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Protestmarsch für die Freiheit der Forschung: Wissenschaftler demonstrieren gegen „Irrlehren“

Am kommenden Samstag demonstrieren Wissenschaftler weltweit für die Freiheit der Forschung und faktenbasierte Diskussionen. Auch in Frankfurt wird es einen „March for Science“ geben. Die Organisatoren rechnen mit mehreren tausend Teilnehmern.
Die Forschung im Blick: Susanne Ficus vor dem Tor West des Industrieparks Höchst. Foto: Maik Reuß Die Forschung im Blick: Susanne Ficus vor dem Tor West des Industrieparks Höchst.
Frankfurt. 

Susanne Ficus blickt auf den Industriepark Höchst – auf die gigantischen Produktionsanlagen, aber auch auf die zahlreichen Labore, in denen geforscht wird. Hier absolvierte sie einst ihre Ausbildung zur Biologielaborantin und lernte mit Erlenmeyerkolben, Reagenzgläsern und weitaus komplexeren Apparaturen, theoretische Annahmen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. „Wissenschaft muss frei sein“, fordert die 51-Jährige. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Deshalb ist sie Mitinitiatorin und Sprecherin des Organisationsteams des Frankfurter „March for Science“.

„Man muss nur beobachten, wie seit der Machtübernahme Donald Trumps wissenschaftliche Forschungsergebnisse negiert werden aus wirtschaftlichen Interessen“, empört sie sich. Dieser Umstand, ebenso der zeitweilige Einreisestopp in die USA, der zahlreiche Forscher plötzlich an Flughäfen stranden ließ sowie generell die zunehmende Verbreitung unwissenschaftlicher Irrlehren, ließen eine neue Bewegung dagegen entstehen. Inspiriert vom weltweiten „Women’s March“ zu Beginn des Jahres gehen am 22. April – dem sogenannten „Earth Day“ – Wissenschaftler auf die Straße. Nach aktuellen Stand sollen es weltweit 514 Wissenschaftsmärsche werden, 20 allein in Deutschland.

Die Bewegung entwickelt sich rasch und dynamisch. Das Leben von Susanne Ficus wurde dadurch verändert. Die Zeitumstände brachten sie dazu, sich gesellschaftlich zu engagieren. „Ich war früher eher unpolitisch, hab’ nur mein Kreuzchen bei Wahlen gesetzt“, erinnert sie sich. Doch das Erstarken antidemokratischer und fremdenfeindlicher Kräfte zwangen sie zum Handeln. Zunächst protestierte sie gegen den Frankfurter Pegida-Ableger, erlebte dabei ihre ersten Demonstrationen überhaupt. Bald begann sie sich in anderen Organisation zu beteiligen. Der montägliche Spuk rund um die Hauptwache war zwar bald zu Ende, aber Susanne Ficus spürte einen generellen Rechtsruck in der Gesellschaft. Deshalb trat sie einer Partei bei, der FDP. Dort wie auch bei der Organisation des „March for Science“ erlebt sie ständig neue Herausforderungen: „Vieles ist spannend und aufregend. Ich habe meinen Bereich gefunden, in dem ich mich einbringen kann.“ Ihre Hauptaufgabe beim „March for Science“ ist es, die Social Media-Kanäle zu pflegen Unterstützer zu gewinnen.

Unis und Firmen dabei

Darin ist Susanne Ficus sehr erfolgreich: Die Universitäten Frankfurt, Mainz, Gießen, Marburg, aber auch die TU Darmstadt rufen zur Teilnahme auf. Unterstützung kommt aber auch von weiteren wissenschaftlichen Institutionen sowie Firmen wie Sanofi und Provadis – Nachfolgern der Hoechst AG, dem einstigen Arbeitgeber von Susanne Ficus. Höhepunkte des Programms sind die Auftritte des Physikers Sascha Vogel mit einem „Science-Slam“ sowie von Stephanie Dreyfürst von der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“.

Plädoyer für Fakten

Zum Rednerkreis zählen ferner Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, ihre Amtskollegen aus Gießen, Mainz und von der Frankfurt University of Applied Sciences sowie Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Die Goethe-Uni betont, sie sei wegen ihrer Geschichte als Geburtsort der „Kritischen Theorie“ einem faktenbasierten Diskurs besonders verpflichtet.

Auch das Senckenberg-Institut beteiligt sich. Julia Krohmer ist dort Projektleiterin für Wissenstransfer und ebenfalls Mitinitiatorin des Frankfurter „March for Science“. Die annähernd 40 Millionen Sammlungsobjekte seien „Senckenbergs Bekenntnis, objektivierbare, belegbare Fakten als Grundlage wissenschaftlicher aber auch gesellschaftlicher Diskussionen bereit zu stellen.“ Die Geoökologin bezieht ihre Motivation für den „March for Science“ unter anderem daraus, „dass der Klimawandel wissenschaftlicher Konsens ist und seine Folgen sich schon sehr konkret abzeichnen, aber noch lange kein entschlossenes Handeln in Form eines – technisch inzwischen sehr wohl möglichen – gesellschaftlichen Umsteuerns in Bezug auf Klima- und Umweltpolitik erfolgt.“

Susanne Ficus ergänzt: „Eine verantwortungsvolle Umweltpolitik erfordert eine unabhängige Forschung.“ Was das konkret bedeutet, erlebte sie schon in ihrer Jugend, als in den 80er Jahren bei der damaligen Hoechst AG nach einem Ersatz für das Kühlmittel „Frigen“ geforscht werden musste, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der darin enthaltene Fluorchlorkohlenwasserstoff die Ozonschicht schädigt. „Das war dort drüben“, erinnert sich Susanne Ficus und deutet in die Weiten des Industrieparks.

 

Der „March for Science“ beginnt am Samstag, 22. April, um 13 Uhr mit einer Kundgebung an der Bockenheimer Warte, um 14 Uhr startet die Demonstration. Die Route verläuft über den Roßmarkt zum Römer, wo bis 17 Uhr weitere Reden gehalten werden.

 

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