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Wohnen auf dem Bunkerdach

Der Bund will 15 Bunker in Frankfurt verkaufen. Die werden vor allem von Vereinen genutzt, die einer unsicheren Zukunft entgegenblicken. Ein privater Bunkerbesitzer in Griesheim zeigt, wie die alten Bauten außerdem genutzt werden können.
Viel soll am eigentlichen Hochbunker am Gemeindegarten nicht verändert werden. Nur auf dem Dach sollen acht Luxuswohnungen entstehen. Viel soll am eigentlichen Hochbunker am Gemeindegarten nicht verändert werden. Nur auf dem Dach sollen acht Luxuswohnungen entstehen.
Frankfurter Westen. 

Acht Luxuswohnungen sollen bis Ende des Jahres auf dem Dach des Hochbunkers am Gemeindegarten entstehen. "Sobald das Wetter etwas besser wird, können wir mit den Arbeiten weitermachen", sagt Dorothee Kuhlmann, die Frau des Heidelberger Architekten Till Kuhlmann. Schon jetzt steht ein Gerüst an der dicken Außenwand des Hochbunkers. "Als nächstes kommt dann die Außentreppe und der Aufzug", sagt Dorothee Kuhlmann.

Modellprojekt in Frankfurt

Wohnen auf dem Bunkerdach: Ganz neu ist die Idee zwar nicht, in Frankfurt ist sie aber einmalig. "Solche Projekte gibt es bereits in anderen Städten. Dann aber meistens mit nur einer riesigen Penthouse-Wohnung auf dem Dach", erklärt Kuhlmann. Die acht, jeweils rund 100 Quadratmeter großen Wohnungen auf dem Griesheimer Bunkerdach sollen Ende 2012 bereits bezugsfertig sein. "Dann wollen wir sie vermieten", sagt Kuhlmann.

Wäre das Projekt in Griesheim ein Erfolg, könnte es zum Modell für weitere Bunkerbauten in den Stadtteilen werden. "Wenn alles gut läuft wäre es sicherlich vorstellbar, so etwas noch einmal zu machen", spekuliert Kuhlmann. Auswahl an möglichen Bauplätzen in luftiger Höhe gibt es genug. Nachdem die Luftschutzbauten nicht mehr zum Katastrophenschutz gehören, werden 15 von ihnen von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zum Verkauf angeboten. Der Griesheimer Bunker wurde bereits 2008 an Kuhlmann verkauft.

Das allerdings kann für die Vereine in den Stadtteilen zum echten Problem werden. Rund 50 Vereine nutzen die Räume in den Hochbunkern als Abstell- und Lagerraum. Die Nebenkosten wurden bislang von der Branddirektion getragen. Nun sollen sie auf die Vereine abgewälzt werden. Die Vereine befürchten teilweise Kostensteigerungen um bis zu 300 Prozent. Karl-Leo Schneeweiß, der Vorsitzende des Vereinsrings Unterliederbach und stellvertretende Vorsitzende des Stadtverbands der Vereinsringe, weiß, wie wichtig die Räume für die Arbeit in den Vereinen sind. "Die Vereine sind auf die Bunker angewiesen." Problematisch ist für viele Vereine auch, dass sie wegen der geplanten Bunkerverkäufe nur noch kurzfristige Mietverträge angeboten bekommen.

"Gutes Gefühl"

Gemeinsam mit Helmut Heuser, CDU-Fraktionschef im Römer, stattete Schneeweiß der Bima in Bonn deshalb einen Besuch ab, um Werbung für die Interessen der Vereine zu machen. "Konkrete Zusagen haben wir zwar nicht bekommen, aber wir sind mit einem guten Gefühl zurückgekommen", berichtet Heuser. Die Bima habe Verständnis und Kooperationswillen gezeigt.

Indes berichtet die Stadt, ihr seien drei Bunker zum Verkauf angeboten worden, teilweise jedoch zu horrenden Preisen. 1, 1 Millionen Euro für den Bunker an der Friedberger Anlage oder zwei Millionen für den an der Mörfelder Landstraße seien für die Stadt nicht realisierbar, sagt Alfred Gangel, Leiter des Liegenschaftsamts. "Wir haben ein Gegenangebot gemacht, das sich an den Mietpreisen der Vereine orientiert. Allerdings auch mit der Auflage versehen, dass eine Nachzahlung fällig wird, sollte sich die Nutzung ändern", so Gangel. Viele der von den Vereinen genutzten Bunker seien jedoch noch gar nicht auf dem Markt.

Verkauft worden sei indes bereits der Bunker in der Peter-Bied-Straße in Unterliederbach, berichtet Karl Leo Schneeweiß. "Da müssen wohl noch einige Papiere unterzeichnet werden, aber das ist der letzte Stand, den ich von der Bima habe." Wer der Käufer des Bunkers ist, sei ihm nicht verraten worden. "Aber ich habe gebeten ihm ausrichten zu lassen, dass es Vereine gibt, die ein großes Interesse daran haben, den Bunker zu nutzen", so Schneeweiß. Unsicherheit herrscht auch weiter in Sindlingen. "Den dortigen Bunker wollen die Vereine auch weiter nutzen. Die Bima hat versprochen, die Verträge noch einmal zu prüfen", sagt Schneeweiß.

In der Verwaltung der Branddirektion bliebe hingegen der Bunker am Höchster Bahnhof – für den geplanten Bahnhofsumbau samt Neugestaltung des Vorplatzes ein nicht ganz unwichtiges Detail: Er soll nach dem Umbau kulturell genutzt werden. göc

(Robin Göckes)
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