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Frankfurter helfen vor Ort: Willkommenspakete für Flüchtlinge

Von Dutzende Flüchtlinge treffen am Frankfurter Hauptbahnhof ein und werden dort von Hunderten Menschen begeistert begrüßt. Freiwillige Helfer hatten den Abend über Tüten mit Lebensmitteln und Kleidern gepackt obwohl die Anreise der Flüchtlinge lange Zeit bloß ein Gerücht war.
Foto: Benni Kilb
Frankfurt.  Kurz nach Mitternacht herrschte schließlich Gewissheit: Nach stundenlanger Bahnfahrt kam eine große Zahl von Flüchtlingen am Frankfurter Hauptbahnhof an. Die zumeist aus Syrien und Afghanistan geflohenen Menschen wurden dort von rund 200 Menschen frenetisch begrüßt.

Anschließend fuhren die meisten Flüchtlinge in einem Sonderzug weiter zum Flughafen Frankfurt. Dort ging es für einen Teil weiter nach Dortmund. Die übrigen Flüchtlinge reisten weiter nach Ingelheim (Kreis Mainz-Bingen), wo sich eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Rheinland-Pfalz befindet. Kurz zuvor waren in einem Zug aus Österreich bereits 50 Flüchtlinge in Frankfurt angekommen, die meisten fuhren weiter nach Dortmund.

Mitten auf dem Frankfurter Hauptbahnhof war schon vorher kaum ein Durchkommen mehr. Plastiktüten mit Brot, Keksen, Wasser, Saft und Babynahrung lagen bereit, Kleider und Stofftiere. Hunderte freiwillige Helfer hetzten umher und packten eifrig “Willkommenspakete”.

Bilderstrecke Refugees Welcome: Flüchtlinge aus Ungarn am Frankfurter Hauptbahnhof
Frankfurter Bürger warten mit Lunchpaketen, Hygieneartikel, Kleidung und Spielsachen auf die Flüchtlinge im Hauptbahnhof in Frankfurt. Durch Aufrufe in den sozialen Netzwerken kamen viele Menschen......und viele Lebensmittel zusammen.Die Flüchtlinge kamen nach Mitternacht an.


Ob die Flüchtlinge überhaupt kommen würden, blieb am Samstagabend lange Zeit ein Gerücht. Über soziale Medien hatte den Tag über die Nachricht die Runde gemacht, dass um 20 Uhr ein Zug aus Ungarn mit rund 700 Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern in Frankfurt eintreffen solle.
“Wir wissen von nichts”, sagte ein Sicherheitsbeamter der Deutschen Bahn. Die hunderten Helfer ließen sich davon nicht beunruhigen: Ein Teppich aus Plastiktüten hatte sich vor den Anzeigetafeln im Hauptbahnhof gebildet. Dolmetscher wurden gesucht, Fahnen mit Willkommenssprüchen in verschiedenen Sprachen ausgebreitet.

Tina (19) und Hannes (23) waren für eine Demonstration gegen die Pelzindustrie aus München nach Frankfurt gekommen. “Dort haben wir erfahren, dass die Flüchtlinge erwartet werden. Wir haben uns dann kurzerhand entschlossen, bei der Versorgung der Menschen zu helfen. Hier wird sicher jede Hilfe gebraucht”, sagte Hannes.

Hafida (30) und Faiza (29) hatten auf eigene Faust für 160 Euro Lebensmittel für die Flüchtlinge gekauft und diese zum Hauptbahnhof gebracht. “Wir haben uns vorher schon für Flüchtlinge engagiert - aus Menschlichkeit”, berichtete Hafida, die im Laufe des Abends aber langsam daran zu zweifeln begann, ob die von ihr gekauften Lebensmittel noch in den Händen der Flüchtlinge landen würden.
Bis 22 Uhr war nicht klar, ob wirklich ein Zug mit 700 Flüchtlingen nach Frankfurt unterwegs ist. Mitarbeiter der Deutschen Bahn zuckten mit den Achseln. Auf Twitter wurde verbreitet, die Flüchtlinge würden am Frankfurter Flughafen nach Neu-Isenburg umgeleitet und gar nicht über den Hauptbahnhof fahren. Andere Twitter-Nutzer wollen erfahren haben, dass der Zug erst kurz nach Mitternacht eintrifft.

Ralf Ströher, Sprecher der Bundespolizei, glaubte nicht daran: “Nach unseren jetzigen Informationen ist kein Zug mit hunderten Flüchtlingen nach Frankfurt unterwegs. Was sich im Laufe des Abends tut, wissen wir aber nicht. Wir schätzen aber, dass es ruhig bleibt.”

Ein Sprecher der Deutschen Bahn schien am Telefon ein wenig peinlich berührt, weil er nicht mehr wusste: “Dass ein Zug mit Flüchtlingen unterwegs sein soll, ist mir nicht bekannt. Es kann aber auch dauern, bis die Info bei mir ankommt”, sagte er.
Unterdessen machte ein ICE an Gleis 7 einen Zwischenstopp, in dem etwa ein Dutzend Flüchtlinge saßen. Die freiwilligen Helfer eilten zum Gleis und stopften “Willkommenspakete” in den Zug.

Die Mitarbeiter der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof waren mit der großen Hilfsbereitschaft allerdings überfordert. Wie eine Angestellte des Informationsschalters erklärte, habe man selbst keine Auskunft “von oben” erhalten, ob den nun wirklich ein Zug mit Flüchtlinge kommen. Fahrgäste verzogen ob der verstopften Ankunftshalle das Gesicht. “Einige Helfer unterstellen uns sogar, dass wir längst mehr wissen, der Zug gar nicht kommt und alles hier für nichts aufgebaut wird”, klagte eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn.

Auch Emel (31) und Hassan (38) begannen im Laufe des Abends zu zweifeln. “Wenn hier heute noch Flüchtlinge ankommen, müsste vielmehr Polizei vertreten sein und die Deutsche Bahn Platz schaffen”, sagte Hassan und schätzte, dass sich das Gerücht über die Ankunft der Flüchtlinge nicht bestätigen würde.

Der Zug mit den angeblich rund 700 Flüchtlingen blieb in der Tat nur ein Gerücht. Den Flüchtlingen, die schließlich aber doch noch am Hauptbahnhof ankamen, standen aufgrund der Hilfsbereitschaft teilweise Freudentränen in den Augen. Die Deutsche Bahn stellte am späten Abend dann noch einen Sonderzug zur Verfügung, um “Willkommenspakete” zu Flüchtlingen am Frankfurter Flughafen zu transportieren, die von dort die Weiterreise nach Dortmund antraten.

bki

 
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