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Experten zeichnen ein düsteres Bild vom Frankfurter Wohnungsmarkt: Wuchermieten könnten bald normal sein

Von Frankfurter Wohnraum wird knapp, Bauland und Mieten werden unbezahlbar. In der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen suchten Wirtschaft, Politik und bürgerliches Engagement nach Auswegen.
Begehrt und teuer: 

Altbauwohnungen wie hier in Frankfurt. Foto: Arne Dedert (dpa) Begehrt und teuer: Altbauwohnungen wie hier in Frankfurt.
Frankfurt. 

Philipp Feldmann, Frankfurter Investmentunternehmer für Büroimmobilien, musste Prioritäten setzen. „Ich komme aus Mittelhessen, wo eigentlich auch mein Kind aufwachsen könnte“, sagte er. Doch da das Pendeln zu lang und der Weg zum Kind daheim zu weit war, ging er in Frankfurt auf Wohnungssuche. Es war nicht leicht, etwas Bezahlbares zu finden – doch heute fühlt er sich mit seiner Miete von 13,50 Euro pro Quadratmeter noch gut bedient. Zumal er es aus anderen Städten weit teurer kennt.

„Wie viele internationale Metropolen wächst Frankfurt vorhersehbar weiter, doch statt jährlich 7000 werden höchstens 2500 bis 3000 Wohnungen gebaut“, stellte Martin Wentz fest, Projektentwickler und früherer Frankfurter Bau- und Planungsdezernent. Nach der jüngst veröffentlichten Studie des Immobilienunternehmens Immoconcept könnten 2030 bis zu 90 000 Wohnungen fehlen, zudem seien die Baukosten in den vergangenen acht Jahren auch wegen hoher Niedrigenergiestandards um 30 Prozent gestiegen.

„Eklatanter Mangel“

Unter dem Titel „Frankfurt – umkämpfte Stadt. Ökonomische Interessen und Bürgerbeteiligung“ hatten das Nell-Breuning Institut der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, die Katholische Akademie Rabanus Maurus, die Evangelische Akademie Frankfurt und die Heidelberger Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft zu einer Podiumsdiskussion mit Experten eingeladen.

„Wir haben in Frankfurt vor allem einen eklatanten Mangel an bezahlbaren Wohnungen, und diese Probleme wurden politisch herbeigeführt“, beklagte Conny Petzold von der Initiative „Eine Stadt für alle! – Wem gehört die ABG?“ Auch die städtische ABG Holding, so Petzold, trete zunehmend wie ein privater Investor auf. „Wir brauchen vor allem in der Innenstadt eine Nachverdichtung im sozialen Wohnungsbau.“ Auch die Steuerungselemente müssten besser greifen: „Die Mietpreisbremse ist in Frankfurt praktisch nicht existent“, hat Feldmann beobachtet. Dafür gebe es beim Mieten und beim Kauf von Wohnungen ein regelrechtes Wettbieten.

„Immerhin ist der jetzige Mietpreisstopp bei der ABG Holding ein erster Erfolg“, räumte Petzold ein. Allerdings müsse die Stadt auch häufiger Gebrauch von ihrem Vorkaufsrecht machen, wenn es um den Erwerb von neuen Flächen für den Bau von genossenschaftlichen Wohnungen gehe. „Das Problem ist, dass die Genossen in Frankfurt schlichtweg kein Bauland mehr finden“, sagte Wentz. Die Kosten für bebaubare Grundstücke würden immer weiter ansteigen, denn Bauland sei knapp, weil zu viele mögliche Flächen ungenutzt blieben – vor allem am Stadtrand und im Umland, wo andere Großstädte viel stärker investierten.

Schutz der Rübenäcker

Wentz blickte zurück, wie sich Frankfurt um 1900 und nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte. „Damals wurden das Nord- und Ostend ausgebaut, beim Wiederaufbau entstanden zudem zügig weitere Wohngebiete wie die Albert-Schweitzer- oder Fritz-Kissel-Siedlung, um die vielen Flüchtlinge aufzunehmen.“ Heute hingegen scheiterten wichtige Neubauflächen wie der Pfingstberg am Protest von Initiativen und Umweltverbänden. „Da gehen Flächen verloren, auf denen man den Riedberg viermal bauen könnte, weil ein Rübenacker ein Rübenacker bleiben muss.“ Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) verteidigte das auf Nachfrage: „Eine funktionierende Landwirtschaft ist für eine saisonale und regionale Versorgung der Stadt Frankfurt von herausragender Bedeutung.“

Aus dem Publikum wurde kritisiert, dass der Bestand an bezahlbaren Wohnungen besser gesichert werden müsste. Zu leicht könnten Investoren entmieten und luxussanieren. In neuen Stadtquartieren wie dem Europaviertel oder dem Westhafen müssten Investoren nur ein Minimum an gefördertem Wohnungen bauen, die Chance für mehr sozialen Wohnungsbau sei auf dem Kulturcampus Bockenheim vertan worden.

„Junge Familien wollen in die Städte zurückziehen, beim derzeitigen Trend werden 30 Euro im Westend normal sein“, mahnte Feldmann. Er selbst musste in Hongkong sogar 900 Euro für acht Quadratmeter ohne Klimatisierung zahlen.

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