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Einblicke in das Georg-Speyer-Haus: Wo Paul Ehrlich forschte

Paul Ehrlich war der erste Frankfurter, der einen Nobelpreis gewann. Im Historischen Museum ist ihm eine Ausstellung gewidmet. Gestern ging es aber dahin, wo er forschte.
Dieter Wesp zeigt das Labor im Georg-Speyer-Haus, in dem einst Paul Ehrlich experimentierte und zu Weltruhm kam. Bilder > Foto: Michael Faust Dieter Wesp zeigt das Labor im Georg-Speyer-Haus, in dem einst Paul Ehrlich experimentierte und zu Weltruhm kam.
Sachsenhausen. 

Der Laie weiß mit dem kryptischen Buchtitel „Tox. 606“ in der Vitrine wenig anzufangen. Doch zusammen mit all den historischen Gerätschaften und der charakteristischen Schwarzweißfotografie eines Forschers, der mit brennender Zigarre zwischen Labortischen und -schränken umherläuft, formt sich im Kopf des Besuchers ein lebendiges Bild: Hier experimentierte Paul Ehrlich mit seinen Kollegen Sahachiro Hata und Frieda Leuphold mit Arsen- und Benzolverbindungen, bis sie 1910 die richtige Zusammensetzung für das Medikament „Salvarsan“ (lateinisches Kunstwort für „heilendes Arsen“) gegen Syphilis fanden.

PaulEhrlich Bild-Zoom
PaulEhrlich

„Natürlich musste das Forscherteam die toxischen Experimente in einem Protokollbuch systematisch dokumentieren“, erklärt der Gästeführer Dieter Wesp, der früher selbst als Chemielaborant arbeitete. „Und genau diese Variante 606 erzielte den gewünschten Behandlungserfolg mit den wenigsten Nebenwirkungen.“ Dann führt er einen Erlenmeyerkolben vor und erklärt all die Fläschchen, Ampullen und die speziellen Spritzen, die Ehrlich damals für sein neues Medikament entwickelte. Kaum zu glauben, dass in dem antiquiert wirkenden Labor mit den Holztischen bis in die 1980er Jahre noch gearbeitet wurde.

Gestern gewährte Wesp Einblicke in Ehrlichs Forschungslabor im Georg-Speyer-Haus in der Paul-Ehrlich-Straße 44. Die Führung gehörte zum Begleitprogramm der Ausstellung „Arsen und Spitzenforschung. Paul Ehrlich und die Anfänge einer neuen Medizin“ im Historischen Museum.

Die Führungsteilnehmer durften auch einen kurzen Blick in das heutige moderne Labor des „Instituts für Tumorbiologie und experimentelle Therapie“ werfen, in dem spezialisierte Forschungsteams unter der Leitung des Onkologen Florian Greten an Medikamenten zur Bekämpfung von Krebs- und Infektionsarbeiten forschen. 1899 wurde die Forschungseinrichtung als „Institut für experimentelle Therapie“ (das spätere Paul-Ehrlich-Institut) auf die Initiative von Oberbürgermeister Franz Adickes gegründet, der sich eine Universität wünschte und Ehrlich für einen Umzug von Berlin nach Frankfurt gewinnen konnte.

Tour durch Ausstellung

Barbara Rubert führt am Sonntag, 10. Januar, ab 15 Uhr durch die Ausstellung „Arsen und Spitzenforschung – Paul Ehrlich und die Anfänge einer neuen Medizin“ im Historischen Museum.

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An die 1914 gegründete Universität wurde der 1854 in Schlesien geborene Arzt und Forscher als Professor für Pharmakologie ein Jahr vor seinem Tod berufen. „Anstelle der heutigen Universitätsklinik befand sich im westlichen Sachsenhausen bereits das städtische Krankenhaus, in dessen Nähe Adickes das Institut für experimentelle Therapie bewusst ansiedeln wollte“, erklärt Wesp.

Tatsächlich fand Paul Ehrlich, der zeitlebens lieber im Labor als am Krankenbett stand, im Georg-Speyer-Haus seine berufliche Erfüllung. Er hatte seinen Freund und Kollegen Robert Koch im Kampf gegen die Tuberkulose unterstützt und zusammen mit Emil Behring an Heilseren gegen Diphterie und Tetanus gearbeitet. Da noch ein Medikament gegen Syphilis fehlte, entwickelte er aus seinen Experimenten mit giftigen Teerfarbstoffen die Idee, den Erreger durch eine wirksame leicht toxische Arsenverbindung abzutöten. „Den Nobelpreis hatte Ehrlich bereits 1908 für die Seitenkettentheorie erhalten, die die Entwicklung von Antikörpern durch Immunisierung beweist“, erklärt Wesp. Schon bald nach dem Tod des jüdischen Forschers setzt seine Glorifizierung und Musealisierung ein. Am Ende des Rundgangs steht der Blick in einen edlen holzvertäfelten Raum mit einer lateinischen Widmung, die zugleich Mahnung ist: Die Arbeit des chemischen Therapeuten soll stets zum Nutzen und niemals zum Schaden des Patienten sein.

Wegen hoher Nachfrage können Führungen durch das nicht öffentliche Georg-Speyer-Haus derzeit nur noch für den 2. März und den 6. April unter Telefon 2 12-3 51 54 gebucht werden.

(got)
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