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Interview: Wie geht es mit dem Höchster Schloss weiter?

Um das Höchster Schloss hat es zuletzt einigen Wirbel gegeben. Grundlos, sagt Dr. Steffen Skudelny, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die Eigentümer des Alten und des Neuen Schlosses ist. Wie es mit den historischen Gebäuden weitergeht, welche künftige Nutzung dort möglich ist und was Höchst so liebenswert macht, darüber hat sich Lokalchefin Stefanie Liedtke mit dem Schlossherrn unterhalten.
Das Alte Höchster Schloss war im Mittelalter eine Zollburg des Mainzer Erzbischofs, der den Warenverkehr zur Reichsstadt Frankfurt auf dem Main besteuerte. Die Frankfurter ließen das Städtchen Höchst deshalb im Jahr 1396 von Kronberger Rittern im Handstreich zerstören. Foto: (115086082) Das Alte Höchster Schloss war im Mittelalter eine Zollburg des Mainzer Erzbischofs, der den Warenverkehr zur Reichsstadt Frankfurt auf dem Main besteuerte. Die Frankfurter ließen das Städtchen Höchst deshalb im Jahr 1396 von Kronberger Rittern im Handstreich zerstören.
Höchst. 

Haben Sie eigentlich ein Lieblingsdenkmal?

STEFFEN SKUDELNY: Jedes Jahr mindestens ein neues. Ich schätze Denkmale, die authentisch sind, die sehr ursprünglich geblieben sind und die gut und einfach erlebbar sind für Menschen. Manchmal ist das eine Dorfkirche mit einer schönen Sakristei-Ausstattung. Manchmal ein Schloss, in dem eine bauliche Situation ungewöhnlich gelöst ist und die viel zeigt von den Menschen, die dort gelebt haben. So was macht mir am meisten Freude.

Was schätzen Sie am Alten Höchster Schloss?

<span></span> Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA

SKUDELNY: Das Alte Höchster Schloss hat eine starke Wirkung als Kulisse für die Stadt. Es hat fast ein wenig von einer Stadtkrone. Ich mag diese etwas pittoreske Kulisse mit dem übergroßen Turm, mit dem schönen Durchfahrtsgebäude in einer hochqualitativen Renaissance-Architektur und den barock anmutenden Anbau. Dieses zusammengewachsene Ensemble, das gefällt mir sehr, sehr gut.

Zuletzt gab es einige Aufregung um das Schloss. War Ihnen bewusst, wie wichtig den Höchstern ihr Schloss ist und wie emotional besetzt dieses Thema dort ist?

SKUDELNY: Ja, das war mir schon ein Stück weit bewusst. Ich glaube, die Aufregung hat auch viel mit einem Missverständnis zu tun. Da sind zwei Sachverhalte für meine Begriffe vermengt worden.

Bald ausgesperrt aus dem Alten Schloss? Dr. Steffen Skudelny, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, sagt: „Wir müssen prüfen, wie viel Öffentlichkeit ein Denkmal verträgt.“
Leerstand droht Wird das Höchster Schloss bald zugesperrt?

Nach zehn Jahren hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Betreibern von Schlosscafé und Gewölbekeller gekündigt und fordert Umlagen in Höhe von fast 50 000 Euro nach.

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Welche denn?

SKUDELNY: Die Öffentlichkeit und wir als Eigentümer des Schlosses haben zunächst mal das gleiche Ziel. Wir wollen ein wundervolles Denkmal bewahren, erhalten und erlebbar machen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat über viele Jahre große Summen Geld in die Höchster Schlösser gesteckt, vor allem in die Schlossterrasse und die Burggräben, die ja das Besondere dort sind. Wir haben nie die Absicht gehabt und das auch nie formuliert, dass dort eine Einschränkung der Zugänglichkeit erfolgen soll.

Woher das Geld kommt, wohin es fließt

Trotzdem befürchten viele Höchster, Sie könnten ihnen ihr Schloss vorenthalten wollen. . .

SKUDELNY: Es gibt überhaupt keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass wir das Schloss öffentlich zugänglich erhalten wollen. Ein Beispiel: Wir investieren gerade 150 000 Euro in die Erhaltung der Burggrabenmauern. Wenn wir die Absicht hätten, dort niemanden mehr hinzulassen, würden wir das nicht tun. Das Geschäftsverhältnis zu einem spezifischen Mieter hat mit der Zugänglichkeit der Schlossterrasse nichts zu tun. Das darf nicht vermengt werden mit der Frage, ob die Schlossterrasse zugänglich ist oder nicht.

Können Sie die Sorge der Höchster denn verstehen? Immerhin können sie ja auch die Schlossterrasse nicht mehr so nutzen wie früher. . .

SKUDELNY: Das Abhalten von Großveranstaltungen ist dort tatsächlich ein Problem, weil ein zweiter Fluchtweg fehlt. Deshalb mussten wir das unterbrechen. Da gibt es aber eine sehr gute und konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt, die uns unterstützt, ein Konzept zu erarbeiten, und hoffentlich später auch dabei, das Konzept umzusetzen. Das wird relativ aufwendig sein, aber wir tun alles dafür, damit Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt, Musik- und Kinoveranstaltungen wieder möglich sind.

Das heißt, Sie gehen davon aus, dass Sie mittelfristig die Schlossterrasse wieder für Großveranstaltungen werden öffnen können?

SKUDELNY: Wir gehen davon aus, dass sich die Fluchtwegproblematik regeln lässt.

Der jüngste Konflikt um eine mögliche Schließung des Schlosses war der Gipfel einer bereits länger schwelenden Diskussion. Fühlen Sie sich missverstanden?

SKUDELNY: Sagen wir mal so: Viele haben sehr viel Meinung, kennen aber die Grundlagen nicht. Wir befinden uns hier in einem hochkomplexen Denkmalbestand. Der gehört einer privaten Stiftung. Wenn ich überlege, wie viel Aufwand, Mühe und Geld man in die Hand nimmt, um das für die Bevölkerung erlebbar zu machen, macht es mich schon ein bisschen traurig zu sehen, wie schnell kleine Dinge, die vielleicht nicht so laufen, wie wir uns das gemeinsam vorstellen, zu großem Kummer führen. Das halte ich nicht für nötig und auch nicht unbedingt für verhältnismäßig. Auf der anderen Seite glaube ich aber auch, dass das alles für jemanden, der von außen draufblickt, schwer zu verstehen ist.

Weshalb?

SKUDELNY: Nehmen wir das Fluchtwegekonzept – da müsste man jetzt erst mal die ganze Gesetzeslage vortragen. Dann müsste man sagen: ,Wir als Vorstand haften persönlich mit unserem Vermögen, wenn jemandem dort etwas passiert.‘ Und: Wir befinden uns in einem geschützten Denkmalbestand. Da kann ich nicht sagen, ich schneide mal eben eine Bresche in die Mauer, und dann habe ich einen tollen Fluchtweg.

Es gibt Denkmäler und Denkmäler. Das Alte Höchster Schloss ist für die Höchster so identitätsstiftend, dass es mit vielen Emotionen verbunden ist. Erleben Sie die Höchster als besonders leidenschaftlich?

SKUDELNY: Ja, zum Glück. Das ist ja unser Ziel. Wir wollen, dass Menschen ihre Denkmale schätzen und sich dafür engagieren. Neben dem Meinungsengagement ist es natürlich immer schön, wenn Menschen sich durch Ehrenamt oder durch finanzielle Beiträge engagieren.

Sie befinden sich im permanenten Spagat zwischen dem Bewahren des Denkmals und dem Erlebbarmachen für die Öffentlichkeit. Wie gehen Sie damit um?

SKUDELNY: Das kommt darauf an. Im Alten Schloss etwa war schon immer ein kleines Museum untergebracht. Das haben wir neu hergerichtet und zeigen dort wechselnde Ausstellungen. In einem nichtöffentlichen Teil waren Büros untergebracht. Dieser Teil ist baulich so verändert, dass er nicht so von Interesse ist. Da ist eher die Kulisse des Schlosses interessant. Deshalb haben wir uns darauf konzentriert, Schlossgraben und Schlossterrasse herzurichten, damit die Menschen das Schloss erleben können.

Und wie ist es beim Neuen Schloss?

SKUDELNY: Beim Neuen Schloss ist die Situation ganz anders. Dieses war nie öffentlich zugänglich, sondern erst ein Sitzungs- und Gästehaus der Hoechst AG. Danach haben wir es vermietet für Konferenzen und geschlossene Veranstaltungen. Leider ist es unheimlich schwierig, dort zu vertretbaren Kosten eine Nutzung zu etablieren, die die technischen Erfordernisse, insbesondere Brandschutzauflagen, der heutigen Zeit erfüllt. Da sind wir schon seit längerer Zeit im Gespräch mit einem Architekten, der eine Machbarkeitsstudie anfertigt.

Was könnten Sie sich dort vorstellen?

SKUDELNY: Dort Veranstaltungen stattfinden zu lassen, ist eine Überlegung, aber das ist brandschutztechnisch sehr anspruchsvoll. Die Alternative wäre, für Besucher das Foyer zu öffnen, wo es dann eine kleine Ausstellung gibt, etwa zur Geschichte des Schlosses. Die übrigen Bereiche könnte man vermieten für eine Nutzung, die erst mal nicht weiter öffentlich sein muss.

Warum dauert so was denn so lange? Sie haben doch auch Unterhaltungskosten und insofern ein Interesse daran, dass das Schloss nicht leersteht. . .

SKUDELNY: Das mag von außen so wirken. Aber das Stillstandsmanagement ist für so ein Objekt denkmalpflegerisch erst mal sehr gut, weil wir alles bewahren, was da ist und Schaden davon abhalten. Eine Nutzung in so ein Objekt hineinzubringen, ist mit hohen Kosten verbunden. Ist darüber hinaus eine öffentliche Sichtbarkeit erwünscht, wird es noch aufwendiger. Da muss man sehr gut abwägen, wie man das ins Gleichgewicht bekommt. So ein Denkmal ist viele Jahrhunderte alt, wenn man zu schnell Entscheidungen trifft, entsteht oft ein Schaden in der Konsequenz. Das wollen wir vermeiden.

Blicken wir in die Zukunft: Wo sehen Sie die beiden Höchster Schlösser in fünf Jahren?

SKUDELNY: Die Antwort auf diese Frage würde ich gerne in drei Teile teilen. Da ist erstens die Kontinuität der Nutzung der Schlossterrasse, des Burggrabens und nach Möglichkeit auch des Gartens hinter dem Neuen Schloss, den wir ja so angelegt haben, dass dies ein Ensemble bildet.

Zweitens?

SKUDELNY: Für das Alte Schloss würde ich mir wünschen, dass es weiter gelingt, durch spannende Ausstellungen Menschen anzuziehen. Für die übrigen Bereiche des Schlosses hoffe ich, dass wir eine denkmalgeeignete Nutzung für die Büroräume finden.

Und drittens?

SKUDELNY: Im Neuen Schloss hoffe ich, dass es gelingt, eine Kombination zu finden aus einer Sichtbarmachung seiner spannenden Entwicklungsgeschichte und einer denkmalschonenden Nutzung, die ich aber im Moment noch nicht genau benennen kann.

Könnten Sie sich dort Gastronomie vorstellen?

SKUDELNY: Grundsätzlich schon, aber Gastronomie hat bezüglich der Profiküchen sehr hohe Auflagen. Da müssten wir erstmal einen Betreiber finden, der zu so einer Investition bereit ist. Aber es wäre natürlich schön, wenn man dort im Garten sitzen und ein gutes Essen genießen könnte.

Gibt es eigentlich noch einen Ort, den Sie in Höchst gerne mögen – außer Ihren eigenen?

SKUDELNY: Ich mag sehr gern die Struktur der Altstadt. Diese Verdichtung von Bebauung, die oft ein bisschen kleiner ist, finde ich sehr sympathisch. Wenn man vom Schloss aus durch die Altstadt promeniert, mit all den kleinen Gassen und Winkeln und sehr intimen Denkmalsituationen, das gefällt mir schon sehr gut.

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