Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 15°C

Oase für gestresste Städter im Wald: Workshops zum Nixtun

Jan Philip Johl macht andere Menschen glücklich. Zumindest versucht er es. Auf immer neuen Wegen. Nach dem "Glück ist jetzt"-Laden in Frankfurt baut er an seinem "paradies&das" im Wald bei Offenbach.
Der selbst ernannte „Feelgoodmanager“ Jan Philip Johl sitzt während seines „Nixtu-Workshops“ im Fenster einer Hütte. Foto: Boris Roessler (dpa) Der selbst ernannte „Feelgoodmanager“ Jan Philip Johl sitzt während seines „Nixtu-Workshops“ im Fenster einer Hütte.
Frankfurt/Offenbach. 

„Ich bin ein Happie, kein Hippie“, sagt Jan Philip Johl. Dabei liegt diese Verwechslung nahe, wenn er mit seinem bunten VW-Bus durch die Gegend fährt, in Frankfurt Ansteckblumen verteilt, um Passanten glücklich zu machen, oder im Wald Hütten zimmert, um dort Nixtun-Workshops anzubieten. Nach seinem Beruf gefragt, gibt der 51-Jährige „Feelgood-Manager“ an. Manchmal sagt er auch: Happiness-Manager.

Zeit für eine Partie Backgammon finden zwei Teilnehmer des „Nixtu-Workshops“. Bild-Zoom Foto: Boris Roessler (dpa)
Zeit für eine Partie Backgammon finden zwei Teilnehmer des „Nixtu-Workshops“.
Als Lebenskünstler sieht er sich nicht, aber damit verhält es sich wohl ähnlich wie mit dem Hippie. „Der glückliche Jan“, wie er sich nennt, stammt aus einer Offenbacher Lederfabrikanten-Dynastie. Bis heute gehören Taschen, die wie Schultaschen aus vergangenen Jahren aussehen, zu den Produkten und Dienstleistungen, mit denen Johl Menschen glücklich machen will. 2001, als er mit dem Glücksbusiness anfing, hatte Johl auf dem Land einen verwilderten Garten gekauft und in der Stadt einen Laden aufgemacht. „Glück ist jetzt“ heißt die Allzweck-Location im Stadtteil Nordend, in der jeder das anbieten kann, was ihn selbst glücklich macht, um damit andere glücklich zu machen: Massagen, Lach-Yoga, Tanzen, Musik, Reden, Kuchenessen, Abhängen.

Im Wald baute er unterdessen an seinem „Asterixdorf“: Baufirmen schenkten ihm ausgebaute Holzfenster oder Bretter, Gäste brachten alte Möbel mit, selbst ein Klavier steht dort mitten im grünen Dschungel. Johls „paradies&das“ zu finden, ist nicht leicht: Der Garten hat keine Adresse, die Hausnummer 444 ist erfunden. Noch kommen überwiegend Freunde und Freunde von Freunden, aber demnächst will er dort „Nixtu-Workshops“ für gestresste Städter anbieten.

Beim Vermarkten hilft ihm Fabian Krüger (28), der früher in der Automobilbranche tätig war, dann in Indien lebte und nun ein Mode-Label für Gammel-Klamotten namens „Get Lazy“ in Karlsruhe betreibt. „Ein Pipi-Langstrumpf-Spielplatz für Erwachsene“ sei das hier, sagt er. Genau das, was Menschen wie er früher einer war – Menschen, die im „goldenen Hamsterrad“ leben – brauchten.

In einer Hängematte sitzt die Französin Barbara – und tut nichts. Bild-Zoom Foto: Boris Roessler (dpa)
In einer Hängematte sitzt die Französin Barbara – und tut nichts.
Auch die anderen Gäste an diesem Tag kommen von weit her: Frank aus Rotterdam, Barbara aus Straßburg, Kai aus Hamburg. Im Wintergarten vor dem einzigen Haus mit festen Wänden spielen Valentin und Andreas Backgammon. Daniela hat vegane Cracker mitgebracht, Kai seine mobile Massageliege aufgebaut. Man kann in der Hängematte fläzen, auf einem Trampolin springen, auf Bäume klettern oder am Lagerfeuer sitzen. Mit strengen Regeln: kein Alkohol, natürlich keine Drogen, auch kein Fleisch – und geraucht wird vor dem Tor.

Zahlende Gäste sind heute nicht da, aber das stört keinen. „Wir müssen das wachsen lassen“ sagt Johls Lebensgefährtin Patricia. Nichts ist perfekt hier, nicht der Garten und nicht die Geschäftsidee, aber das ist im „paradies&das“ eher Konzept als Makel: „Dieser Ort in seiner kompletten Un-Perfektheit, so gewollt dilettantisch, der lässt unglaublich viel zu“, glaubt Daniela. „Ein Raum, der Raum lässt.“

Reich werde er mit seiner Glücksarbeit nicht, sagt Johl. Dass er von seinem Erbe lebe, sei ein Gerücht. In seiner idealen Welt würden glückliche Menschen ohne Geld auskommen: Jeder macht das, was er am liebsten macht, und hilft damit anderen. „Aber soweit sind wir noch nicht.“ Bis es soweit ist, hofft er auf einen „Glücksionär“, dem er einen Deal anbieten kann: Der Millionär sponsert seine Aktivitäten – und bekommt dafür: Glück. lhe

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse