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Satire-Magazin "Titanic" schlägt zu: Wirbel um anonyme Bürgerwehr-Anzeige

Eine Kleinanzeige in Frankfurter Tageszeitungen hat am Samstag für Wirbel gesorgt. Im Text werden Mitstreiter für eine Bürgerwehr gesucht. Hinter der Anzeige steckt allerdings das Satire-Magazin „Titanic“.
Die satirische Kleinanzeige der "Titanic". Foto: fnp Die satirische Kleinanzeige der "Titanic".
Frankfurt.  Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen an Silvester haben sich in  deutschen Städten vereinzelt Gruppen gegründet, die sich als  „Bürgerwehr“ bezeichnen und als solche für Sicherheit sorgen wollen.  Politiker warnten in der Folge vor Selbstjustiz und betonten, dass die Sicherheitsbehörden für den   Schutz der Bürger  zuständig seien. Am Samstag erschien in einer Beilage mehrerer Frankfurter Tageszeitungen eine Kleinanzeige unter dem Motto „Neue Bürgerwehr: Mitstreiter in Frankfurt gesucht“. Wie diese Zeitung erfuhr, steckt hinter der Anzeige aber das Satire-Magazin  „Titanic“.

Die rechteckige, gelb unterlegte  Anzeige  sorgte in den sozialen Netzwerken sofort  für Wirbel. Als „Anforderungsprofil“ für Bürgerwehr-Anwärter wurde im Text  selbstbewusstes Auftreten, ein deutscher Pass und ein „wacher Kopf“ genannt. Vergütung und Details wurden für  Montagnachmittag unter einer Telefonnummer in Aussicht gestellt, die nebst einer E-Mail-Adresse abgedruckt wurde.

Anrufer, die sich an die Nummer wandten, hörten zunächst einen Anrufbeantworter mit dem Text: „Guten Tag, Sie sind bei der Bürgerwehrmacht Frankfurt. Vielen Dank für Ihr Interesse. Sie können uns eine Nachricht hinterlassen, ansonsten sind wir am Montagmittag für sie zu erreichen. Auf unsere Sicherheit! Ihre Bürgerwehrmacht!“

Tim Wolff von der „Titanic“ bestätigte Informationen dieser Zeitung, wonach das Satire-Magazin die Anzeige schaltete, auf Nachfrage. Zu den Hintergründen der Aktion wollte er am frühen Nachmittag noch nicht Stellung nehmen. Die Aktion sei noch nicht angelaufen,  man müsse sehen, was nun noch daraus werden könne.

Bei der  Polizei waren bis Montagnachmittag schon mehrere Anfragen wegen der Kleinanzeige eingegangen. „Titanic“-Redakteur Wolff bestätigte, dass die Polizei sich bereits  an das Magazin gewandt habe. Ein Polizeisprecher sagte auf Nachfrage, dass eine Anzeige wie die in Rede stehende und   die Gründung einer Bürgerwehr nicht strafrechtlich verfolgt werden könnten.  Gleichwohl prüfe die Polizei vorsorglich, „was hinter so einer Anzeige steckt“.

Nach Erscheinen der Anzeige am Samstag war die Aufregung zum Beispiel bei Nutzern des Kurznachrichtendiensts Twitter groß: „Was zum Geier ist das?“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer schlug wegen der „Gründung einer braunen Bürgerwehr“ Alarm – einerseits wohl wegen des Bezugs zur „Wehrmacht“, der auf dem AB hergestellt wurde, andererseits aber sicher auch, weil Bürgerwehren erfahrungsgemäß eher rechtsgerichtete Projekte sind.

Am späteren Nachmittag bekräftigte Tim Wolff gegenüber dieser Zeitung – Vorsicht, Satire! –, dass die „Titanic“ tatsächlich eine Bürgerwehr zu gründen gedenke. Wolff warb wortreich für eine Beteiligung, schließlich  bestehe die Möglichkeit, nette Menschen kennenzulernen und vor der Redaktion zu campieren.

Bei den Rundgängen durch Frankfurt werde sich die Bürgerwehr „auf Menschen eher zwielichtiger Herkunft, also nichtdeutsche“ konzentrieren. Ein positiver Nebeneffekt  sei, dass die Aufpasser auch junge Frauen begleiten könnten: „Anders kommen wir an die ja auch gar nicht ran.“


(red)
 
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