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„Wir machen uns auf den Weg“

Jorinde Gessner ist Gründungsmitglied der Initiative „IGEL“, die seit 2009 für die Inklusion im Frankfurter Süden eintritt. Im Interview mit FNP-Mitarbeiter Robin Göckes spricht die Mutter über das geplante Aus für die Wallschule und die Perspektiven der Inklusion im Süden Frankfurts.
Jorinde Gessner setzt sich für mehr Inklusion an den Schulen im Frankfurter Süden ein. 
Foto: Rüffer Jorinde Gessner setzt sich für mehr Inklusion an den Schulen im Frankfurter Süden ein. Foto: Rüffer

Frau Gessner, wie stehen Sie zum geplanten Ende der Wallschule in Sachsenhausen?

JORINDE GESSNER: Die Wallschule wird ja nicht geschlossen, sondern läuft langsam aus und wird dann umgewandelt in eine inklusive Grundschule. Das finde ich sehr positiv. Ich habe über Jahre in Gesprächen mit dem Stadtschulamt immer wieder gefragt, warum es diese Förderschule gibt und warum sie im Rahmen der Inklusion nicht umgewandelt werden kann. Jetzt bin ich positiv überrascht, dass es so schnell bekannt gegeben wurde.

Wobei die Sorgen des Kollegiums an der Schule ja schon groß sind.

GESSNER: Da die Inklusion die leicht integrierbaren Kinder bereits aufgenommen hat, sind an der Wallschule inzwischen natürlich verstärkt die härten Fälle angekommen, was die Perspektive beeinflusst. Die Lehrer haben dann natürlich Angst um die Kinder, mit denen sie im Alltag umgehen. Die fragen sich schon, wie das Kollegen an Grundschulen schaffen sollen, die damit noch nie richtig konfrontiert wurden. Aber trotzdem müssen wir diesen Weg gehen und Lösungen für diese Probleme finden.

Die Befürchtung des Kollegiums der Schule ist es auch, dass durch die Umwandlung der Schule weitere Wege für die Kinder entstehen, die weiterhin an einer Förderschule unterrichtet werden möchten. Teilen sie diese Sorge?

GESSNER: Mein Eindruck ist es, dass schon jetzt viele Kinder an die Wallschule gefahren werden, also nicht unbedingt um die Ecke wohnen. Förderschulen wird es ja weiterhin im Norden Frankfurts geben und die Kinder, die jetzt an der Wallschule unterrichtet werden, dürfen dort ja weitermachen.

Eine andere Angst ist es, dass durch die Umwandlung die Wahlfreiheit, die ja eigentlich weiterhin gegeben sein soll, praktisch nicht mehr existiert. Sehen sie diese Gefahr auch?

GESSNER: Nein, aus meiner Perspektive, so wie ich Inklusion verstehe, ist eine Wahlfreiheit nur dann gegeben, wenn gleichwertige Möglichkeiten für die Eltern gegeben sind. Also wenn die Inklusion an einer Regelschule genauso qualitativ ist, wie die Beschulung an einer Förderschule. Viele Eltern treffen die Entscheidung für eine Förderschule unter Not. Nicht, weil sie die Förderschule als beste Schulform für ihre Kinder empfinden, sondern weil sie das Gefühl haben in der Regelschule würde ihr Kind nicht die nötige Förderung bekommen.

Glauben Sie denn, dass die Unterstützung, die an den Regelschulen geleistet werden kann, auch mit den zusätzlichen personellen Ressourcen, die über die Modellregion frei werden, ausreicht?

GESSNER: Die Frage begleitet uns schon lange und da gibt es viele Vorbehalte. Hessen stellt nicht wirklich die notwendigen Ressourcen zur Verfügung für eine wirklich gute Inklusion. Aber mir ist es lieber wir machen uns auf den Weg, anstatt immer nur auf die perfekte Ausstattung und Versorgung mit den notwendigen Ressourcen zu warten. Die wird nie kommen. Am Ende ist es eine Einstellungssache und es gibt viele positive Erfahrungen.

Erschwert das nicht auch für viele Eltern die Entscheidung, wo ihr Kind zur Schule gehen soll?

GESSNER: Alle Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Und die gucken dann natürlich schon alle Optionen an. Wenn die das Gefühl haben, an der Regelschule könnte ihr Kind untergehen oder die Klassen sind zu groß, dann sind die Bedenken groß. Aber die meisten Eltern wollen vom Grundgedanken her schon die Inklusion. Und es wurden bereits sehr viele positive Erfahrungen gesammelt.

Etwa mit der Pilotregion, die im Frankfurter Süden eingerichtet wurde?

GESSNER: Richtig. Da wurden Erfahrungen gesammelt, die jetzt weitergegeben werden können. Hier wurden unterschiedliche Behörden wie etwas das Sozialrathaus, das Stadtschulamt, das staatliche Schulamt miteinander verknüpft. Das war neu und man hat auch darauf geschaut, welche Ressourcen es neben den Lehrern sonst noch gibt, also etwa Inklusionshelfer oder Sozialpädagogen. Und man hat sich Expertise von den ehemaligen GU-Schulen, wie etwa der Römerstadtschule geholt. Diese Erfahrungen können übertragen werden.

Bislang konzentrieren sich die Bemühungen um Inklusion in Frankfurt vor allem auf die Grundschulen. Dabei kann es aber nicht bleiben, oder?

GESSNER: Perspektivisch müssen wir auch die weiterführenden Schulen einbinden. Die IGS wäre die einzige Schulform, die das ganz gut aufnehmen kann. Bis auf die Carl-von-Weinberg-Schule gibt es südlich des Mains keine richtige Lösung.

Angedacht ist ja zumindest ein möglicher Zusammenschluss der Schwanthaler Schule und der Holbeinschule als Integrierte Gesamtschule. Wäre das aus ihrer Sicht eine akzeptable Lösung?

GESSNER: Das kommt immer sehr auf das Konzept an. In Sachsenhausen legen die Eltern stark den Fokus auf das Gymnasium. Der Vorteil einer IGS ist die gute Mischung, da muss man schauen, ob das funktionieren würde, so wie zum Beispiel an der IGS Nordend, die einen enormen Zulauf hat und ein sehr gutes Konzept. Das würde ich mir auch für den Frankfurter Süden wünschen.

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