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Sporthallen: „Wir müssen in einer Ruine spielen“

Die hohen Gebühren für die Hallennutzung sind ein großes, wohl aber nicht das einzige Problem der Frankfurter Sportvereine. Sie kämpfen vielerorts mit dem schlechten Zustand der Schulturnhallen.
Sanierungsbedürftig: die Halle an der Otto-Hahn-Schule Foto: Heike Lyding Sanierungsbedürftig: die Halle an der Otto-Hahn-Schule
Frankfurt. 

Wenn Peter Tandetzky die alte Sporthalle Süd betritt, wird ihm ganz bang. „Hier liegt so viel im Argen“, sagt der Handballabteilungsleiter der TG Sachsenhausen. Die Duschen seien plumpes Stückwerk. Die Klinken aus dem Baumarkt zusammengeklaubt. Und den Schränken im Foyer fehlten die Türen. Schon lange. Weil sie immer wieder von Unbekannten aufgebrochen worden seien. „Früher haben wir in ihnen Zucker, Milch und Pappteller aufbewahrt. Weil wir während der Spiele doch immer Kaffee und Kuchen verkaufen“, sagt Tandetzky. Und es gebe noch mehr zu beanstanden. „Wenn es mal stark regnet, ist der Keller nass.“ Dort, wo seine Handballer eigentlich ihre Trainingsutensilien unterbringen könnten. „Die Bedingungen sind alles andere als ideal. Wir müssen hier in einer Sporthallenruine spielen“, klagt Tandetzky.

Ähnlich prekär ist die Lage in der alten Turnhalle der Otto-Hahn-Schule. Größtes Sorgenkind ist hier das Dach. Weil über den Leim Feuchtigkeit ins Holz eindringen und so die Tragfähigkeit der Konstruktion gefährden könne, wie Rainer Drephal vom TuS Nieder-Eschbach erklärt. „Es ist schlimm“, sagt er und fordert eine erneute Prüfung auf Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit. Die letzte sei schon elf Jahre her, sagt er.

Schock für die Gäste

Abgesehen von den Sicherheitsbedenken haben die Sportler in Nieder-Eschbach mit weiteren Widrigkeiten zu kämpfen. Die Sanitärbereiche seien in einem kritischen Zustand, die Halle zudem seit zehn Jahren ohne Tribüne, sagt Heiko Schmidt, Abteilungsleiter Handball. „Gastmannschaften bekommen oft einen Schock, wenn sie uns zum ersten Mal besuchen“, sagt er. Im Winter falle außerdem regelmäßig die Heizungsanlage aus. Anfang des Jahres mehr als einen Monat. „Dass wir dann trotzdem die Hallennutzungsgebühren in voller Höhe zahlen müssen, ist ein Problem“, sagt Schmidt. Sein Leidensgenosse Peter Tandetzky ergänzt: „Ich frage mich, wofür das Geld eingenommen wird.“

Tatsächlich werden Sportvereine nirgendwo in Hessen so zur Kasse gebeten wie in Frankfurt. Für 90 Minuten verlangt die Stadt zwischen 13,50 Euro und 24 Euro . Auf diese Weise nimmt sie jedes Jahr rund eine Million Euro ein.

Lange Versäumnisse

Beim Sportkreis weiß man um den schlechten Zustand vieler Hallen. „Das ist ein generelles Problem und trifft die Vereine gleichermaßen“, sagt der Vorsitzende Roland Frischkorn. Aber Sanierungen gehen nicht von Heute auf Morgen. „Es wird dauern, Versäumnisse von 25 Jahren auszubügeln“, sagt er.

Dafür hat der Vorsitzende des 1. Deutschen Judo-Clubs, Axel Schönberger, auch durchaus Verständnis. Nicht jedoch, wenn die frisch sanierten Duschen in der Halle der Ludwig-Börne-Schule nicht genutzt werden könnten, weil es Probleme mit Legionellen gebe. „Über Jahrzehnte wurde das Wasser täglich mehrere Stunden auf über 70 Grad erhitzt, da gab es nie Probleme“, sagt Schönberger und vermutet, unsachgemäße Bedienung.

Für die Judoka kommt dies zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Seit Kurzem bietet der Judo-Bund ein offenes Training in der Halle der Schule an. „Es ist beabsichtigt, dieses Training weiter auszubauen, um damit die leistungsstarken Athleten weiter zu entwickeln und an die nationale und internationale Spitze zu führen“, heißt es vom Deutschen Judo-Bund. Das sei allerdings nur möglich, wenn auch die Sanitäranlagen einwandfrei funktionierten. Sollte der Missstand nicht kurzfristig behoben werden, ist das Training laut Judo-Bund gefährdet. „Das kann doch nicht im Interesse der Sportstadt Frankfurt sein“, hofft Schönberger.

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