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Vom Sprayer bis zum Schülervertreter: Wie engagieren sich junge Frankfurter?

Die einen engagieren sich im Stadtschülerrat, die anderen hängen im Park ab: Frankfurter Jugendliche nehmen auf unterschiedliche Weise am gesellschaftlichen Leben teil. Warum das so ist und was die Stadt für junge Menschen tun sollte, haben jetzt Wissenschaftler der Goethe-Universität erarbeitet.
Eine Fallstudie der Frankfurter Goethe Universität offenbart: Jugendpartizipation in der Mainmetropole kann auch das Abhängen am Flussufer sein. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Eine Fallstudie der Frankfurter Goethe Universität offenbart: Jugendpartizipation in der Mainmetropole kann auch das Abhängen am Flussufer sein.
Frankfurt. 

Shoaib lebt seit vier Jahren in Deutschland. In seiner Freizeit trainiert der junge Flüchtling Capoeira, eine brasilianische Kampfkunst. Im Sommer draußen, im Winter muss er pausieren. Unfreiwillig. „Wir haben keine Matten, um drinnen zu trainieren“, sagt er. Sein Kumpel Shahid boxt regelmäßig, kann sich das Training aber nicht mehr leisten. „Ich will weiter boxen, aber es kostet einfach zu viel“, sagt der junge Mann. Beide wünschen sich deshalb Räume, die sie nutzen könnten. „Wir wollen uns weiterentwickeln.“

Mit ihrem Wunsch stehen Shahid und Shoaib nicht allein da. Das zeigt nun auch eine aktuelle Fallstudie der Goethe-Universität Frankfurt. Jugendliche in Frankfurt suchten ständig nach Räumen – in Parks, Jugendhäusern, Einkaufszentren–, die sie ihren Bedürfnissen entsprechend nutzen und gestalten könnten. Und das nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in den Stadtteilen, sagt Professor Andreas Walther von der Goethe-Uni.

Viele Experteninterviews

Walther und seine Kollegen Jessica Lütgens, Yagmur Megilli, Stephanie Gawlik, Dr. Axel Pohl, Professor Larissa von Schwanenflügel haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren für das EU-Projekt „Partispace“ zum Thema „Jugendpartizipation in Frankfurt“ geforscht. Dafür haben sie 20 Experteninterviews sowie zwölf Gruppendiskussionen mit Jugendlichen in Schulen und Jugendzentren geführt, um herauszufinden, wie und woran sich diese beteiligen.

Zur Teilhabe erziehen

Darüber hinaus haben die Forscher Räume und Formen der Partizipation genauer untersucht – angefangen beim Jugendhaus, über die Schülervertretung bis hin zu einer Gemeinschaft junger Sprayer, den „Hoodboys“. „Es partizipieren eben nicht nur die Braven“, sagt Walther.

Wie die Fallstudie zeigt, meiden die meisten Jugendlichen das Engagement in Gremien und Organisationen. Zu hochschwellig seien diese Angebote, sagt Walter. Sie hingen lieber im Park ab, tränken und kifften. Das seien auch Formen der Alltagspartizipation, sagen die Wissenschaftler. Allerdings solche, die von Erwachsenen meist nicht respektiert oder toleriert werden. „In Frankfurt herrscht die Haltung, Jugendliche zu richtiger Partizipation erziehen zu müssen“, sagt Walther und hält das durchaus für problematisch.

Deshalb haben er und seine Kolleginnen nun auch erarbeitet, was die Stadt für ihre Jugend tun sollte. Dazu gehört zunächst einmal, eine kommunale Charta der Jugendrechte zu verabschieden. Denn: Jeder Jugendliche müsse das Recht haben, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen und sichtbar zu werden, sagt Walther. Das betreffe den Schülervertreter ebenso wie den Graffitisprayer. Walther fordert zudem, dass Jugendliche früher wählen gehen sollten. Zumindest auf kommunaler Ebene.

Sorgen machen sich die Wissenschaftler um die Jugendarbeit. Der Grund: Die Ausgaben für eben diese seien gedeckelt. Wenn die Lohnkosten weiter stiegen, müssten Stellen abgebaut und Öffnungszeiten weiter eingeschränkt werden. Das widerspreche den Qualitätskriterien, die sich die Stadt selbst auferlegt hat, sagt Walther. Das sieht Jens-Noel Offen vom Jugend- und Frankfurter Sozialamt anders. „Die Finanzmittel sind stabil geblieben. Die Jugendarbeit ist nicht in Gefahr.“ Nichtsdestotrotz wolle er die Ergebnisse der Fallstudie und Forderungen nun in die Politik tragen. „Wir müsse prüfen, was realistisch ist“, sagt er. Eine Charta der Jugendrechte sei vorstellbar, sagt er.

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