wehrte sich aber mit Händen und Füßen“, erinnerte sich Karl-Heinz D. an ein Treffen mit Goldman, bei dem das Projektentwicklerentgeld als Eckpunkt festgezurrt werden sollte. Goldman, der als Projektentwickler einen hervorragenden Ruf genieße und über den Tellerrand blicke, habe nicht einsehen wollen, warum er bezahlen sollte, andere zuvor jedoch nicht.

Schließlich willigte er aber doch ein, weil das Geschäft ansonsten wohl nicht zustande gekommen wäre. Ähnlich sah das wohl auch Harder, der die geforderte Summe in Höhe von 700 000 Euro überwies. Erinnerungslücken hatte Karl-Heinz D. allerdings bei der Frage, warum die „Fee“ nicht einfach als Rechnung gestellt, sondern als Provisionsvertrag mit drei Teilbeträgen für Beratungs- und Vermittlungsleistungen „verpackt“ worden sei. Rechtlich sei das nicht möglich gewesen, erklärte er. Mit den Worten „macht es so, dass die Million verlangt werden kann“, habe er die Ausgestaltung des Vertrags weiter delegiert, erklärte er. Auch konnte er nicht eindeutig beantworten, ob und zu welchem Zeitpunkt der Fraport-Vorstand darüber informiert worden sei.

 

Beste Kontakte gehabt

 

Die Befragung des Generalbevollmächtigten zeigte aber, dass Volker A. eine bedeutende Rolle spielte. „Er war das Gesicht der ,Cargo City Süd‘“, erklärte Karl-Heinz D. Volker A. habe beste Kontakte zur Logistikbranche gehabt, sei bei Nutzern der „Cargo City Süd“ anerkannt gewesen und selbstsicher aufgetreten. Er sei für die Vermietung der Flächen verantwortlich gewesen. Auch an der Ausarbeitung von Vorlagen für den Vorstand sei er maßgeblich beteiligt gewesen. Allerdings habe er sich auch Freiheiten herausgenommen, die nicht länger tragbar gewesen seien – sein Führungsverhalten sei beispielsweise extrem schwierig gewesen – deshalb habe man sich dann auch von ihm getrennt.

(bit)
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