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Wohin mit den Flüchtlingen?

Von Die evangelische Kirchengemeinde Cantate Domino hat 22 Flüchtlingen Zuflucht in ihren Räumen gewährt. Weil aber unter anderem Duschen und Toiletten fehlen, können sie nicht dauerhaft bleiben. Deshalb wird jetzt dringend nach Lösungen gesucht.
Kirchengemeinde statt Untermainbrücke: Der Ghanaer Frank E. (23), einer der 22 afrikanischen Flüchtlinge, wischt den Boden seines »Zuhauses«.Fotos: Hamerski Kirchengemeinde statt Untermainbrücke: Der Ghanaer Frank E. (23), einer der 22 afrikanischen Flüchtlinge, wischt den Boden seines »Zuhauses«.Fotos: Hamerski
Frankfurt. 

Noch bis vor Kurzem mussten 22 afrikanische Flüchtlinge unter einer Frankfurter Brücke schlafen. Dann nahm die evangelische Kirchengemeinde Cantate Domino in der Nordweststadt die Männer bei sich auf. Seit Sonntag sind sie in einem großen Raum untergebracht. Unter dem gut drei Meter hohen Kreuz haben sie ihre Matratzen und Schlafsäcke ausgebreitet. Es ist ein karger Raum. Trotzdem wischt ihn der Ghanaer Frank E. (23) gründlich aus und verscheucht jeden seiner Mitbewohner, damit sie den Boden nicht gleich wieder verschmutzen. Denn es ist ihr Zuhause. Wenn auch nur für eine Weile. Trotzdem: Es soll sauber sein. Nicht wie unter der Untermainbrücke

 

Keine Duschen und Toiletten

 

Wie lange die Flüchtlinge noch in der Kirchengemeinde bleiben können, ist derzeit unklar. „Wir brauchen eine menschenwürdigere Unterkunft“, sagt Pfarrerin Sabine Fröhlich. Es fehlen Duschen und Toiletten, denn die der Gemeinde werden derzeit saniert. Trotzdem, sagt Fröhlich, hätten sie etwas unternehmen und die Männer von der Straße holen müssen. „Das hätten wir sonst nicht mit unserem Gewissen vereinbaren können“, sagt sie. Innerhalb kürzester Zeit seien Matratzen, Schlafsäcke, Hygieneartikel und Essen für die 22 Männer organisiert worden.

Jetzt wird nach Lösungen gesucht, um die Männer durch den kalten Winter zu bringen. Für den kommenden Freitag sei deshalb ein Runder Tisch organisiert. Verschiedene Vertreter kirchlicher Einrichtungen - darunter das Diakonische Werk, der evangelische Regionalverband Frankfurt und drei Ggemeinden - treffen sich, um die nächsten Schritte zu beraten. „Wir ziehen alle Fachleute zusammen und sehen, wie wir auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge eingehen können“, sagt Pfarrer Ralf Bräuer, Sprecher des Evangelischen Regionalverbandes. Über weitere Inhalte könne er nichts sagen.

Zunächst sei wichtig, sich ein Bild von der Situation zu machen. Danach müsse entschieden werden, ob die Männer in ihrer jetzigen Unterkunft bleiben könnten, oder ob eine andere gefunden werden muss. „Vorzugsweise zentral. Damit sie alle für sie wichtigen Einrichtungen und Beratungsstellen leicht erreichen können“, sagt Fröhlich. Geht es nach Bräuer, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, mit gutem Beispiel in Sachen Flüchtlingspolitik voran zu gehen. „Frankfurt kann jetzt eine Vorreiterrolle übernehmen“, sagt er. Wichtig sei deshalb, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

 

Stadt will mit an den Tisch

 

Die Stadt Frankfurt ist zu dem Treffen bislang nicht eingeladen, wäre aber bereit, daran teilzunehmen. „Uns wäre zudem wichtig, Leute aus den Jobcentern und der Ausländerbehörde dabei zu haben“, sagt Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Dann könne direkt geklärt werden, was rechtlich für die Flüchtlinge möglich sei und was nicht.Die Anwesenheit der Stadt Frankfurt käme Pfarrerin Sabine Fröhlich gerade recht. „Die Männer müssen wissen, ob sie hier bleiben können oder nicht“, fordert sie die Stadt zum Handeln auf.

Manuela Skotnik erklärt, dass es dabei zunächst darauf ankomme, ob die Männer schon einen gültigen Aufenthaltstitel hätten - etwa aus Italien. Dann nämlich dürften sich die Männer ohnehin in Deutschland frei bewegen. „Allerdings haben sie keinen rechtlichen Anspruch auf Sozialleistungen oder Arbeitsvermittlung“.

Das ist laut Pfarrer Ulrich Schaffert von der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde aber genau das Problem. „Wir müssen den Menschen eine Perspektive geben“, sagt er. Es sei unsinnig, Flüchtlinge zurück in ein Land zu schicken, in dem sie aus ihrer Sicht ein schlechtes Leben erwartet. „Deswegen kommen sie doch gerade zu uns“. Die deutsche und die europäische Politik müsse hier endlich umdenken. Pfarrer Schaffert: „Wir können diejenigen sein, die diese Odyssee der Flüchtlinge beenden. Aber nur, wenn wir sie nicht von dem einen Land ins nächste verschieben.“
 

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Es sind einmal mehr wenige Hände, die große Taten verrichten. Anders ist die spontane Aufnahme der 22 Flüchtlinge in Cantate Domino nicht zu bezeichnen.

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