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Montags-Interview: Wie Uni-Präsidentin Birgitta Wolff die Goethe-Universität neu positionieren will

Das Wintersemester hat begonnen, und es ist wieder ein Rekordsemester. An der Frankfurt University of Applied Sciences sind es 13 600 Studenten, an der Goethe-Universität mehr als 47 000. FNP-Journalist Thomas J. Schmidt hat mit der Präsidentin der Goethe-Universität, Professorin Birgitta Wolff, über die Hochschule gesprochen.
Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität. Foto: Christian Christes (CHRISTES) Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität.

Im neuen Semester erwartet die Goethe-Universität einen neuen Rekord bei den Studierendenzahlen. Schaffen Sie das?

PROF. BIRGITTA WOLFF: Wir sind in einigen Fachbereichen schon wieder an der Kapazitätsgrenze, aber ja, wir schaffen das. Wir erwarten mehr als 47 000 Studierende in diesem Semester, die Zahl geht also nicht zurück, ganz im Gegenteil, sie wächst noch leicht an. Allerdings hat die Raumsituation sich auf dem Campus Westend entspannt, seit wir im vergangenen Jahr das Seminarhaus in Betrieb genommen haben.

Wie sieht es mit der Betreuungsrelation aus?

WOLFF: Etwas besser, bei den Professuren gibt es eine geringfügige Verbesserung von 1:81 auf 1:80. Wenn man jene Stellen einrechnet, die im sogenannten Mittelbau für die Betreuung der Studierenden vorhanden sind, erreichen wir 1:19. Die Finanzierung zusätzlicher Stellen für die Lehre gelingt jedoch derzeit nur, weil es inzwischen Drittmittel nicht nur für Forschung, sondern auch für Lehre gibt.

Ist das die ideale Finanzierung einer Hochschule?

WOLFF: Sicher ist das kein Idealzustand. Es wäre wesentlich besser, wenn wir mehr Professuren und dauerhafte Dozenturen hätten, die aus Grundmitteln finanziert werden und nicht auf so viele befristete Mittelbau-Stellen zurückgreifen müssten.

Wie viele Professuren haben sie denn?

WOLFF: Knapp 600.

Wenn die Studentenzahl denn doch einmal abnimmt, könnte das Land denn da nicht auch Stellen verschwinden lassen?

WOLFF: Möglich wäre das schon. Aber ein Großteil der Professuren ist glücklicherweise immer noch entfristet, das sind also echte Dauerstellen. Wir versuchen derzeit, keine befristeten Juniorprofessuren mehr auszuschreiben, sondern mehr Qualifikations-Professuren einzurichten, die kein Laufzeitende mehr haben.

Welchen Anteil nehmen die Drittmittel an der Finanzierung der Hochschule ein?

WOLFF: Es sind gemessen am Gesamtbudget von 630 Millionen rund 30 Prozent oder 183 Millionen Euro im Jahr. Zwei Drittel davon sind echte Forschungs-Drittmittel, von denen die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit rund 72 Mio. Euro den Löwenanteil stellt; der Rest sind Spenden oder auch Erlöse aus Auftragsforschung.

Sie sind seit knapp zwei Jahren in Frankfurt, kamen ja aus Magdeburg. Wie gefällt es Ihnen hier?

WOLFF: Frankfurts Charme besteht darin, dass neue Leute die Stadt ständig in Bewegung halten. Ich lebe sehr gern hier und wundere mich zunehmend, warum Frankfurts Image in Deutschland gelegentlich so schlecht dargestellt wird. Wahrscheinlich muss man Frankfurt einfach erleben, um zu spüren, wie es hier wirklich ist!

Sie haben sich vor zwei Jahren viel vorgenommen. Haben Sie schon etwas erreicht?

WOLFF: Unsere Mission ist, die Stiftungsuniversität kooperativ weiterzuentwickeln. Kooperation ist kein Selbstzweck. Es geht auch um gemeinsame Übernahme von Verantwortung aller Universitätsmitglieder für ihre Uni. An der Entwicklung dieser Kultur arbeiten wir gemeinsam weiter. Neben vielen einzelnen mehr oder weniger kleinen Erfolgen freut mich die spürbare Weiterentwicklung der Diskurskultur an der Uni besonders.

Sie haben drei Exzellenzcluster laufen, aber den Titel Exzellenz-Universität haben Sie beim vorigen Mal verpasst. Klappt es diesmal in der Fortschreibung der Exzellenz-Initiative?

WOLFF: Die Goethe-Uni hat im Rahmen der Exzellenzinitiative bisher 180 Millionen Euro zusätzlich eingeworben. Eines ist aber klar: Vergangene Erfolge – auch im Bereich der Cluster – sind keine Freifahrscheine für künftige Erfolge. Wir werden für unseren Erfolg auch künftig hart arbeiten müssen, denn es ist ein völlig offener Wettbewerb. Dabei hängt der Erfolg – wie so oft im Leben – nicht nur von den eigenen Leistungen ab. Wichtig ist, dass es gelingt, die Universität zu kreativer Wissenschaft zu inspirieren und sie auf diesem Weg mitzunehmen – übrigens auch die Kritiker. Wir überlegen uns derzeit sehr genau, mit welchen Ideen und Themen wir antreten.

Über Jahre waren die Campi der Universität Baustellen. Wie geht es denn weiter?

WOLFF: Viele Baugruben sind schon geschlossen, doch wir machen bald wieder neue auf. Der dritte Bauabschnitt hier auf dem Campus Westend hinter dem Seminarhaus startet 2018, dann entstehen das Studierendenhaus und das Gebäude für die Kunst- und Kulturwissenschaften, die jetzt noch in Bockenheim untergebracht sind. Der Neubau der Chemie auf dem Campus Riedberg kann auch bald beginnen, und momentan verhandeln wir mit dem Finanzministerium darüber, ob wir für den Neubau des Fachbereichs Mathematik und Informatik die Bauherrschaft übernehmen können. Das entlastet das Land.

Haben Sie so viel Geld?

WOLFF: Der dritte Bauabschnitt und der Einstieg in den Neubau Chemie werden z.B. noch im Rahmen der Heureka-Bauprogramme realisiert. Aber Sie haben recht mit Ihrer Frage: Bei Mathematik und Informatik müssen wir – wie auch schon beim Neubau des Seminarhauses – auch eigenes Geld in die Hand nehmen.

Welche Summen stehen im Raum?

WOLFF: 50 Millionen kostet der Neubau Mathematik und Informatik, 108 Millionen die ersten beiden Bauabschnitte Chemie auf dem Riedberg, und auf dem Campus Westend schlagen die Häuser für den dritten Bauabschnitt mit 97 Millionen und das Studierendenhaus noch einmal mit knapp 16 Millionen Euro zu Buche. Insgesamt werden also weitere 250 bis 300 Millionen investiert.

Was wird die neue Universität in Frankfurt dann gekostet haben?

WOLFF: Alles in allem etwa zwei Milliarden Euro, allerdings inklusive der Baumaßnahmen der Medizin.

Sie sind ja auch eine Bürgeruniversität im Dienst der Gesellschaft. Das ist relativ neu...

WOLFF: Wirklich? Das ist ja gleichsam der genetische Code der Universität seit der Gründung als Stiftungsuniversität. Heute nennen wir das übrigens „Third Mission“, die dritte Aufgabe ergänzend zu Forschung und Lehre. Da uns interessierte, wie viele Third-Mission-Projekte mit gesellschaftlichem Bezug es schon gibt, haben wir eine interne Umfrage gemacht und 600 bisher schon bestehende Aktivitäten gezählt, die übrigens zum Teil schon bestanden, bevor der Begriff eingeführt wurde.

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