Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 23°C

Biber in Fechenheim: Wo es dem Biber schmeckt

Von Dass der Biber von Bad Vilbel kommend längst die Niddamündung erreicht hat, weiß man bereits. Doch jetzt hat sich ein Biber seit zwei Monaten am Main in Fechenheim gemütlich gemacht.
Werner Weischedel zeigt die großen Weiden, die der Biber am Fechenheimer Mainufer fällte. Foto: Leonhard Hamerski Werner Weischedel zeigt die großen Weiden, die der Biber am Fechenheimer Mainufer fällte.
Fechenheim. 

Erst war es nur ein bisschen abgeschabte Rinde an einem Baum. Dann waren Anfang Oktober aber die ersten Bissspuren an den Bäumen entlang des Mainufers zu sehen, erinnert sich Werner Weischedel. „Ich dachte erst, da haben Kinder mit einem Beil gespielt. Erst als ich näher kam, sah ich, dass ein Biber an den Bäumen genagt hat.“

Info: Das zweitgrößte Nagetier

In Hessen wurden 1987 die ersten Biber wieder angesiedelt, in den Bächen Sinn und Jossa im Sinntal. Von dort breiteten sie sich langsam aus, um das Jahr 2000 herum wurden die ersten Tiere in der Nidda gesichtet.

clearing

Jetzt, zwei Monate später, hat das offenbar männliche Tier schon ganze Arbeit geleistet: Mehrere Bäume hat es umgenagt. Von einigen etwa Arm dünnen Weiden ist nur noch der abgenagte Stumpf übrig. Dass es in der Nidda Biber gibt und diese seit einigen Jahren auch in Frankfurt heimisch sind, ist bekannt. Erstmals sind sie jetzt aber im Main aufgetaucht, im Süden des Fechenheimer Mainbogens.

Gefällte Bäume gesichert

Im Winter ernährt sich der Biber von der Rinde der Weidenbäume – „und weil er ja nicht klettern kann, muss er sie eben fällen“, sagt Manfred Sattler, ehrenamtlicher Biber-Experte des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt. Sonst fresse er die jungen Triebe und Blätter – aber die gibt es ja zurzeit nicht. Weil die als Vorratslager dienenden Bäume ins Wasser gefallen sind, hat Weischedel die Stämme mit Ketten zusammengezurrt und am Ufer befestigt. „Sonst schwimmen sie noch davon. Und der Main ist europäische Wasserstraße. Wenn so ein Baum in die Schraube oder das Ruder eines Schiffes gerät, kann das böse enden“, sagt er.

Weischedel vermutet, dass der Biber aus der Kinzig gekommen ist. „Schließlich sieht man dort an vielen Stellen Bissspuren der Tiere.“ Möglich sei das, sagt auch Sattler. „Er kann aber auch den Main flussabwärts geschwommen sein. Oder er kam aus der Nidda, aber das ist eher unwahrscheinlich.“

20 Reviere an der Nidda

In Hessen war der Biber bereits ausgestorben und wurde 1987 wieder angesiedelt (siehe eigener Bericht). Im Jahr 2000 gelangten die ersten in die Nidda und wanderten den Fluss hinab. Inzwischen gibt es in Frankfurt zwei Reviere, in Berkersheim und in Bonames, sagt Manfred Sattler. „In Berkersheim lebt eine ganze Familie, das verrät die hohe Zahl der Bissspuren. Die Tiere haben eine Biberburg gebaut.“ Diese sehe aus wie ein achtlos aufgetürmter Haufen Reisig, in der Nähe treibe ein Futterfloß auf der Nidda.

Ob die auch in Praunheim oder Sossenheim gesichteten Biber dort nur auf der Durchreise sind, etwa von den Eltern nach zwei Jahren aus der Burg verjagte Jungtiere aus Berkersheim, sei schwer zu sagen, erklärt Sattler. „Erst wenn sie zwei Jahre hintereinander am selben Ort sind, sprechen wir von einem neuen Revier.“

Dass die Biber am Main oder an der Nidda auch jene Dämme bauen, für die sie berühmt sind, bezweifelt Sattler allerdings. „Sie stauen das Wasser, wenn es nicht tief genug ist, um eine Burg mit unter Wasser liegenden Eingang zu bauen“, sagt Sattler. Am liebsten fressen sie Weiden, wo es nur Erlen gibt halten sie sich meist nicht lange auf, führt er aus. Schäden richten sie dabei nicht an. „Sind alle Weiden abgefressen, ziehen sie weiter. Und die Bäume haben Gelegenheit, wieder nachzuwachsen.“

Dass der Biber auch im Main nach Frankfurt komme, sei nur eine Frage der Zeit gewesen, erklärt Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde Frankfurt. „Dass er in Fechenheim angekommen ist, zeigt, wie gut es ist, dass wir dort 2018 den kleinen Altarm herstellen wollen.“ Anders als in der aus Steinen bestehenden Uferböschung des Mains könne der Biber dort einfach eine Wohnhöhle in die Böschung oder gar eine Burg bauen. Wenn der geplante große Altarm fertig sei, dessen Bau in zehn Jahren beginnen könnte, entstehe hier für den Biber, aber auch für den Storch ein guter Lebensraum.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse