Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 27°C
1 Kommentar

Montagsinterview: Wohnungsbau-Lobbyist Axel Tausendpfund: "Der Druck ist extrem stark"

Das Thema Wohnen und (hohe) Mieten beschäftigt Frankfurts Bürger und Kommunalpolitiker. Mit dem Direktor des Verbandes der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, Axel Tausendpfund, sprach FNP-Redakteur Thomas Remlein.
„Mieteinnahmen müssen sich an der normalen Kostenentwicklung orientieren, damit Wohnungseigentümer auch investieren können“, sagt Axel Tausendpfund, Direktor des Verbandes der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) „Mieteinnahmen müssen sich an der normalen Kostenentwicklung orientieren, damit Wohnungseigentümer auch investieren können“, sagt Axel Tausendpfund, Direktor des Verbandes der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft.

Müsste die Stadt Frankfurt angesichts des Wohnungsmangels nicht einen neuen innovativen Stadtteil, beispielsweise am Pfingstberg konzipieren und ausweisen?

TAUSENDPFUND: Die politische Diskussion darüber läuft auf Hochtouren. Der Pfingstberg wird von der SPD favorisiert. Die CDU hat andere Vorschläge. Wenn man sich den Bedarf an Wohnungen in Frankfurt für die nächsten 20 Jahre anschaut, dann werden wir das, was wir brauchen, nicht über Nachverdichtungen innerhalb des Stadtbereichs erreichen. Nachverdichtungspotenzial besteht für maximal 20 000 Wohnungen, wir brauchen aber 50 000 Wohnungen bis 2030. Wir werden also auch in die bisher nicht besiedelten Außenflächen gehen müssen.

Zur Person: Sein Verband wacht über 400 000 Wohnungen

Der 42-jährige Axel Tausendpfund ist seit September 2016 Direktor des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest). Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Erlangen,

clearing

Also der Pfingstberg oder etwas anderes. Sie machen ja demnächst eine Veranstaltung zum Thema Wohnen in der Region. Wo sehen Sie Platz für neue Wohnungen im Großraum Frankfurt?

TAUSENDPFUND: Innerhalb Frankfurts sind die Ressourcen begrenzt. Aber es gibt in Städten um Frankfurter herum Potenziale, die man heben kann.

An welche denken Sie da?

TAUSENDPFUND: Ich weiß von mehreren Mitgliedsunternehmen, die in Frankfurt ansässig sind und dort auch den Hauptwohnungsbestand haben, dass diese ganz stark nach Offenbach und Friedberg ausweichen.

Wie schaffen Ihre Verbandmitglieder mehr Wohnraum?

TAUSENDPFUND: Sie gehen in die Neubautätigkeit. Das gilt sowohl für die kommunalen Gesellschaften als auch für die Genossenschaften. Der Flaschenhals ist das Bauland. Sie würden gerne mehr bauen, aber sie haben einfach zu wenig Flächen.

Sehen Ihre Mitgliedsunternehmen im Umland, in Bad Vilbel, Dortelweil oder Richtung Taunus nach Bad Schwalbach hin, keine Möglichkeit?

TAUSENDPFUND: Wir haben Unternehmen, die in den von Ihnen genannten Städten angesiedelt sind und dort neue Wohnungen bauen. Aber der Druck ist vor allem innerhalb Frankfurts extrem stark. In Bad Schwalbach beispielsweise ist Wohnraum nicht so knapp – und es gibt noch Bauland.

Was halten Sie von der vom Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) verfügten Mietpreisbremse für die städtische ABG Holding? Es begrenzt Mieterhöhungen auf maximal fünf Prozent in fünf Jahren.

TAUSENDPFUND: Davon halten wir nichts. Die ABG bietet auch ohne diese Bremse bezahlbare Wohnungen an. Insofern ist das nicht erforderlich. Mieteinnahmen müssen sich an der normalen Kostenentwicklung orientieren, damit Wohnungseigentümer auch investieren können.

Haben Sie eine Durchschnittszahl über die Miethöhe Ihrer Verbandsmitglieder?

TAUSENDPFUND: Die Nettokaltmiete unserer Mitgliedsunternehmen in Hessen liegt bei 5,78 Euro pro Quadratmeter und Monat. Bei der Nassauischen Heimstätte haben 90 Prozent der Mietverhältnisse eine Miete unter sieben Euro pro Monat und Quadratmeter.

Die Kosten für die Wärmedämmung können Vermieter an den Mieter weiterreichen. Für diesen ergeben sich dann mehr Kosten als er über die Heizkosten sparen kann. Müsste sich da nicht etwas ändern?

TAUSENDPFUND: Die Diagnose ist richtig. Die Kosten für die energetische Modernisierung sind aufgrund erhöhter Standards von der Politik immer weiter nach oben getrieben worden. Gleichzeitig haben sich die Energiepreise nicht in derselben Dynamik entwickelt. Deshalb sagen wir: Nicht noch weiter die Standards verschärfen, sonst geht die Schere noch weiter auf.

Kann der Vermieter die energetische Modernisierung auch unterlassen?

TAUSENDPFUND: Da müssen wir unterscheiden: Im Neubau gelten die Vorschriften in vollem Umfang. Im Bestand greift die ENEV (Energieeinsparverordnung) anders. Aber auch wenn Vermieter die energetische Modernisierung im Altbau machen, dann müssen sie es auf dem neusten Stand machen. Den Zielkonflikt zwischen energetischer Anforderung, C02-Einsparung und bezahlbaren Mieten kann die Wohnungswirtschaft nicht allein lösen.

Das Land Hessen hat mit 6,0 Prozent einen sehr hohen Grunderwerbsteuerersatz. Das verteuert die ohnehin teuren Immobilien. Auch die Grundsteuer in vielen Gemeinden ist hoch. Können Sie da keine Lobbyarbeit machen?

TAUSENDPFUND: Das Thema sprechen wir immer wieder an, beispielsweise in der Allianz für Wohnen in Hessen. Dort ist unsere Forderung nach einem niedrigeren Steuersatz bekannt.

In Frankfurt sind die Grundstücke ohnehin teuer und darauf noch sechs Prozent.

TAUSENDPFUND: Damit verteuert eine hohe Grunderwerbsteuer auch das Bauen und Wohnen. Bei der Grundsteuer ist die Reform seit Jahren in der Pipeline. Das Bundesverfassungsgericht prüft, ob die Grundsteuer so, wie sie jetzt aufgebaut ist, verfassungswidrig ist. Wir fordern: Reform ja, aber sie muss aufkommensneutral sein. Schließlich zahlen die Mieter die Grundsteuer als Teil der Nebenkosten. Die Reform muss praktikabel und handhabbar sein. Es darf kein Bürokratiemonster werden.

Da wird der Gesetzgeber bei bebauten Grundstücken aus Umweltschutzgründen bei der Festlegung der Grundsteuer eine energetische Komponente erfinden.

TAUSENDPFUND: Das ist in der Diskussion; das ist kein Witz. Wer ein energetisch ertüchtigtes Gebäude hat, soll weniger zahlen. Aber wie wollen Sie das kontrollieren?

Vorschriften für das barrierefreie Wohnen verteuern ebenfalls die Mieten. In Gebäuden mit mehr als zwei Wohnungen müssen laut hessischer Bauordnung die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar sein müssen. In diesen müssen Wohn- und Schlafräume, eine Toilette, ein Bad und die Küche oder Kochnische mit dem Rollstuhl zugänglich sein. Sind solch detaillierte Vorschriften sinnvoll?

TAUSENDPFUND: Die hessische Bauordnung wird gerade überarbeitet. Die Novelle soll Ende April in den Landtag eingebracht werden. Dann wird sich eine Anhörung über das Thema Barrierefreiheit anschließen.

Haben Sie Hoffnung, dass sich etwas ändert?

TAUSENDPFUND: Nach den Signalen, die wir bisher bekommen haben, hoffen wir auf Erleichterungen, die wir in der Vergangenheit immer wieder gefordert haben. Wir sprechen uns als Verband nicht per se dagegen aus, dass man barrierefrei oder barrierearm baut. Ob wir im Neubau Türen mit einem Meter statt 80 Zentimetern Breite einbauen, damit ein Rollstuhl durchpasst, das ist kostenmäßig zu verkraften. Im Bestand haben Sie dagegen ein Riesenproblem. Die andere Frage ist: Was ist wirklich der Bedarf? Da habe ich den Eindruck, dass man über den tatsächlichen Bedarf hinaus Vorschriften macht, die dazu führen, dass man Wohnungen barrierefrei baut, die nicht gebraucht werden.

Ein Freund von mir in der Bauverwaltung war entsetzt, als er im Genehmigungsverfahren für vier Ferienwohnungen zwei barrierefreie Wohnungen fordern musste.

TAUSENDPFUND: Barrierefreie Wohnungen sind wichtig. Man muss sich aber schon fragen, ob wirklich 50 Prozent der Gäste im Rollstuhl anreisen.

Wie kann aus Ihrer Sicht kostengünstiger gebaut werden?

TAUSENDPFUND: Die Baukosten sind in den vergangenen acht Jahren um 40 Prozent gestiegen.

Die Nachfrage bestimmt die Preise.

TAUSENDPFUND: Das ist ein Aspekt. Der andere sind die gesetzlichen Anforderungen, gerade im energetischen Bereich. Aus dieser Kombination ergibt sich, dass die Baupreise stärker gestiegen sind als die Lebenshaltungskosten.

Wie hoch sind die Baupreise?

TAUSENDPFUND: Ich würde sagen: Je Quadratmeter 2000 Euro aufwärts. Dann gibt’s eine große Bandbreite. Die Kosten für das Grundstück kommen noch oben drauf.

Wie kann trotzdem günstig gebaut werden? Denken Ihre Mitglieder über architektonische Maßnahmen nach? Beispielsweise den Verzicht auf Keller?

TAUSENDPFUND: Es gibt unterschiedliche Ansätze. Die ABG-Holding hat ein Projekt, bei dem sie außenliegende Treppenhäuser baut, weil das günstiger ist, andere lassen die Keller weg oder sparen an den Außenanlagen. Die Grundproblematik ist: Wenn Sie heute neu bauen und vermieten, bekommen Sie selbst im günstigsten Fall mit Mieten unter zehn Euro nicht hin – ohne Nebenkosten.

Rechnen Sie mit weiter mit überproportional steigenden Baupreisen?

TAUSENDPFUND: Das hängt maßgeblich davon ab, wie durch die Politik die Vorgaben gemacht werden.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse