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„Wir haben es uns zugetraut“

Von Unter dem Stichwort Inklusion kommen auf die Frankfurter Bildungslandschaft große Veränderungen zu. An der Gruneliusschule wird viel von dem, was andere zum Wohle behinderter und benachteiligter Kinder noch umsetzen müssen, bereits gelebt. Und teilweise noch ein bisschen mehr.
Schulleiterin Margit Krämer ist stolz auf ihr Kollegium, von dem die Veränderungen an der Schule mitgetragen wurden. 
Fotos: Göckes, Hamerski Bilder > Schulleiterin Margit Krämer ist stolz auf ihr Kollegium, von dem die Veränderungen an der Schule mitgetragen wurden. Fotos: Göckes, Hamerski
Oberrad. 

Während die Frankfurter Bildungslandschaft über Chancen und Herausforderungen der Inklusion behinderter und benachteiligter Schüler in den regulären Schulbetrieb diskutiert, ist die Gruneliusschule schon einen Schritt weiter. An der Oberräder Grundschule werden seit vier Jahren Erfahrungen gesammelt mit eben jenen Veränderungen, die auf viele andere Frankfurter Schulen jetzt erst noch zukommen. Und die sind positiv. „Wir haben Kinder, die mit einem Förderbedarf im Bereich Lernhilfe bei uns angefangen haben und die inzwischen ohne zusätzliche Hilfe auskommen. Das gibt Kraft, um weiterzumachen“, berichtet Schulleiterin Margit Krämer.

Mutige Lehrer

Seit rund vier Jahren kommt der Gruneliusschule eine Vorreiterrolle beim Thema Inklusion in Frankfurt zu – zunächst im Rahmen des „Gemeinsamen Unterrichts“, später als Teil der „Modellregion Süd“. Den Anstoß dazu lieferten Eltern. „Die kamen auf uns zu, weil es keine inklusiv arbeitende Schule im Frankfurter Süden gab“, erinnert sich Krämer noch gut an den Start des Veränderungsprozesses. „Das war damals eine schwierige Entscheidung für das Kollegium. Wir wussten ja auch nicht genau, was da auf uns zukommt“, sagt sie. Nicht jeder war von Anfang an überzeugt. „Am Anfang ist die Skepsis dagewesen. Aber ich finde, die Lehrer waren sehr mutig, als sie die Entscheidung getroffen haben, das zu machen. Wir haben es uns eben zugetraut und einfach gemacht.“

Und ganz frei von Schwierigkeiten und Problemen sei der Start dann auch nicht gewesen. Am Anfang habe es etwa für jedes Kind vier Förderschul-Stunden gegeben. „Das hat aber in der Praxis nicht so funktioniert, wie erhofft. Deswegen bekommen wir die Stunden jetzt pro Jahrgang systemisch zugewiesen und können sie verteilen. Das ist ein ständiger Lernprozess, in dem wir schauen und lernen müssen, was wie am besten funktioniert.“

Arbeit im Team

Und auch die Arbeitsweise an der Schule musste sich ändern. Kein Wunder, schließlich unterscheidet sich die inklusive Arbeit in Teilen doch enorm von der klassischen Lehrertätigkeit, wie sie Jahrzehnte praktiziert wurde. „Es ist ein anderes Arbeiten im Team mit den Förderlehrern. Und Teamarbeit ist nicht unbedingt das, was man als Lehrer mal gelernt hat.“

Eine Weile habe es gedauert, bis sich die neue Praxis eingespielt habe. „Am meisten geholfen haben die Kinder. Für die war es von Anfang an ganz selbstverständlich. Schließlich sind sie zusammen schon in den Kindergarten gegangen und kannten sich.“ Und nachdem die ersten Schwierigkeiten überwunden waren, habe es dann auch nicht mehr lange gedauert, bis die Inklusion behinderter Kinder auch für das Kollegium zur Selbstverständlichkeit wurde. Derzeit besuchen 18 Kinder mit einer Behinderung oder Beeinträchtigung die Grundschule, auf die insgesamt 380 Jungen und Mädchen gehen.

Positiv sei im zurückliegenden Jahr gewesen, dass aufgrund des großen Bedarfs drei Förderschullehrer fast dauerhaft an der Grundschule ihren Arbeitsschwerpunkt hatten. Organisatorisch ist das nicht ganz einfach. Schließlich sind die Förderschullehrer nicht direkt bei der Grundschule angestellt. Sie gehören eigentlich zum Beratungs- und Förderzentrum, in diesem Fall der Wallschule aus Sachsenhausen. Ist der Bedarf an Förderlehrern an einer Grundschule geringer, kann es auch sein, dass ein einzelner Lehrer immer stundenweise vor Ort ist und den Rest seiner Zeit an einer anderen Schule verbringt. Für das Kollegium einer Grundschule keine einfache Situation.

Herausforderungen und Schwierigkeiten gibt es natürlich nach wie vor, auch an der Gruneliusschule. Erst recht, da die Grundschule dem Modellprojekt, das das Frankfurter Schuldezernat ab dem kommenden Schuljahr starten möchte, bereits um Längen voraus ist. Während sich das Modellprojekt zunächst auf Schüler beschränken soll, die den Förderbedarf „Lernhilfe“ aufweisen, besuchen die Gruneliusschule Kinder mit den verschiedensten Behinderungen oder Einschränkungen: Solche mit einer Sehbehinderung, Körperbehinderte, Autisten oder auch Kinder mit einer Diabetes-Erkrankung. Ein blindes Kind bekommt von der Schule einen Schreibcomputer zur Verfügung gestellt – inklusive interaktiver Tafel, damit die Klassenkameraden das Geschriebene mitverfolgen können, wenn es nötig ist.

Und auch ein Kind im Rollstuhl besucht seit diesem Jahr die Gruneliusschule. „Das ist derzeit noch ein bisschen schwierig, weil wir ja auch noch auf unsere Sanierung und Erweiterung warten.“ Eine behindertengerechte Toilette gibt es deshalb noch nicht.

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