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Dreifach-Jubiläum an der Liebigschule: Wo der Europa-Gedanke noch lebt

Von 50 Jahre am Standort in Westhausen, 20 Jahre Europaschule und zehn Jahre Teilnahme am EU-Projekttag: Gründe zum Feiern gibt es an der Liebigschule in diesem Jahr genügend.
Europa-Ministerin Lucia Puttrich und Schulleiterin Sabine Brieske bestaunen Melissa und Hannah (beide 14 Jahre alt), die die Gäste aus luftiger Höhe begrüßten. Foto: L.Hamerski Europa-Ministerin Lucia Puttrich und Schulleiterin Sabine Brieske bestaunen Melissa und Hannah (beide 14 Jahre alt), die die Gäste aus luftiger Höhe begrüßten.
Westhausen. 

Es sind große Begriffe, die in den Grußworten zum 20. Geburtstag der Liebigschule als Europaschule gestern immer wieder fallen: Europa als Friedensprojekt, als Zeichen für Einigkeit, als Erfolgsgeschichte, als Kontinent, in dem Grenzen keine Rolle spielen sollen. Schulleiterin Sabine Brieske betont europäische Ideen wie diese, genauso wie die Hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Lucia Puttrich (CDU) und Stadträtin Elke Sautner (SPD).

Dass diesen Worten nicht nur Lobeshymnen folgen, ist klar. „Wir müssen uns dringend überlegen, wie wir dieses Europa in Zukunft sichern wollen“, sagt Puttrich. „Es ist wichtig, dass die neue Generation von Europäern, die hier ausgebildet wird, diese Werte versteht“, schließt sich Sautner ihr an. Und auch Liebigschüler wie Emil Siahpoush und Beza Tefera halten sich mit Mahnungen in ihren „Poetry Slam“-Beiträgen nicht zurück.

Der 16-jährige Emil hinterfragt in seinem Vortrag die europäischen Werte und macht dabei klar, wie schwierig es ist, heute die Solidarität der Mitgliedsländer aufzuwiegen. Von Europa im Jahr 2016 kommt er auf die DDR zu sprechen: „Ein Unrechtsstaat, in dem in über 40 Jahren hunderte Menschen ihr Leben verloren. Die Grenzen Europas forderten in den letzten Jahren zehntausende Opfer. Das Resultat: ein Friedensnobelpreis“, heißt es sinngemäß in seinem Beitrag. Die 15-Jährige Beza berichtet indessen aus dem Blickwinkel eines Flüchtlingsmädchens: „Es tut mir weh nicht verstanden zu werden, in einer Welt, die nur sich selbst versteht“, schreibt sie in ihrem Text.

Eine von vier Schulen

Die Kreativität der beiden Jugendlichen, die mit ihren Beiträgen kürzlich den „Poetry Slam“-Wettbewerb „Europa 2016 – wo stehst du“ an dem Gymnasium gewannen, beweist: Die Liebigschule sorgt als eine von vier Frankfurter Europaschulen seit 20 Jahren dafür, dass die jungen Menschen, die hier zur Schule gehen, politisches Denken in ihrem Alltag kaum mehr ausblenden können. „Die Vorteile Europas sind hier präsenter als bei vielen anderen Schulen ohne Zertifizierung“, sagt auch Schülerin Sarah Akil, die die Schülerschaft bei einer Podiumsdiskussion mit ehemaligen Lehrern sowie Mitarbeitern des Staatlichen Schulamts und des Kultusministeriums vertritt: „Ich bin erst seit anderthalb Jahren an der Liebigschule und habe dadurch einen guten Vergleich. Allein die Tatsache, dass hier fast wöchentlich Austausch mit anderen europäischen und internationalen Schulen stattfindet, zeigt, wie wichtig es ist, dass die Grenzen für Bildung mit der Schaffung Europas weitestgehend verschwunden sind“.

1996 zertifiziert

Dass diese Erkenntnis für sie und ihre Mitschüler inzwischen etwas Alltägliches ist, dafür haben sich die ehemaligen Lehrer Stefan Auth und Gerhard Amberger vor über zwei Jahrzehnten eingesetzt. Im gemeinsamen Podiumsgespräch erzählen sie, dass das Konzept Europaschule nicht von Anfang an begeisterte: „Bei der ersten Runde im Kollegium ist die Idee abgelehnt worden, so dass die Liebigschule erst noch einige Jahre assoziierte Schule war. Im September 1996 entschloss man sich dann doch für den Schritt zur Zertifizierung“, erzählt Auth.

Die Liebigschule gehörte damit dennoch zu den ersten von heute über 30 Europaschulen in Hessen, die sich seit 1992 der Weitergabe europäischer Werte verschrieben haben. In den Schulen werden etliche Sprachen auch durch Zweisprachigkeit in anderen Unterrichtsfächern weitergegeben, man tauscht sich untereinander aus und richtet weit größeres Mitspracherecht für die Schüler ein, als an anderen Schulen üblich.

Schulleiterin Sabine Brieske betonte, dass das jedoch nicht der einzige Grund zum feiern sei: „Wir feiern in diesem Jahr zusätzlich 50-Jähriges an unserem derzeitigen Standort“, sagt sie und erklärt, dass die Schule bereits seit 1855 in Bockenheim existierte und 1966 auf das damals freie Gelände in Westhausen zog. Mittlerweile befinde sich die Schule wieder an einem ähnlichen Punkt in ihrer Geschichte wie damals, als Vergrößerung und Umbau bevorstanden und dringend Handlungsbedarf bestand. Dass das diesmal allzu schnell vonstatten geht, kann ihr Stadträtin Sautner jedoch nicht versprechen.

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