Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Frankfurter Buchmesse: Wie viel Frankreich steckt eigentlich in Frankfurt?

Die Zeichen stehen auf bleu, blanc, rouge in der Stadt – die Farben des Gastlandes der Frankfurter Buchmesse. Aber nicht nur zu Zeiten der Buchmesse gehören Crêpes, Baguettes und Baccalauréat zum Leben am Main. Wir haben uns gefragt: Wie viel Frankreich steckt eigentlich in Frankfurt?
Im Restaurant „Français“ im Hotel Steigenberger Hof bietet Sternekoch Patrick Bittner Spitzenküche aus dem diesjährigen Partnerland der Buchmesse an. Foto: Rainer Rüffer Foto: Rainer Rüffer Im Restaurant „Français“ im Hotel Steigenberger Hof bietet Sternekoch Patrick Bittner Spitzenküche aus dem diesjährigen Partnerland der Buchmesse an. Foto: Rainer Rüffer
Frankfurt. 

Leben wie Gott in Frankreich – der Ausspruch wir häufig mit exquisiter Küche in Verbindung gebracht. Wer in Frankfurt kulinarische Genüsse aus Frankreich genießen möchte, wird inmitten der Innenstadt fündig, direkt neben dem Willy-Brandt-Platz. Dort, im „Français“, bietet das Team um Sternekoch Patrick Bittner Haute Cuisine und eine Weinkarte mit 500 edlen Tropfen. Pünktlich zur Buchmesse mit dem Gastland Frankreich hat das Restaurant den Betriebsurlaub beendet. Befragt man die gängigen Internetportale nach französischer Gastronomie in Frankfurt, werden rund 50 Suchergebnisse serviert – vom „Jasper’s“ in Sachsenhausen über den Elsässer „Knoblauch“ im Westend bis hin zum „Maison du Pain“. Na dann: Guten Appetit.

Frankophonie allerorts

Appetit will Susanne Müller in einer Neuauflage ihres gleichnamigen Buches auf Frankreich und die Frankophonie in Frankfurt machen. Müller versteht sich als Brückenbauerin zwischen den Kulturen; sie hat sogar einen eigenen Verlag gegründet, in dem bereits „sechs Bände von der Internationalität Frankfurts zeugen“, wie sie sagt. Müller widmet sich in ihrem zweisprachigen Werk der französischen Gastronomie, Kultur, Sport, Kirchen und Medien.

Spuren von Frankreich in Frankfurt gibt es viele: Das Romanische Institut der Goethe-Universität lehrt alle Variationen der französischen Sprache. Im Rahmen der Erasmus-Programme für Studierende pflegt sie Partnerschaften mit sechs französischen Universitäten. 14 Länder, in denen französisch gesprochen wird, sind am Main mit diplomatischen Vertretungen präsent. Auch die Deutsch-Französische Gesellschaft gibt es in Frankfurt. Der Verein versteht sich als die „Kontaktbörse“ der Französischsprechenden und Frankreichfreunde aus Frankfurt und Umgebung. Mit mehr als 600 Mitgliedern ist die 1959 gegründete Gesellschaft die größte ihrer Art in Deutschland. Sie veranstaltet regelmäßig Lesungen, Vorträge und private Führungen.

Feldmarschall Ferdinand Foch (mit x gekennzeichnet) ist in Höchst zu Besuch. In der Bolongarostraße (bis 1928 Hauptstraße) lässt er sich von der Truppenführung in Höchst informieren. Foto Sammlung Günter Moss
Als am Main die französische Nationalflagge wehte

Nicht nur in der Gegenwart gibt es enge Verbindungen zwischen Frankfurt und Frankreich, auch die Vergangenheit verbindet die Stadt mit ihrem diesjährigen Buchmesse-Gast.

clearing

Auch der „Club des affaires de la Hesse“ hat seinen Sitz in Frankfurt. Ein Mal im Monat trifft sich das Kommunikationsforum für Wirtschaftskontakte zu Diskussionsabenden in der schicken Villa Bonn. Der Club hat 420 Mitglieder, darunter befinden sich auch Banken, Schulen, das Internationale Theater Frankfurt, die FAZ und die Fluggesellschaft Air France.

Für Statistik-Freunde: Insgesamt haben in Frankfurt rund 4 500 Franzosen ihren Hauptwohnsitz (Tendenz steigend), gut 500 davon besitzen eine doppelte Staatsbürgerschaft. Die Mehrheit der in Hessen lebenden Franzosen sind übrigens Fans von Emmanuel Macron: Rund 58 Prozent der 9923 in Hessen wahlberechtigten Franzosen haben in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl im Frühjahr dieses Jahres für den sozialliberalen Kandidaten gestimmt. Eines von beiden Wahllokalen in Frankfurt war im Lycée Victor Hugo, allerdings sind die Straßen dort so eng und klein, dass die Wahl für ein kleines Verkehrschaos im Ortsteil sorgte.

Überhaupt ist das Lycée einer der Dreh- und Angelpunkte des französischen Lebens: Über tausend Schüler verteilen sich im Lycée Français Victor Hugo in Rödelheim auf Primarstufe und Sekundarstufe.

Der Unterricht beruht auf dem französischen Lehrplan, wird aber vom Hessischen Bildungsministerium anerkannt. Weitere Bildungseinrichtungen sind die Europäische Schule und für die Kleinen und die multilinguale Kindereinrichtung „Le Jardin“ in Rödelheim.

Zwei Städtepartnerschaften

Städtepartnerschaften mit Frankreich gibt es gleich zwei in dieser Stadt: Seit 1960 besteht die Partnerschaft zwischen Frankfurt und der 500 000-Einwohner-Stadt Lyon, die drittgrößte Kernstadt Frankreichs. Besuche und Gegenbesuche sind ehrenamtlich organisiert und umfassen mehrere Bereiche: Mal tauschen sich Sportvereine aus, mal musikalische Gruppen.

Seit 50 Jahren unterhält der Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach beispielsweise eine Partnerschaft zu der 21 000-Einwohner-Gemeinde Deuil-la-Barre nordwestlich von Frankreichs Hauptstadt Paris.

Und wer das alles mal vor Ort erleben möchte, dem sei ein Besuch im Struwwelpeter-Museum empfohlen: Noch bis zum 28. Februar zeigen dort 14 frankophone Autoren ihre Interpretation der Struwwelpeter-Geschichte – mal als Bild, mal als 3D-Illustration, mal als Skulptur.

Frankreich ist in Frankfurt also vielfältig vertreten – kein Wunder also, dass unser Nachbarland nach 1989 bereits zum zweiten Mal Ehrengast der Frankfurter Buchmesse ist.

 

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse