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Debatte: Wie nah darf der Strommast am Wohnhaus sein?

Von In der Debatte um den Abstand zwischen Wohnhäusern und Stromtrassen plädiert ein Fachmann für eine Prüfung im Einzelfall. Damit stärkt er Planungsdezernent Mike Josef (SPD) den Rücken, der pauschale Regelungen ablehnt. Für den Stadtteil an der A 5 wird’s dennoch eng.
Wie stark sind die Magnetfelder auf dem Riedberg? Die Grenzwerte werden jedenfalls eingehalten. Klar ist aber auch: Hier in der Ricky-Adler-Straße dürfte der Abstand zur Stromtrasse weniger als 400 Meter betragen. Das Land Hessen will das künftig vermeiden. Foto: Leonhard Hamerski Wie stark sind die Magnetfelder auf dem Riedberg? Die Grenzwerte werden jedenfalls eingehalten. Klar ist aber auch: Hier in der Ricky-Adler-Straße dürfte der Abstand zur Stromtrasse weniger als 400 Meter betragen. Das Land Hessen will das künftig vermeiden.
Frankfurt. 

In der Mainmetropole fehlen Wohnungen. Neue Baugebiete auszuweisen, ist schwierig. Im Süden, in Oberrad beispielsweise, ist Siedlungsbeschränkungsgebiet wegen des Flughafens. Im Westen im Silogebiet in Unterliederbach herrschen aufgrund der rund um den Höchster Industriepark geltenden Seveso-Richtlinie ebenfalls Einschränkungen. Werden nun auch noch mögliche Baugebiete durch das vom Grünen-Politiker Tarek-Al-Wazir geführte Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung weiter beschnitten?

Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) kritisierte die vorgesehene Abstandsregelung von 400 Meter zu Stromtrassen. Das trug ihm sogar den Vorwurf der Grünen ein, er missachte die Gesundheit der Menschen.

Fakt ist, dass die von Stromtrassen ausgehenden Magnetfelder durchaus gesundheitsschädlich sein können. Deren Stärke wird in Nano-Tesla gemessen, weiß der Diplomingenieur und Bauträger Udo Stützer. Gemäß einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO erhöht sich ab einem Wert von 200 Nano-Tesla das Krebsrisiko für Kinder. Deshalb, so Stützer, halten in den USA Schulen und Kindergärten zu Stromtrassen 400 Meter Abstand. Was in einem dünn besiedelten Land möglicherweise leichter umzusetzen ist als im dicht bebauten Rhein-Main-Gebiet.

Magnetfelder messen

Solch eine pauschale Regelung hält der Maschinenbauingenieur für unnötig. Denn wie immer im Leben komme es auf den Einzelfall an. Der Investor nennt ein Beispiel. Er habe im Großraum Nürnberg kürzlich ein Grundstück erworben, das nur 17 bis 22 Meter von einer 110 Kilovolt-Leitung entfernt ist. Um zu ermitteln, ob dort gebaut werden kann, beauftragte Stützer einen Gutachter für eine 24-Stunden Langzeitmessung. Das Ergebnis: Dort, wo die Schlafzimmer geplant sind, wurde ein Magnetfeld in einer Stärke von gerade einmal 40 Nano-Tesla gemessen, also weit unter dem WHO-Grenzwert.

Deshalb empfiehlt auch ein bayerischer Baurechtsexperte, die Genehmigung von Wohnbauten von der tatsächlich gemessenen Stärke des Magnetfeldes abhängig zu machen. Die bayerische Bauordnung schreibt keine Abstände zu Stromtrassen vor. Es heißt allgemein, „dass gesunde Wohnverhältnisse zu herrschen haben“. Die Stärke des Magnetfeldes hänge zudem stark von der Topographie ab, sagt der Baurechtsexperte. Nur wenige Meter könnten sehr viel ausmachen und Werte deutlich senken.

Die von Wirtschaftsminister Al-Wazir vorgelegte neue Landesentwicklungsplan für Hessen, den der Landtag in der vergangenen Woche zur Kenntnis genommen hat, würde für das Baugebiet an der A 5 bedeuten, dass von den bis zu 12 000 dort geplanten Wohnungen 6750 wegen der neuen Abstandsflächen nicht mehr gebaut werden könnten. Denn an der A 5 gibt es zwei Stromtrassen. Die eine wird schon heute mit 380 Kilovolt betrieben, bei der anderen soll die Spannung von 110 auf 380 Kilovolt erhöht werden.

Gesundheit im Blick

In solch einem Fall ist Diplomingenieur Stützer der Meinung, dass der Abstand von 400 Metern berechtigt wäre, „wenn es sich um eine 380 Kilovolt-Leitung mit zwölf Kabeln und maximaler Amperezahl handelt“. Dann sei das Magnetfeld besonders stark. Im bisherigen Entwurf des Landesentwicklungsplans wird jedoch nach Angaben des Ministeriumssprechers Marco Kreuter nicht nach der Stärke der Stromleitungen unterschieden. Im Klartext: Auch auf schwächere Leitungen soll 400 Meter Abstand gehalten werden. Josef fürchtet diese Neuregelung „wegen der grundsätzlichen Beschneidung der kommunalen Planungshoheit durch das Land“, wie sein Sprecher Mark Gellert betonte. Josef plädiere dafür, den Kommunen weiterhin einen Ermessensspielraum zu lassen, um die Auswirkungen im Einzelfall durch Gutachten zu prüfen. Damit habe die Stadt beispielsweise am Riedberg gute Erfahrungen gemacht, sagte Gellert. Heiko Kasseckert, planungspolitischer Sprecher der Landtags-CDU, verteidigte hingegen die Abstandsregelung. „Dabei steht die Gesundheit beim dauerhaften Aufenthalt im Vordergrund der Überlegung“, sagte er. Die SPD hingegen lehnt den Plan als „Dokument des Stillstands“ ab.

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