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Frankfurt historisch: Wie die Frankfurter Oper fast gesprengt wurde: „Nur ein bisschen Dynamit“

Von Mit dem Vorschlag, die Oper zu sprengen, wird Rudi Arndt Mitte der 60er zum meistgehassten Mann Frankfurts. Ein paar Jahre später wird er doch noch Oberbürgermeister der Stadt. Wir erzählen, wie es dazu kam.
Ein Bombenangriff im Ersten Weltkrieg beschädigte die Fassade nur leicht, doch den Zweiten Weltkrieg überstand die Alte Oper nicht. Im März 1944, ein knappes Jahr vor Ende des Zweiten Weltkriegs, brannte sie bis auf die Grundmauern ab. Bilder > Foto: Institut für Stadtgeschichte Ein Bombenangriff im Ersten Weltkrieg beschädigte die Fassade nur leicht, doch den Zweiten Weltkrieg überstand die Alte Oper nicht. Im März 1944, ein knappes Jahr vor Ende des Zweiten Weltkriegs, brannte sie bis auf die Grundmauern ab.
Frankfurt. 

Die Alte Oper gehört zu Frankfurt wie der Ebbelwoi: Um so verwunderlicher ist es, dass Rudi Arndt – zu dem Zeitpunkt noch hessischer Wirtschaftsminister – im Jahr 1965 empfahl, die Opernhaus-Ruine zu sprengen und neu aufzubauen. Das empörte die Frankfurter - und doch wurde der SPD-Politiker knapp sechs Jahre nach dieser Äußerung zum Oberbürgermeister der Metropole. Wie kam es dazu?

Im zweiten Weltkrieg fiel auch das Opernhaus, das im Jahr 1880 nach siebenjähriger Bauzeit feierlich eröffnet wurde, dem Fliegerangriff der Alliierten in der Nacht zum 23. März 1944 auf Frankfurt zum Opfer. Nach dem Krieg stand zunächst ein Abriss der Ruine zur Debatte, doch die Bürgerinitiative „Rettet das Opernhaus“ setzte sich erfolgreich dagegen ein. 1954 gab der Magistrat die Zustimmung zur Erhaltung des Gebäudes. Bald liefen die ersten Spendengelder auf den Konten der Initiative ein, deren Ziel fortan der Wiederaufbau der Oper war.

Im Jahr 1966 werben Bürger für den Wiederaufbau der zerbombten Oper. Bild-Zoom Foto: Archiv
Im Jahr 1966 werben Bürger für den Wiederaufbau der zerbombten Oper.

Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg. Die Oper stand über Jahre hinweg als Ruine im Herzen der Stadt. Das kulturelle Programm wurde provisorisch in die Städtischen Bühnen verlegt. Immer wieder war der Wiederaufbau des Opernhauses Thema in der Politik, lange Zeit geschah nichts.

Bis Rudi Arndt mit einem Vorschlag vorpreschte, der die Frankfurter zutiefst spaltete. Und ihm den Spitznamen "Dynamit-Rudi" einbrachte.

„Wenn Sie die Ruine nicht wiederaufbauen, sondern sie sprengen oder abreißen, um einen vollkommen neuen Konzertsaal aufzubauen, dann werde ich bei der Landesregierung dafür plädieren, dass hierfür eine Million Mark zur Verfügung gestellt wird“, erklärte Arndt - damals hessischer Wirtschaftsminister - 1965 im Club Voltaire.

Sein Vorschlag sorgte für Empörung. Die Oper sprengen? Unerhört! Arndts Idee ließ keinen kalt. Die Einen wollten das Dynamit am Liebsten unter dem Schreibtisch des Wirtschaftsministers sehen; die Anderen pflichteten ihm bei.

Man könnte Arndt unterstellen, dass er sein Ziel erreicht hat: provozieren, und die verschlafene Debatte ums Opernhaus neu beleben. Die "Aktionsgemeinschaft Opernhaus", im Jahr 1964 von Fritz Dietz, Präsident der Industrie- und Handelskammer, gegründet, rief zu Spenden für den Wiederaufbau auf - und die Frankfurter Bürger griffen tief in ihre Geldbörsen.

Bilderstrecke Alte Oper: Auferstanden aus Schutt und Asche
Am 20. Oktober 1880 wurde in Frankfurt gefeiert: Die Stadt am Main bekam nach siebenjähriger Bauzeit ein eigenes Opernhaus. So malte Lorenz Ritter 1881 das damals junge Frankfurter Wahrzeichen. Unsere Bilderstrecke zeigt die Alte Oper im Wandel der Zeit.Auch bei der Gestaltung des Foyers geizten die Architekten Richard Lucae, Albrecht Becker und Edgar Giesenberg nicht.Ein Bombenangriff im Ersten Weltkrieg beschädigte die Fassade nur leicht, doch den Zweiten Weltkrieg überstand die Alte Oper nicht. Im März 1944, ein knappes Jahr vor Ende des Zweiten Weltkriegs, brannte sie bis auf die Grundmauern ab.

Derweil versuchte Rudi Arndt - auf der Gasse nur noch als "Dynamit-Rudi" bekannt -, seinen lädierten Ruf wiederherzustellen: „Es geht mir nicht darum, „das Ding“ unter allen Umständen zu sprengen", stellte er klar. "Ich halte es für besser und finanziell tragbar, etwas Neues an die Stelle der Opernhausruine zu setzen. Keine verantwortungsbewusste Verwaltung kann hohe Millionenbeträge für ein noch so förderungswürdiges Projekt ausgeben, wenn sie damit die öffentlichen Finanzen und schließlich das Portemonnaie jedes einzelnen Bürgers gefährdet.“

Arndts Erklärung wurde in allen Frankfurter Zeitungen veröffentlicht - und, das unterstellen wir mal, auch vielfach gelesen. Seinen Spitznamen hatte er trotzdem weg. Bis zu seinem Tod im März 2004 blieb Arndt in Frankfurt als "Dynamit-Rudi" bekannt.

Nach dem Aufruhr um die Sprengung wurde es zunächst still um Rudi Arndt und die Alte Oper, doch die Geschichte der Frankfurter und des gebürtigen Wiesbadeners war noch nicht vorbei: Im Mai 1970 schlug der damalige Bundeskanzler Willy Brandt den SPD-Mann als neuen Frankfurter Oberbürgermeister vor, doch Arndt verweigerte mit dem Hinweis, dass sein Parteikollege Walter Möller bereits als Kandidat aufgestellt worden sei.

Rudi Arndt im Jahr 1972 bei seiner Amtseinführung als Frankfurter Oberbürgermeister. Bild-Zoom Foto: Archiv
Rudi Arndt im Jahr 1972 bei seiner Amtseinführung als Frankfurter Oberbürgermeister.

Möller wurde schließlich Oberbürgermeister der Stadt am Main, doch seine Amtszeit sollte kürzer dauern als geplant. Nach mehreren Herzinfarkten und Krankheit starb der Oberbürgermeister Möller am 6. Dezember 1971. Bereits zehn Tage danach wurde Rudi Arndt als Nachfolger bestimmt. Er wehrte sich zwar, doch als Berufspolitiker hatte er dem Auftrag zu folgen. Am 6. April 1972 trat er schließlich sein Amt an, das er bis 1977 ausübte.

Im Jahr seines Amtsantritts taufte er das 14. im Frankfurter Zoo geborene Flusspferd auf den Namen „Dynamit“. Damit bewies der frischgebackene Oberbürgermeister Humor. Zunächst wurde das kleine Flusspferd in den Zoo nach Gelsenkirchen abgegeben, am 3. Mai 1973 zog der Nilpferd-Bulle in den Tierpark Thoiry bei Paris um, wo er 39 Jahre und 10 Monate lebte.

Gerüste stehen an der Alten Oper während des Wiederaufbaus im Jahr 1969. Bild-Zoom Foto: Archiv
Gerüste stehen an der Alten Oper während des Wiederaufbaus im Jahr 1969.

Der Kampf um die Ruine der Alten Oper ging über die Jahre immer weiter, auch wenn er zunächst aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwand. Dann im Mai 1976 beschloss die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung schließlich das Gebäude wieder aufzubauen. Die Kosten wurden auf 148,5 Millionen DM festgelegt. Zehn Prozent – das heißt knapp 15 Millionen DM – konnte die „Aktionsgemeinschaft Opernhaus“ in Form von gesammelten Spenden beisteuern.

Die Frankfurter und schließlich auch Rudi Arndt retteten in Zusammenarbeit das Opernhaus. Es wurde am 28. August 1981 mit einem Festakt wieder eröffnet.

Vor 2500 geladenen Gästen wird die Alte Oper als Konzert- und Kongresszentrum eröffnet. Sie hat 188 Millionen DM gekostet und zählt bis heute zu den schönsten Opernhäusern Deutschlands.

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