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Investigativ: Wir haben den Nikolaus interviewt

Am 6. Dezember ist Nikolaus. Bereits ab heute besucht er die Kinder. Unser Redakteur Thomas Remlein sprach mit der heiligen Figur über sein Wirken, seinen Umgang mit den Kindern und sein Verhältnis zum Weihnachtsmann.
Wenn Jürgen Rottloff – hier mit unserem Redakteur Thomas Remlein – als Nikolaus in den Kindergarten geht, wissen die Kinder, wer er wirklich ist. Das gehört zum Konzept. Die historische Figur und ihr wohltätiges Wirken sollen im Vordergrund stehen. „Die Kinder müssen verstehen: Nikolaus hat vor 1600 Jahren gelebt“, sagt Rottloff. Bilder > Foto: Salome Roessler Wenn Jürgen Rottloff – hier mit unserem Redakteur Thomas Remlein – als Nikolaus in den Kindergarten geht, wissen die Kinder, wer er wirklich ist. Das gehört zum Konzept. Die historische Figur und ihr wohltätiges Wirken sollen im Vordergrund stehen. „Die Kinder müssen verstehen: Nikolaus hat vor 1600 Jahren gelebt“, sagt Rottloff.

Herr Nikolaus, wie sind Sie darauf gekommen, Nikolaus zu werden?

NIKOLAUS (lacht): Ich bin vom Kindergarten angefragt worden. Die suchten einen Nikolaus zu dieser Zeit. So bin ich also langsam dazu gekommen, Nikolaus zu machen. Das passt ja, weil ich hier schon in der Kirchengemeinde arbeite und dann einfach ins Nachbarhaus gehe und den Nikolaus gebe.

Haben Sie da einen Kurs absolvieren müssen oder eine spezielle Nikolaus-Ausbildung?

NIKOLAUS: Nein, hab’ ich nicht.

Das heißt, Sie haben sich das selber so angeeignet.

NIKOLAUS: Richtig.

Und wen besuchen Sie so?

NIKOLAUS: Das ist einmal der Kindergarten und Hort der Alten Feuerwache in der Burgstraße. Unsere Kindergarteneinrichtung von St. Bernhard, dann der Seniorenclub, die Hort-Caritaseinrichtung in der Gaußstraße. Manchmal kommen Privatpersonen hinzu.

Wenn Sie in den Kindergarten gehen, worauf achten Sie da?

NIKOLAUS: Der Kindergarten legt wert darauf, dass ich als Person mit den Utensilien zwei, drei Tage vorher in den Kindergarten komme, um den Kindern zu sagen, was diese bedeuten. Erst sollen sie den Menschen sehen, später den Nikolaus. Ich habe mein Ornatgewand dabei, den Stab, die Mitra und mein Buch. Die Insignien erkläre ich den Kindern. Im Vorfeld ist auch die Geschichte vom Nikolaus besprochen worden.

Also die Geschichte vom heiligen Nikolaus von Myra?

NIKOLAUS: Genau. Dann erzähle ich die Legende, damit ich mit den Kinder auch darüber reden kann.

Und welche Geschenke bringen Sie mit?

NIKOLAUS: Die Kinder bringen ihre Socke mit, die auf einer Leine aufgehängt wird, bis sie mit einer Mandarine, Erdnüsse und noch eine Kleinigkeit gefüllt wird. Ich bringe sie dann mit dem Bollerwagen wieder mit.

Sie gehen auch zu Privatleuten. Wie läuft es da ab?

NIKOLAUS: Das spreche ich dann auch im Vorfeld mit den Eltern ab. Dann wird eine Uhrzeit ausgemacht. Ich darf mich dann in der Nachbarschaft oder vor dem Auto umziehen. Dann geh’ ich zu den Leuten, klingele, komme rein. Manche Kinder gehen ein bisschen um die Ecke oder auf den Schoß der Eltern, weil sie doch ein bisschen Respekt haben. Dann singen sie mir etwas. Ich werde Fragen stellen, was sie vom heiligen Nikolaus wissen. Ich habe einen Zettel erhalten, worauf steht, was sie gut gemacht haben und was sie nicht so gut gemacht haben. Da achte ich darauf, wie ich das den Kindern sage. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Und ich versuche, dem Kind zu sagen, dass es das Negative auch ändern kann.

Gerade wegen seiner ehrerbietenden Erscheinung hat der Nikolaus eine große pädagogische Wirkung. Wie setzen Sie diese ein?

NIKOLAUS: Die setzte ich gar nicht ein. Das, was ich verkörpere, ist die Wirkung. Früher wurde immer mit dem Nikolaus gedroht: Wenn der Nikolaus kommt, dann passiert etwas. Dann kommst du in den Keller, dann kriegst du die Rute . . . Aber wenn man die Geschichte vom heiligen Nikolaus liest, dann ist er ein guter Mensch, der allen Kindern und Menschen Gutes will. Da kann er nicht drohen.

Als meine Kinder klein waren, haben wir natürlich auch den Nikolaus kommen lassen. Das hat ein Pfarrgemeinderatsmitglied gemacht. Wir haben den Nikolaus dazu eingesetzt, dass die Große endlich ihren Schnuller abgegeben hat. Kriegen Sie von Eltern auch mal Anweisungen, etwas einzusammeln oder auf Besserung eines Verhaltens zu bestehen?

NIKOLAUS: Mir ist es schon vorgekommen, dass die Eltern vorher mit dem Kinde gesprochen haben und das Kind dann gesagt hat: „Hier, Nikolaus, hast Du meinen Schnuller. Ich brauch’ den nicht mehr.“ Dann hab’ ich mich bedankt und im Gegenzug ein Geschenk gegeben.

Wenn ein so großes Opfer wie der Schnuller gebracht wird. Was gibt es da als Geschenk? Da sind Äpfel, Nuss und Mandelkern möglicherweise zu wenig.

NIKOLAUS: Da haben die Eltern Spielzeugautos eingepackt oder eine CD. Vielleicht ein Paar Strümpfe. Es sind Kleinigkeiten. In der früheren Zeit waren die Geschenke ein bisschen größer: Eine DVD, ein Spiel für eine Konsole. Das hat sich reduziert.

Das überrascht mich jetzt ein wenig. Ich hatte vermutet, dass der Nikolaus-Tag in unserer Wohlstandsgesellschaft fast ein wenig in Konkurrenz zu Weihnachten tritt.

NIKOLAUS: Bei den Leuten, wo ich immer gewesen bin, waren es immer nur Kleinigkeiten. Die Leute sind ja christlich verwurzelt.

Wenn Sie mit den Kinder ins Gespräch kommen. Was fragen die?

NIKOLAUS: Die Kinder fragen weniger. Ich muss fragen. Was wissen sie vom Nikolaus? Welche Legende kennen sie?

Wenn Sie in Privathaushalte gehen, werden Sie ja vorher von den Eltern gewissermaßen geimpft, was das Verhalten der Kinder anbelangt.

NIKOLAUS: Genau. Da hab’ ich ja auch ein Papier, wo alles drauf steht.

Setzen Sie das eins zu eins um oder stellen Sie sich auf die Situation ein und machen etwas Eigenes daraus?

NIKOLAUS: Ich mach’ was Eigenes draus. Ich schlage mein Buch auf. Frage: „Und wie geht’s Dir denn so? Ich weiß, dass Du im Rechnen gut zurecht kommst und gut Musizieren kannst. Ich hab’ aber auch gehört, dass du manche Dinge nicht ganz so gut hinbekommst. Da musst du einfach ein bisschen aufpassen. Ich freue mich, dass dir Schule Spaß macht.“ Danach gebe ich dem Kind ein Geschenk.

Sind die Kinder überrascht, was der Nikolaus so alles weiß?

NIKOLAUS: Die Jüngeren schon. Die etwas Älteren sind am Zweifeln.

Die Älteren haben also einen gewissen Verdacht?

NIKOLAUS: Die Älteren haben einen gewissen Verdacht. Oft ist es ja so, die erkennen mich ja. Ich hab ja keinen weißen Bart zusätzlich.

Sie bringen den eigenen mit.

NIKOLAUS: Ich bringe den eigenen mit. Es heißt dann immer, wenn die Kinder mich sehen: Der Nikolaus hat doch einen weißen Bart. Ich sage dann immer: „Wer sagt das denn? Der heilige Nikolaus hat ja auch einen eigenen Bart gehabt. Und irgendwann ist er weiß geworden, weil er älter wurde. Bei mir fängt es ja auch langsam an.“

Interviewer (lacht): In zehn bis zwanzig Jahren ist das völlig in Ordnung.

NIKOLAUS: Total. Das Schöne ist: Da ich für den Kindergarten in meinem dienstlichen Bereich zuständig bin, sehen mich die Kinder regelmäßig. Wenn ich dann durch das Haus laufe, heißt es: Ah, hallo, Herr Nikolaus. Ich möchte dann auch nicht, dass da eine Figur dasteht, deren Person sie nicht kennen. Die Kinder müssen verstehen: Nikolaus hat vor über 1600 Jahren gelebt. Die Person hat etwas Gutes getan und wir verkörpern diese Figur. Das möchte ich ’rüberbringen und nicht irgendeine Drohung.

Neben dem Nikolaus ist ja auch der Weihnachtsmann in der Adventszeit unterwegs. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

NIKOLAUS (lakonisch): Er darf existieren.

Interviewer (lacht).

NIKOLAUS: Ich finde es nur schade, dass die Figur Weihnachtsmann zu sehr in die Rolle des Nikolaus geschoben wird. Der Weihnachtsmann ist eine Werbefigur eines großen Konzerns. Die Leute verstehen nicht: Wer ist der Nikolaus, und was wird durch den Weihnachtsmann vermittelt? Da gibt es eine Vermischung.

Bei einer Aktion der Dompfarrei wurden ein Nikolaus und ein Weihnachtsmann nebeneinander gestellt, um auf die Unterschiede aufmerksam zu machen.

NIKOLAUS: Richtig.

Waren Sie daran beteiligt?

NIKOLAUS: Nein, war ich nicht. Wäre vielleicht schön gewesen.

Sie empfinden also den Weihnachtsmann nicht als Konkurrenz?

NIKOLAUS: Nein, es ist nur schade, dass die Vermischung aufkommt, dass der Weihnachtsmann der Nikolaus ist. Das stimmt mit dem heiligen Nikolaus nicht überein.

Hat der Nikolaus durch seine ehrerbietende Erscheinung schon mal ein Kind zum Weinen gebracht?

NIKOLAUS: Ja, hat er. Im Hort der Krabbelstubbe an der Gaußstraße, wo die Eltern auch mit dabei sind, wollen die Eltern gerne ein Foto mit dem Nikolaus machen. Und wenn dann das Kind kommt und soll sich auf meinen Schoß setzen, dann ist das manchmal kritisch. Dann fängt ein Kind auch mal zu weinen an.

Was machen Sie dann?

NIKOLAUS: Dann lass’ ich das Kind gehen. Ich zwing’s nicht, auf dem Schoß zu sitzen, nur damit die Mutter ein Foto mit dem Nikolaus bekommt.

Ein Foto mit dem Nikolaus und dem heulenden Kind ist vermutlich auch für die Mutter nicht so toll.

NIKOLAUS: Eben. Manchmal ist es hilfreich, wenn das Kind neben mir steht und die Mutter mit im Hintergrund dabei ist.

Jetzt sind Sie seit 17 Jahren als Nikolaus unterwegs. Was hat Ihnen besonders Freude gemacht?

NIKOLAUS: Die Freude ist, wenn die Kinder fröhlich sind. Wenn sie die Figur einschätzen können. Und mitbekommen, was der Nikolaus getan hat. Die Kinder sollen wissen, es ist eine historische Figur, die gelebt hat.

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