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Flüchtlingshilfe: Wie die Mentorin zur Freundin wurde

Was geschieht, wenn sich Ehrenamtliche um Flüchtlinge kümmern, zeigen am heutigen Montag (13. November) drei Kurzfilme über das Mentoren-Projekt „Socius“ des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt.
Sind inzwischen eng befreundet: Mentorin Sina Tamar Arndt (links) und Luwam aus Eritrea. Foto: Heike Lyding Sind inzwischen eng befreundet: Mentorin Sina Tamar Arndt (links) und Luwam aus Eritrea.
Frankfurt. 

Sie ist ganz alleine aus Eritrea geflüchtet. Vor zwei Jahren und vier Monaten kam Luwam (25) in Frankfurt an. „Es gibt dort keine Freiheit“, sagt sie sanft über ihre Heimat. Eineinhalb Jahre lang hatte sie ohne Lohn im Sekretariat beim Militär gearbeitet. Ihre Familie hat sie mit durchgebracht, bis sie drei Tage lang zu Fuß gelaufen ist, um in den Sudan zu kommen.

Von dort aus flüchtete sie weiter. Mit weiteren 180 Menschen verbrachte sie acht Tage und Nächte in einem Lastwagen, der durch die Wüste nach Libyen fuhr. Sie mussten stehen, es gab keine Sitzplätze. „Es war so eng, dass wir uns nicht bewegen konnten. Es gab nichts zu Essen. Getrunken haben wir ein bisschen Kühlwasser. Zum Glück gab es keinen Unfall“, sagt sie nachdenklich. Von Libyen aus ging ihre Flucht weiter in einem kleinen Boot, 24 Stunden lang mit 300 weiteren Flüchtlingen auf dem Meer.

Am Ende ihrer Kräfte

„Es gab da etwas Schokolade und eine Flasche Wasser für jeden“, berichtet die schlanke junge Frau mit hellwachen braunen Augen. Sie hatte den Schleppern umgerechnet 3500 Euro bezahlt. Das Geld für ihre Flucht hatten ihr Bekannte in Eritrea gegeben.

Die tatsächliche Rettung auf See kam durch ein Großboot aus Italien. Alle Menschen, die mit ihr flüchteten, waren abgemagert, am Ende ihrer Kräfte. Luwam hebt den rechten kleinen Finger. „So dünn war ich.“ Von Italien aus fuhr sie mit dem Zug nach Gießen, von dort nach Frankfurt. Hier lebt sie nun mit 80 weiteren Flüchtlingen zusammen, 20 Leute teilen sich je eine Küche. Sie wollte unbedingt Deutsch lernen. „Das ist schwer, wenn alle im Haus ihre Muttersprache sprechen“, erklärt sie in fließendem Deutsch.

Nach einem halben Jahr wurde ihr ein Sprachkurs vermittelt. Dann hörte sie durch Zufall von dem Projekt „Socius“, einem Mentoren-Projekt des Evangelischen Regionalverbandes, und im September 2016 hatte sie schließlich Sina Tamar Arndt (26) an ihrer Seite, die damals als ehrenamtliche Mentorin begonnen hatte. Die Studentin der Ethnologie und Kulturwissenschaften unterstützt seither die junge Eritreerin. Die beiden Frauen sind längst eng miteinander befreundet,

Arndt hat gerade ihren Bachelor gemacht. Gemeinsam sind sie in die Bibliothek gegangen, haben Deutsch geübt, waren beim Jobcenter und auf der Suche nach Praktika im Einzelhandel für die ehrgeizige und wissbegierige Luwam. „Wir reden viel, erkunden Frankfurt, gehen oft spazieren oder Kaffee trinken. Viel Hilfe braucht Luwam jetzt nicht mehr“, so Arndt. „Sie hat seit Oktober ein Angebot für ein Jahrespraktikum in einem Reformhaus in Bockenheim. Die Arbeitsagentur und das Jobcenter verzögern es im Moment leider“, sagt sie, zeigt sich trotzdem zuversichtlich.

180 Ehrenamtliche

Luwam strahlt. „Ich möchte dort so gerne arbeiten, mit Menschen umgehen und lernen. Hoffentlich bald, ich will nicht, dass das Reformhaus noch lange warten muss.“ Seit 2012 gibt es das Projekt „Socius“, rund 180 Ehrenamtliche zwischen 22 und 75 Jahren sind seither zu Mentoren ausgebildet worden. Momentan gibt es etwa 100 Tandems aus Mentor und Flüchtling.

Luwam und Arndt sowie zwei weitere Flüchtlinge mit ihren Mentoren haben für die Interkulturellen Wochen je einen Kurzfilm mit dem Titel „Integration – der Weg ist das Ziel“ produziert: Darin berichten die drei „Socius“-Tandems über ihre Erlebnisse, ihre Erfolge, Hürden und Hindernisse beim gemeinsamen Integrationsprozess. Die Filme werden heute (13. November) um 19 Uhr im Evangelischen Zentrum in der Reichneigrabenstraße 10 gezeigt. Der Eintritt ist frei. Anschließend können die Zuschauer mit Darstellern und Mitarbeitern über die Filme diskutieren.

Infos über das Projekt

Informationen über das Mentoren-Programm „Socius“ vom Evangelischen Regionalverband Frankfurt und über die ehrenamtliche Teilnahme bei der Begleitung von Flüchtlingen ab 2018 für Interessierte gibt es im Internet: www.frankfurt-evangelisch.de.

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